Verseuchter Mozzarella EU droht Italien mit Ausfuhrstopp

Mozzarella-Krise in Süditalien: In mindestens 25 Käsereien der Region Kampanien sind bei Kontrollen erhöhte Spuren von Dioxin in Büffel-Mozzarella gefunden worden. Jetzt droht Brüssel mit einem Ausfuhrverbot für den Weichkäse.


Hamburg - Auf Mozzarella-Liebhaber kommen möglicherweise harte Zeiten zu: Die EU-Kommission fordert im Skandal um mit Dioxin verseuchten Mozzarella, die betroffenen Produkte sofort vom Markt zu nehmen. Sie schloss zudem ein komplettes Ausfuhrverbot von "Mozzarella di bufala" nicht aus.

Mozzarella in Salzake: Asien verhängt Einfuhrstopp
REUTERS

Mozzarella in Salzake: Asien verhängt Einfuhrstopp

Bei Kontrollen in Kampanien sind in mindestens 25 Käsereien erhöhte Spuren der giftigen Substanz Dioxin in der Delikatesse aus Büffelmilch gefunden worden. Das geht aus ersten Analysen hervor, die das italienische Gesundheitsministerium an die EU weitergeleitet hat. Die Werte lägen "leicht über den Grenzwerten", teilte das Ministerium nach einem Bericht der Zeitung "Corriere della Sera" mit. Es gebe kein Gesundheitsproblem.

Kontrolleure hatten nach Angaben der italienischen Behörden bei Büffelherden auf rund 83 von rund 1900 Bauernhöfen in der Region Neapel den krebserregenden Stoff nachgewiesen. Sie wurden geschlossen, gegen insgesamt 109 Personen wird ermittelt.

Die Behörden vermuten, dass die Büffel verseuchtes Gras in der Nähe illegaler Mülldeponien gefressen haben. Der Müllnotstand in der Mozzarella-Region bei Neapel hatte bereits vor Monaten die Befürchtung ausgelöst, dass Gifte wie Dioxin in die Nahrung gelangen könnten. Der Abfall türmte sich zuletzt wochenlang in den Straßen.

Die EU-Kommission forderte Italien nun auf, genaue Auskünfte über die betroffenen Hersteller und Bauernhöfe, Kontroll- und Schutzmaßnahmen zu liefern. Bisherigen Informationen zufolge sind die fraglichen Produkte lediglich in Italien verwendet und nicht exportiert worden. Asiatische Länder wie Südkorea und Japan haben bereits ein Mozzarella-Einfuhrstopp verhängt.

Derweil versuchen die italienischen Behörden der Krise Herr zu werden. Die regionalen Landwirtschaftsbehörden der Region teilten mit, die Käsereien würden so strikt kontrolliert wie keine anderen im Land. Landwirtschaftsminister Paolo De Castro und Außenminister Massimo D'Alema sprachen von einem "übertriebenen Alarm".

sil/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.