Von Hauke Goos
Der Euro bedroht, die Wirtschaft vor der Rezession, die Aktienmärkte den Entscheidungen der Politiker ausgeliefert: Wie investiert man in einem solchen Szenario? Dem Vermögensberater Frank Fischer stellt sich diese Frage täglich. Ein Logbuch im Vorfeld des Euro-Gipfels.
1. Tag - Freitag, 18.11.2011
Frank Fischer ist schon auf dem Weg nach Köln, als die Partei "Die Linke" im Frankfurter Bankenviertel zu einer Kundgebung aufruft. Thema: "Gegen die Diktatur der Finanzmärkte", Hauptredner: Oskar Lafontaine, Musik: Geier Sturzflug.
Fischer berät in Frankfurt einen Fonds, der langfristig in kleine, unterbewertete Unternehmen investiert. Am Nachmittag hat er 100.000 Aktien eines Finanzdienstleisters erworben, der Kurs hatte auf dem Höhepunkt des Internet-Booms 172 Euro erreicht, an diesem Freitag kostete die Aktie noch 4,60 Euro. In Köln soll Fischer auf den "Finance Days", einer Messe für Privatanleger, einen Vortrag über Value-Investing halten, jene Anlagestrategie, die Warren Buffett zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht hat. Die Privatanleger sind tief verunsichert, das ist Fischers Eindruck an diesem Abend, frustriert, enttäuscht.
Nach dem Vortrag wollen sie vor allem wissen, ob sie jetzt Fischers Fonds kaufen sollten. Fischer empfiehlt ihnen, dann zu kaufen, wenn es ihnen richtig schwer falle. Wenn scheinbar nichts mehr für den Kauf von Aktien spreche.
Der Dax schließt an diesem Freitag bei 5800 Punkten, 0,8 Prozent niedriger als am Vortag.
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