Versicherer: Allein das World Trade Center wird fünf Milliarden Dollar kosten

Nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center sind die Versicherer um eine erste Schadensbilanz bemüht. Schon jetzt ist klar: Der Anschlag ist für sie wahrscheinlich die kostspieligste von Menschen verursachte Katastrophe.

New York/Hamburg - Bei Feststellung der Versicherungsschäden müssten die zerstörten World-Trade-Center-Türme, das Geschäfts- und persönliche Eigentum der Mieter und ihrer Mitarbeiter und die Entschädigungen für verletzte Arbeitnehmer berücksichtigt werden. Weiterhin müssten Ansprüche für verloren gegangene Geschäftseinnahmen und die Kosten zur Einrichtung alternativer temporärer Operationen an anderen Orten berücksichtigt werden.

Allein für die mit dem Zusammenbruch der Bürotürme zusammenhängenden Schäden rechnen die Experten mit Kosten von rund fünf Milliarden Dollar. Teurer waren bisher nur Naturkatastrophen wie Wirbelstürme, Fluten und Erdbeben. Der Bombenanschlag auf das World Trade Center im Jahr 1993 hatte Versicherungsschäden von 510 Millionen Dollar verursacht. Der Bombenanschlag in Oklahoma City im Jahr 1995 hatte 125 Millionen Dollar gekostet. Die Krawalle in Los Angeles im Jahr 1992 hatten Schäden von 775 Millionen Dollar verursacht.

Die Sachversicherungspolicen deckten in der Regel Schäden durch Feuer, Explosion, Rauch oder anderer Sachschäden ab, erklärte das Insurance Information Institute in New York. Versicherungspolicen schließen nach seinen Angaben Krieg aus. Der Kriegsfall werde jedoch in der Regel als erklärter Krieg zwischen Nationen definiert. Angesichts des wachsenden globalen Terrorismus könnten auch einige kommerzielle Versicherungspolicen durch Terroristenattacken entstandene Schäden ausschließen.

Die amerikanische Regierung sei "selbstversichert", so dass die Zerstörung eines Regierungsgebäudes keine kommerzielle Versicherungssache sei. Versicherte kommerzielle Geschäfte im Pentagon könnten hingegen Versicherungsschäden erleiden, hieß es.

Neben den Versicherungsgesellschaften sind vor allem die Rückversicherer betroffen. Viele Versicherungsgesellschaften legen ihre Versicherungsrisiken durch Vereinbarungen mit Rückversicherungen teilweise auf diese Unternehmen um. Damit decken sie sich gegen zu hohe Einzelschäden in Katastrophenfällen ab.

"Die Schadensbelastung für die Gruppe kann erheblich sein", sagte eine Sprecherin der Münchner Rück als weltgrößtem Unternehmen der Branche am Mittwoch. Der Rückversicherer Hannover Rück hat noch keine Übersicht über die Auswirkungen. "Es wird Tage, wenn nicht Wochen dauern, eine Einschätzung der Schäden vorzunehmen", sagte Sprecher Ralf Arndt in Hannover.

Die Schweizer Swiss Re - sie gehört ebenfalls zu den Weltgrößten der Branche - geht nach ersten, groben Schätzungen davon aus, dass sich die eigene Schadenssumme auf umgerechnet rund 1,56 Milliarden Mark beläuft. Wegen des relativ engen Markts werde wohl nahezu jedes Rückversicherungsunternehmen betroffen sein. Allerdings seien durch gegenseitige Absicherungen die Risiken atomisiert und könnten somit auch in Größenordnungen wie dieser Katastrophe getragen werden.

An der Börse in Tokio gaben am Mittwoch - wie bereits an den europäischen Handelsplätzen am Dienstag - vor allem die Papiere der Versicherungen und Fluggesellschaften nach. Unter den Verlierern waren Tokio Marine and Fire Insurance, Japan Airlines und All Nippon Airways.

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