Euro-Verschwörungstheorie Das Ende ist nah!

Die nächste Währungsreform kommt bestimmt - und zwar bald: Ein Kreis von Hobby-Apokalyptikern wittert überall Anzeichen, dass heimlich bereits das Ende des Euro vorbereitet wird. Ihr Gegenrezept: Vorräte anlegen, Gold horten.

Goldbarren: Zur Not ein Fahrrad daraus schmelzen
DPA

Goldbarren: Zur Not ein Fahrrad daraus schmelzen

Von


Die Theorie

Psst! Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass der Geldautomat Ihrer Sparkasse in letzter Zeit ziemlich häufig "defekt" ist? Werden Sie auch misstrauisch, wenn Christine Lagarde als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) auffällig oft von einem "Neustart des Finanzsystems" spricht? Schlimmes steht bevor! Banken, Politik und Medien bereiten die Währungsreform vor. Schon bald ist es so weit.

Der Tag X wird ein Freitag sein. Für diesen Tag wird man einen Börsencrash inszenieren ("Schwarzer Freitag", Sie wissen schon) und die Banken unter irgendeinem Vorwand schließen. Vermutlich wird es bis Dienstag dauern, bis sie wieder öffnen - dann mit einer neuen Währung. Von den Kundengeldern auf den Giro- und Sparkonten bleibt dabei nicht viel übrig. Vermutlich wird man rund 5000 Euro in die neue Währung eintauschen dürfen. Der Rest verfällt.

Anzeige
• Die Herrschaft der Illuminaten: Das Auge auf dem Dollarschein
Aspartam: Das süße Gift
• Enteignung durch Währungsreform: Nur Gold ist sicher
• Der Fall Barschel: Die verräterischen Spuren der Waffenhändler
• US-Zentralbank: Die Fed als Marionette der Finanzmafia
Flouride: Gefahr aus der Zahnpasta-Tube
• Geplanter Murks: Produkttod - pünktlich nach Garantieablauf
Bilderberg-Konferenz: Das Kartell der Macht
• Schweine-Anus als Tintenfischring: Analimari Fritti
• Profiteure des Terrors: Wie Mitwisser an 9/11 verdienten
• Heute Weihnachtsmann, morgen Osterhasi: Umgeschmolzene Schoko-Figuren
Doch das ist noch nicht alles: Es droht ein Absturz des gesamten Wirtschaftssystems. Haben Sie schon mal nachgeschaut, ob Sie ausreichend Lebensmittel zu Hause haben? Für mehrere Wochen sollten die Vorräte schon reichen. Können Sie gärtnern? Was ist mit Benzin? Sind die Leute, mit denen Sie sich umgeben, im Krisenfall verlässliche Mitkämpfer oder nur irgendwelche netten Bekanntschaften mit zwei linken Händen?

Wer sich auf Internetseiten wie hartgeld.com umschaut, findet viele solcher Warnungen und bange machenden Fragen. Auf der von Walter Eichelburg betriebenen Seite berichten Leser über ihre neuesten Erkenntnisse zur bevorstehenden Währungsreform. Manchmal sind es kleine, stutzig machende Beobachtungen aus einer Filiale Ihrer Hausbank, ein anderes Mal angebliche Insidertipps aus der Top-Etage großer Finanzkonzerne.

Auch in zahlreichen Blogs wird vor dem drohenden Währungswechsel gewarnt. Sogar in der deutschen Ausgabe der "Huffington Post" berichtet ein Autor von den "16 Anzeichen für eine Währungsreform". Als Schutz vor den Folgen eines solchen Finanzkollapses empfehlen die meisten Währungspropheten ein einfaches Rezept: Gold, Gold und Gold. Das Edelmetall sei schließlich auch dann noch etwas wert, wenn das alte Papiergeld seine Funktion als Zahlungsmittel verloren habe.

Was steckt dahinter?

Hinter dieser Verschwörungstheorie steckt viel Fantasie, häufig aber auch ein ausgeprägter Geschäftssinn. Doch zunächst zur Plausibilität: Währungsreformen sind in der Tat gar nicht so selten. Sie kommen normalerweise entweder dann, wenn ein Staat bankrott ist, oder wenn die Notenbank die Inflation nicht mehr in den Griff bekommt. In Deutschland gab es Währungsreformen zum Beispiel 1924 nach der Hyperinflation, 1948 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und 1990 zur Vorbereitung der Wiedervereinigung. Damals wurde die Ostmark der in Auflösung befindlichen DDR in D-Mark umgetauscht.

Angesichts einer solchen Häufung in der Geschichte wäre es naiv zu glauben, dass es nie wieder eine Währungsreform geben wird. Die Eurokrise hat gezeigt, wie labil gerade eine Währungsunion verschiedener Nationalstaaten sein kann. In den turbulenten Monaten der Jahre 2010 bis 2012 waren sich selbst Top-Banker und renommierte Wirtschaftsprofessoren häufig nicht mehr sicher, ob der Euro noch lange halten würde. Die Notenbanken sind auf solche Notfälle durchaus vorbereitet und könnten in relativ kurzer Zeit neue Geldscheine drucken.

So weit, so richtig. Doch das reicht den Machern von Seiten wie www.hartgeld.com nicht. Bei ihnen ist ständig Währungsreform. Im Herbst 2013 etwa gingen die versammelten Untergangspropheten fest von einem Systemsturz im Winter aus - weil es im Winter kalt sei und sich nicht so viele Demonstranten auf die Straße trauten, wie es hieß. Dann verkündeten selbst ernannte Währungsexperten, die Reform werde wohl im Februar kommen, wenn die Menschen durch die Olympischen Spiele in Sotschi abgelenkt seien. Als auch das nichts wurde, markierte man sich ein Datum im April - das hatte schließlich ein gut informierter Insider aus der Schweiz vorausgesagt.

Richtig konkret wurden die Vorhersagen im Jahr 2010. Damals konnte man auf hartgeld.com Details über die "überfallartige Einführung einer neuen Währung" lesen. Der Termin für die Ansprache der Kanzlerin wurde bereits verkündet - und man sichtete angeblich mehrere Geldtransporter mit mutmaßlichen D-Mark-Scheinen. Am Ende wurde der Plan leider abgesagt.

Diesmal, meint der selbst ernannte Experte Eichelburg, gebe es "viel umfangreichere Vorbereitungen psychologischer Art": Durch die geplante Gläubigerhaftung bei Bankenpleiten in Europa würde den Menschen schon mal vorsichtig suggeriert, dass es normal sei, sein Geld zu verlieren. Also, und das ist die Schlussfolgerung fast aller Währungsreformprediger, solle man gefälligst Gold kaufen. Und zwar physisch, in Barren oder Münzen, nicht über irgendwelche Wertpapiere, die uns die Banken andrehen.

Wenn der Goldpreis trotz all der stichhaltigen Argumente doch mal fällt, können die Freunde der Währungsreform das natürlich auch erklären: In diesem Fall haben dunkle Mächte den Marktpreis künstlich gedrückt, um die arglosen Kleinanleger zum Verkauf zu bringen - und selbst noch mehr Gold einzusammeln.

Und wenn es wahr wäre?

Wenn alles wahr wäre, was Leute wie Walter Eichelburg behaupten, dann müssten wir uns ziemlich häufig an neues Geld gewöhnen. Klar, der Anfang wäre leicht, man könnte ja einfach die D-Mark zurückholen. Aber wenn man das zum Beispiel im Februar gemacht hat, wie nennt man dann die Währung, die im April kommt? Deutsche Lira? Deuro? Am besten, man lässt sich gar nicht auf solche Spiele ein und bleibt einfach nur beim Gold. Stange Zigaretten? Zahl ich mit einem Ein-Gramm-Barren. Fürs neue Auto ist dann schon eher ein Kilo fällig. Oder gibt es dann gar keine Autos mehr? Wer weiß, zur Not gieße ich mir eben ein Fahrrad aus Gold.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Das Glühbirnenkomplott".



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 209 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gucky2009 15.01.2015
1. Bald nähert sich das 15jährige Jubiläum des Ende des Euros
Eigentlich wird von diversen Seiten (z.B. Kopp-Verlag) das Ende des Euros schon seit seiner Einführung verkündet.
produster 15.01.2015
2. Das ist alles.
Das Ende des Euro mag in weiter Ferne liegen. Dieses Projekt zur Bereicherung von Banken, Großindustrie und einer bedenkenlosen Politelite wird ja, wir wir sehen, gegen jede Kritik und trotz des sichtbaren Scheiterns brutalstmöglich verteidigt. Das Ende naht für Sparer, den Sozialstaat und die soziale Gerechtigkeit. Das ist alles.
michelinmännchen 15.01.2015
3. Netter Artikel
allerdings fehlt ein wenig der Hinweis, warum es "Verschwörungstheorien" sind, wenn selbst Schäuble und Schmidt von einer bevorstehenden Revolution sprechen. Berechnungen z.B. vom Ifo-Institut/Sinn sprechen hier eine sehr deutliche Sprache. Mich interessiert aber sehr, welche Indikatoren genau zu einem Zusammenbruch eines Wirtschaftssystems führen würden. Das finde ich nur unzureichend beschrieben und insbesondere immer mit dem Hinweis auf psychologische Effekte...
hans00wurst 15.01.2015
4.
"Hinter dieser Verschwörungstheorie steckt viel Fantasie, häufig aber auch ein ausgeprägter Geschäftssinn." Schade, die Idee den Verschwörern den Boden wegzuziehen, ist ja ganz nett. Dann aber solche Einzeiler einzustreuen, ohne näher darauf einzugehen, ist schwach. Oder hat der gute Herr Eichelburg einen Goldvorrat im Keller, den er dann gewinnbringend veräußert? Es steckt also mitnichten ein gewinnbringender Geschäftssin dahinter, sondern viel mehr die Lust am Untergang. Jede VT trägt diese Lust in sich - das macht sie ja so "attraktiv". Einmal darauf eingelassen, ergibt alles einen "Sinn".
bonngoldbaer 15.01.2015
5.
Geld wird sowieso bald ganz abgeschafft. Ich habe schon keins mehr.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.