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Verschwörungstheorien in der Wirtschaft: Die große Süßstoff-Lüge

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Cola light? Ein Killerdrink! Diätjoghurt? Brandgefährlich! Erstaunlich viele Menschen halten den in beiden Produkten enthaltenen Süßstoff Aspartam für pures Gift, mit dem uns mächtige Konzerne krank machen.

Süßstoff versus Zucker: Eines ungesünder als das andere? Zur Großansicht
Corbis

Süßstoff versus Zucker: Eines ungesünder als das andere?

Die Theorie

Kaum anzunehmen, dass diese Frage ernst gemeint ist. "Würden Sie freiwillig ein Glas Methanol oder Formalin trinken?", heißt es auf Internet-Seiten wie zentrum-der-gesundheit.de und zeitenschrift.com. Wer nicht gerade todesmutig ist, wird diesen Vorschlag denn auch verneinen. Ein rasches Ableben nach einem kräftigen Schluck Methanol wäre gewiss.

Was so absurd klingt, kommt unserem täglichen Konsumverhalten dennoch ziemlich nah, meinen Verschwörungstheoretiker. Ihnen zufolge schlucken Millionen Menschen Methanol und andere Gifte, indem sie vorzugsweise braune koffeinhaltige Brause zu sich nehmen, die mal als "Light", mal als "Zero" beworben wird. Oder sie verzehren die "schlanken" Varianten von Fruchtjoghurts, Kaugummis und Bonbons. Denn überall ist Aspartam enthalten, auch bekannt unter den Namen Nutrasweet, Canderel oder E951. Eigentlich aber müsste es Krebsauslöser, Dickmacher und Killergift genannt werden. Denn Aspartam sei nichts anderes als das, sagen die Verschwörungstheoretiker.

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Warum wir dennoch weiter nach Light-Produkten greifen? Ganz einfach, weil die US-Industrie, Spitzenpolitiker, Wissenschaftler und das Imperium der Rockefellers erstens unter einer Decke und zweitens dahinter stecken. Trotz massiver Warnungen aufrechter, unbestechlicher Gruppen im Internet kann sich das süße Gift so immer weiter ausbreiten. Heute steckt es in mindestens 5000 Produkten und wird in 100 Ländern weltweit von mehr als 250 Millionen Menschen verzehrt, von denen viele nicht ahnen, woher ihre Diabetes, ihre ständigen Kopfschmerzen, Depressionen, Seherkrankungen und ihr ungezügelter Appetit kommen. Sie greifen im Supermarkt daher immer weiter nach den als gesund angepriesenen Produkten, machen die reichen Aspartam-Besitzer noch reicher und schaufeln sich selbst ihr Grab.

Was steckt dahinter?

Als der amerikanische Chemiker James Schlatter 1965 im Auftrag seines Arbeitgebers G. D. Searle & Company an der Entwicklung eines Geschwürmedikaments forschte, entdeckte er zufällig Aspartam. Die häufig erzählte Geschichte dazu: Schlatter hantierte angeblich gerade mit Aminosäuren herum, wühlte in seinen Unterlagen, leckte seinen Finger, um ein Blatt Papier zu greifen - und war überrascht von dem extrem süßen Geschmack, den die Aminosäuren hinterlassen hatten. Aspartam und die Firmensparte Nutrasweet waren geboren. Bis der Süßstoff zu einem dicken Geschäft wurde, dauerte es allerdings noch lange. Die US -Lebensmittelbehörde ließ Aspartam erst Anfang der Achtzigerjahre vollständig zu, in Deutschland ist der Lebensmittelzusatzstoff seit 1990 auf dem Markt.

So weit, so unauffällig. Die Verschwörungsanhänger aber wittern bereits ein Komplott dahinter, dass 1977 Donald Rumsfeld an die Spitze von G. D. Searle berufen wurde. Der frühere und spätere republikanische Verteidigungsminister war damals schon sehr einflussreich in Washington und soll bei seiner späteren Rückkehr in die Politik unter anderem dafür gesorgt haben, dass Arthur Hull Hayes Chef der bislang Aspartam-skeptischen Lebensmittelbehörde FDA wurde - und dort prompt den Süßstoff zuließ. Klar, das passt gut zusammen. Und liefert ein weiteres Indiz, dass Konzerne viel Geld und Energie in die Lobbyarbeit stecken.

Doch diese Erkenntnis ist alles andere als überraschend und noch lange kein Beweis für die Gefährlichkeit von Aspartam. Fakt ist: Bislang gibt es keine ernst zu nehmenden, das heißt fehlerfreien und unabhängigen medizinischen Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr des Süßstoffs und Krankheiten wie Krebs oder ähnlichen Gesundheitsschäden nachweisen konnten. Ja, es gab Untersuchungen, etwa die gern zitierte Studie der Ramazzini Foundation an Nagetieren. Doch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam zu dem Schluss, dass auch diese Studie "keinen wissenschaftlichen Beweis dafür liefert, die Verwendung von Aspartam in Lebensmitteln nochmals zu überdenken". 2013 erklärte die Behörde den Süßstoff erneut für unbedenklich.

Aspartam besteht aus Eiweißbausteinen, die nach dem Essen wieder in diese zerfallen. Die drei entscheidenden Bestandteile sind Methanol und die Aminosäuren Phenylalanin und Asparaginsäure. Menschen mit der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie dürften daher tatsächlich ein Problem bekommen, wenn sie Aspartam zu sich nehmen. Aber auch das reicht nicht aus, um den Süßstoff generell zu verteufeln.

Gefährlicher für deutlich mehr Menschen ist das Methanol in mit Aspartam gesüßten Produkten, das allerdings auch in Obst- und Gemüsesäften vorkommt. Die EFSA empfiehlt, pro Tag maximal 40 mg Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht zu sich zu nehmen, um nicht zu viel Methanol im Körper abzubauen. Man müsste als Normalgewichtiger morgens, mittags und zwischendurch literweise Light-Limonade trinken, um diese Menge zu erreichen. Selbst ein Kind mit 20 Kilo Körpergewicht kann der EFSA zufolge täglich eineinhalb Liter mit Aspartam gesüßte Limonade trinken, ohne den Grenzwert zu erreichen (bitte nicht als Handlungsempfehlung missverstehen!).

Umstritten bleibt, ob der Süßstoff nun den Appetit anregt (und so langfristig eher noch dicker macht) oder als Diätmittel taugt.

Nicht nachweisbar ist ein Zusammenhang der Familie Rockefeller mit der Firma Nutrasweet - die zwischenzeitlich dem Saatgutkonzern Monsanto gehörte und mittlerweile im Besitz eines privaten Investmentfonds ist.

Und wenn es wahr wäre?

Mal ehrlich: Wären Sie schockiert, wenn Aspartam tatsächlich ein fieses Gift wäre und wir nur sehr langsam die maliziöse Wirkung merkten? Was macht das bisschen Aspartam schon aus gegenüber den vielen anderen Alltagsgiften, die wir als normal empfinden - seien es die Abgase der Geländewagenmonster in unseren Städten, das tägliche Glas Wein (aus dem allzu oft die tägliche Flasche wird), das gegrillte, leicht verkohlte Steak, die fettige Currywurst oder der überzuckerte Kuchen? Wer unsicher ist, sollte es vielleicht mit Philippus Aureolus Theophrastus Bombast von Hohenheim halten. Der besser unter dem Namen Paracelsus bekannte Arzt wusste schon im 16. Jahrhundert: Dosis sola venenum facit. Allein die Menge macht das Gift.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Das Glühbirnenkomplott".

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insgesamt 117 Beiträge
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1. Also Leute, alles klar,
freidimensional 16.01.2015
hört bloß nicht auf die kranken Typen von der TV-Zone. Es ist doch offensichtlich, dass das alles nur dumme Ideen sind. Und wenn jemals einer behaupten sollte, er sei unter den Schulmedizinern und ihrer 08/15-Behandlung kränker und danach beim Heilpraktiker deutlich gesünder geworden: Das sind alles nur kranke Idioten. Und sehen Sie doch, wie gesund die Leute sind heutzutage, kaum einer hat Krebs, statistisch nicht wahrnehmbar die Leute mit Depression, Burn-out, Rückenproblemen, kein Diabetes weit und breit oder sonst was (z.B. Krebs bei Kindern), über was sich zu diskutieren lohnt - und dass die Pensionisten mit Pharmazeutika vollgestopft werden, ist doch gar nicht wahr - nein, Leute, es ist wirklich alles cool, die Pharma-Firmen tun alles Menschenmögliche und reissen sich den Hintern auf, um SIE und MICH gesund zu machen, und das für fast kein Geld, ehrlich. Nieder mit den Verschwörungstheoretikern! End of sarcasm. Eugen Roth (glaub ich): Was bringt den Doktor um sein Brot? A) die Gesundheit, B) der Tod. Drum hält der Arzt, auf dass er lebe, uns zwischen beidem in der Schwebe.
2. Kein Freund von Verschwörungstheorien
hanswurster 16.01.2015
Trotzdem bleiben vorliegend doch einige Fragen offen. Es gibt da ja eine sehr schöne Dokumentation drüber, deren Argemente bisher nicht widerlegt werden. Der Chef der FDA, die die Zulassung strikt verweigerte weil die von der Industrie zugelassenen Studien nicht zu gebrauchen waren und unabhängige Studien zu deutlich anderen Ergebnissen kamen, wurde gewechselt. Ohne weitere Tests wurde Aspartam sofort zugelassen. Die Einwände gegen Studie der Ramazzini Foundation sind offensichtlich vorgeschoben. Die "Experten" der EFSA kommen aus der Industrie oder arbeiten für diese. Angeblich geben diese aber ihre Arbeitgeber an, damit es zu keinen Interessenkollision kommt. Eine der Beteiligten, welche die Studie berwerten sollte, arbeitete aber für Coke, die Hauptnutzer von Aspartam. Als darauf hingewiesen wurde, wurde der Eintrag einfach gelöscht, so dass jetzt natürlich alle ganz frei entscheiden konnte. Der interviewte Mitarbeiter der EFSA wies ja auch darauf hin, dass die auch hier zunächst verweigerte Zulassung aufgrund neuer überzeugender Studien erteilt wurde. Als ihm gezeigt wurde, dass es keine neuen Studien gab war dieser dann verwundert, konnte aber auch nichts weiter beitragen. Es wirkt schon ein wenig seltsam. Im Artikel wird dann ja auch gar nicht aufgeklärt...
3. Verschwörungstheoretiker kein Schimpfwort!
LilaEule33 16.01.2015
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)" mag den Verzehr für ungefährlich halten, jedoch ein Blick auf seine Mitglieder ofenbart, das solche Aussagen nicht unbedingt belastbart sind. Vor dem Hintergrund ist das Wort "Verschwörungstheoretiker" definitiv kein SChimpfwort, sondern ein Ersatz für guten Journalismus. LobbyControl stellt zur efsa fest: „Recherchen der belgischen Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) und des französischen Netzwerks für Gesundheit und Umwelt (RES) zeigen, dass zwei der neun in das efsa-Expertengremium für 'Lebensmittelzusatzstoffe und Lebensmitteln zugesetzte Nährstoffquellen' (ANS) berufene ExpertInnen es versäumten, ihre bisherigen Tätigkeiten für die Lebensmittelindustrie offenzulegen – sie waren in beratender Funktion für die industrienahe enkfabrik und Lobbyorganisation ILSI (International Life Sciences Institute) tätig.“ ILSI wird u. a. von Coca-Cola, Danone, Kraft, Unilever, Nestlé, McDonalds, BASF, Monsanto und einem führenden Aspartam-Hersteller, Ajinomoto, finanziert, soweit ich weiß. Das betroffene ANS-Gremium der efsa befasst sich auch mit dem synthetischen Süßstoff Aspartam. Eine Studie von NGOs zeigte darüber hinaus, dass bei elf von 20 Experten des Gremiums ernsthafte Interessenskonflikte vorlagen. Natürlich sind das u. a. kardinal wichtige Werbekunden für Ihren Verlag, aber so arg deutlich sollten Sie hier keine Partei ergreifen, was nach meiner Überzeugung geschenen ist.
4. war bei ARTE
Hinweis 2014 16.01.2015
Also ich für meinen Teil bin kein Chemiker, habe aber 2011 eine Reportage genau darüber bei Arte gesehen und an dem Tag mein letztes Cola light getrunken. Ich hab das für eine glaubwürdige Quelle gehalten. Jetzt muss ich mir überlegen, ob ich doch lieber jemanden glaube, der einen Artikel schreibt und mir ein Buch über Verschwörungstheorien verkaufen will.
5. Der wahre Grund...
schlechtgelaunt 16.01.2015
...weshalb viele Menschen Lightprodukte zu sich nehmen sind Chemtrails, diese weißen Linien am Himmel, mit denen die Industrie uns begast und dumm halt. Was 'n Quatsch - halten sich jedoch hartnäckig, diese "Wahrheiten".
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