Verschwörungstheorien der Wirtschaft: Das geplünderte Golddepot von Fort Knox

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Pssst! Haben Sie es schon gewusst? In kaum einem anderen Lebensbereich kursieren so viele Verschwörungstheorien wie in der Wirtschaft. SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten vor. Diesmal: Wie Präsident Nixon die amerikanischen Goldreserven aus Fort Knox verscherbelte.

Szene aus "Goldfinger": Gähnende Leere in 13 Kammern? Zur Großansicht
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Szene aus "Goldfinger": Gähnende Leere in 13 Kammern?

Die Theorie

Gert Fröbe alias Auric Goldfinger würde seinen Augen nicht trauen, zöge er seinen Coup heute durch: Nachdem der Bond-Bösewicht die Wachtruppen in bewährter Manier per Giftgas ausgeschaltet und so den Weg ins schwer gesicherte Fort Knox geebnet hätte, ließe Goldfinger die 22 Tonnen schwere und fast einen Meter dicke Stahltür zum Tresor öffnen, und sähe ... nichts. Genauer: Einen Gang mit 13 Kammern, doch in keiner von ihnen fände sich auch nur einer der 368.000 Goldbarren, nicht eine Unze der insgesamt mehr als 4500 Tonnen des Edelmetalls, die offiziell in der wichtigsten Schatzkammer für die amerikanischen Goldreserven lagern.

Allerdings wäre es ohnehin unwahrscheinlich, dass Goldfinger im Jahr 2012 ein derartiges Risiko einginge. Ein wenig Recherche im Internet hätte ihm schnell die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens vor Augen geführt. Denn auf den einschlägigen Verschwörungs-Websites herrscht Einigkeit: Fort Knox ist seit langem geplündert.

Bereits der demokratische Präsident Lyndon B. Johnson, so meinen einige zu wissen, ließ das Gold zumindest teilweise über die Grenzen schaffen, konkret: per Schiff nach London transportieren. Sein republikanischer Nachfolger Richard Nixon hingegen, davon sind wiederum andere überzeugt, verscherbelte das Edelmetall nach und nach - ob zur eigenen Bereicherung oder zur klammheimlichen Sanierung des Staatshaushalts ist unklar. Eindeutiger jedoch dürfte die Motivation der superreichen Rockefeller-Familie gewesen sein, die anderen Verschwörungstheoretikern zufolge den Hauptteil des Goldschatzes aus Fort Knox stahl und zu Dumping-Preisen an Europäer verkaufte.

Das Wissen über die leere Schatzkammer kann gefährlich sein. Das musste Dominique Strauss-Kahn im Mai des vergangenen Jahres schmerzhaft erfahren, glaubt man jener von der schweizerischen Tageszeitung "20 Minuten" zitierten Geschichte: Demnach wurde, so wisse es der russische Geheimdienst, der damalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht deshalb am New Yorker Flughafen verhaftet, weil ein Zimmermädchen ihn der Vergewaltigung beschuldigte - sondern weil Strauss-Kahn kurz zuvor erfahren hatte, dass Fort Knox tatsächlich leer ist.

Was steckt dahinter?

Nichts an den Geschichten über das geplünderte Fort Knox ist auch nur ansatzweise plausibel, kein einziger Fakt spricht für sie. Dass die Mythen sich dennoch hartnäckig halten, ist wohl dem einzigen Grund zuzuschreiben, weshalb sie überhaupt existieren: der äußerst restriktiven Geheimhaltungspolitik des US-Schatzamts. Seit der ersten Goldlieferung im Januar 1937 durfte kaum ein Außenstehender das Innere von Fort Knox in Augenschein nehmen. Harry Truman soll der letzte Präsident gewesen sein, dem dies gestattet wurde.

Es war unter anderem die öffentliche Behauptung des antisemitischen Anwalts Peter Beter, die Rockefeller-Familie habe das Gold aus Fort Knox billig an europäische Kunden verkauft, die das US-Schatzamt im Jahr 1974 zu mehr Transparenz bewegte. Zum ersten und bisher einzigen Mal wurde Journalisten Zugang gewährt. Es durfte gefilmt und fotografiert werden. Doch diese Transparenzoffensive verfehlte ihre Wirkung. Die Besucher bekamen lediglich eine der 13 Kammern zu sehen, und ob sich in dieser tatsächlich meterhoch Goldbarren oder doch nur wertlose Attrappen stapelten, wurde alsbald heiß diskutiert.

Selbst der zuständige Beamte des Schatzamts, ein gewisser Eric M. Thorson, bekam laut einem Bloomberg-Bericht bei seinen jährlichen Kontrollen den Goldschatz lange Zeit nicht zu Gesicht. Er überprüfte lediglich, ob die Wachssiegel an den Türen der 13 Kammern nicht beschädigt waren. Bis im September 2010 die Schlösser ausgetauscht wurden: Thorson nutzte die Gelegenheit und betrat das Allerheiligste. Die Menge des Goldes, die er erblickte, habe ihm den Atem geraubt, berichtete er.

Und wenn es doch wahr wäre?

Auric Goldfinger, daran sei erinnert, wollte anno 1964 das Gold aus Fort Knox nicht etwa stehlen. Stattdessen wollte er es mittels einer Atombombe radioaktiv verseuchen und so den Wert seiner eigenen Bestände in die Höhe treiben. Ob verseucht oder verschwunden, der Effekt wäre wohl der gleiche - immerhin entsprechen 4500 Tonnen etwa 2,5 Prozent des jemals auf dieser Erde geförderten Goldes. Der Preis des Edelmetalls würde binnen kurzem deutlich steigen.

Die Auswirkungen könnten durchaus segensreich sein. Wenn etwa die Krisenländer der Euro-Zone dann ihre Goldreserven (Griechenland: 111 Tonnen, Portugal: 382 Tonnen, Italien: 2452 Tonnen) verkaufen würden, wäre die Sanierung ihrer heillos überschuldeten Haushalte leichter, die Krise Geschichte und Europa ein prosperierender Kontinent.

Für die USA hingegen verhieße die Enthüllung weniger Gutes. Zwar wäre der materielle Verlust an sich unwesentlich - die rund 260 Milliarden Dollar, die das Gold in Fort Knox derzeit Wert ist, nehmen die USA in weniger als drei Monaten als neue Schulden auf. Aber der psychologische Effekt des Vertrauensverlusts in die amerikanische Notreserve wäre wohl auch finanziell verheerend: Der Dollarkurs könnte abstürzen, sein Ruf als globale Leitwährung wäre dahin.

Doch damit all dies eintritt, reichte es nicht, wenn die Theorie vom gähnend leeren Fort Knox wahr ist - diese Tatsache müsste zudem allgemein bekannt sein. Von dieser Warte aus gesehen macht die extreme Geheimhaltungspolitik der amerikanischen Schatzhüter durchaus Sinn.

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Wie jetzt ?
wasersacht 14.10.2012
Griechenland hat 111 t Gold und will Geld von Europa ?
2. da fehlt aber noch was
kölschejung72 14.10.2012
Ursprung der Verschwörungstheorien bezüglich des Goldes stammen noch aus der Zeit des Goldstandards als Frankreich versucht hat, tatsächlich für seine Dollar Gold zu erhalten und die USA das ablehnten. Schon damals gab es die erste Verschwörungstheorie, dass mehr Dollar als der Gegenwert in Gold im Umlauf waren. Konsequenterweise gab die USA ja dann den Goldstandard auf. Die aktuellen Verschwörungstheorien bezüglich Gold sehen so aus, dass die USA schon lange Gold verkauft, um den Goldpreis niedrig zu halten und dazu lediglich Barren mit einer Goldhülle und anderen Metallen im Kern lagert. Die richtig üblen Verschwörungstheorien gehen allerdings dahin, dass die FED-Besitzer John F. Kennedy hat umbringen lassen, als er eine stabile Zweitwährung mit Silberstandard einführen wollte. Die Gesetzesvorlagen und Vorbereitungen hat es angeblich schon gegeben. Und das leitet dann über in eine breitere Verschwörungspespektive und bringt uns mittelbar zur heutigen Banken- und Finanzkrise.
3.
sfb 14.10.2012
Zitat von sysopNichts an den Geschichten über das geplünderte Fort Knox ist auch nur ansatzweise plausibel, kein einziger Fakt spricht für sie.
Allerdings. Plausibel ist dagegen, die Welt mit billigem Geld zu überschwemmen ("Der Dollar ist unsere Währung, aber Euer Problem!"), wenn man selbst die mit Abstand größten Goldreserven im Zugriff hat, zusätzlich einen Großteil der Reserven anderer Staaten, sowie die Waffen, diesen Zustand auch zu sichern. Dann kann man dem unausweichlichen Crash der Papierwährungen entspannt entgegensehen und ist zudem noch seine Schulden los. Clever gemacht das Ganze, das muss man neidlos anerkennen...
4. Nur eine der Verschwörungstheorien zum Gold
lemmy01 14.10.2012
Das ist allerdings nur eine der Verschwörungstheorien zum Thema Gold. Eine andere ist beispielsweise die Behauptung, dass der Goldpreis seit Jahrzehnten systematisch manipuliert wird. Dafür gibt es sogar eigentlich überzeugende Analysen: Und nachdem man beim Libor-Skandal gesehen hat, was möglich ist, ist es noch viel schwerer, dies ins Reich der Verschwörungstheorien zu verbannen
5. der eine sagt so, der andere so
Schäfer 14.10.2012
Zitat von sysopNichts an den Geschichten über das geplünderte Fort Knox ist auch nur ansatzweise plausibel, kein einziger Fakt spricht für sie.
Das ist so nicht richtig. Dass eine vom Parlament angeordnete Untersuchung der deutschen Goldreserven wieder zurückgenommen wurde, spricht beispielsweise dafür. Dass es sich nicht um Fort Knox handelt, ist dabei unerheblich. Darauf kommt es aber nicht an. Ob das Gold noch im Besitz seiner Eigentümer ist, ist gleichgültig, weil sie jedenfalls keinerlei Verfügung darüber haben. Eigentum ohne Rechte ist praktisch nichts wert.
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