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Versicherer-Krise: Notfallplan für die Mannheimer Leben

In der Krise stecken viele deutsche Lebensversicherer, doch wenigen geht es schlechter als der Mannheimer Leben. Ihr Kollaps könnte zum Image-Gau für die gesamte Branche werden - deshalb wollen Konkurrenten und Finanzaufsicht ihn offenbar gemeinschaftlich abwenden.

Mannheim - "Nicht zu verwechseln", heißt der Slogan der Mannheimer-Versicherung - und das, obwohl die Versicherer wohl wissen, dass viele das Unternehmen nicht recht von der Hamburg-Mannheimer oder anderen ähnlich benannten Konkurrenten unterscheiden können. In einem aber ist die Lebensversicherungstochter der Mannheimer AG in der Tat kaum zu verwechseln: Wie wenige Mitbewerber verkörpert sie wegen ihrer existenzbedrohenden Verluste an den Kapitalmärkten die Liquiditätskrise der klassischen Lebensversicherer.

Führende Versicherungsmanager und die Finanzaufsichtsbehörde BaFin wollen nun laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" in wenigen Tagen über eine Auffanglösung für die Lebensversicherungstochter beraten. Die Konzernmutter Mannheimer AG allein ist inzwischen offenbar mit der Aufgabe überfordert. So wollten BAFin und Versicherer einen Zusammenbruch der Mannheimer Leben und einen größeren Schaden für die Branche abwenden.

Zwei Varianten im Gespräch

Diskutiert würden derzeit noch zwei Modelle, so die "FTD". Entweder gehe der Mannheimer-Bestand an den Spezialversicherer Protektor über, der erst im vergangenen Jahr von allen deutschen Lebensversicherern gemeinsam gegründet wurde, um kriselnde Gesellschaften aufzufangen und so vor der Pleite zu retten. Diese Variante werde aber nicht favorisiert. Bisher hat Protektor keine Unternehmen übernehmen müssen - wenn die Gesellschaft in Aktion treten würde, wäre dies also ein ernstes Krisensymptom.

Deshalb werde eine andere Auffanglösung angestrebt, etwa der Einstieg großer Versicherungskonzerne bei der Mannheimer Lebensversicherung. Die Garantiezinsen von 3,25 bis 4 Prozent, je nach Vertrag, blieben in jedem Fall erhalten. Die Mannheimer-Kunden hätten insofern keine negativen Folgen wie etwa einen Zahlungsausfall zu befürchten. Allerdings würde die die Verzinsung des Sparanteils ihrer Prämien wohl langfristig weiter unter dem Branchendurchschnitt bleiben, so dass die Ablaufleistung beim Ende des Vertrages unter den Erwartungen vieler Kunden bleiben dürfte.

"Schlimmstes Jahr seit Kriegsende"

Bereits am Dienstag hatte der börsennotierte Mannheimer-Gesamtkonzern für das abgelaufene Jahr beträchtliche Verluste gemeldet. Nach Überschüssen in den Jahren zuvor wies der Konzern für 2002 einen Fehlbetrag von 50 Millionen Euro aus. Grund für "das schlimmste Geschäftsjahr seit Kriegsende" sei vor allem eine negative Entwicklung der Kapitalanlagen.

Erstmals seit Jahren verringerten sich die Beitragseinnahmen um 5,4 Prozent auf knapp 810 Millionen Euro. Der Bestand an Kapitalanlagen ging um 2,7 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro zurück. Die im Jahr 2001 noch ausgewiesenen Stillen Reserven von 66,6 Millionen Euro wurden 2002 mehr als aufgebraucht, so dass sich die Stillen Lasten des Konzerns zum Jahresende auf 232,6 Millionen beliefen.

Keine Dividende, keine Zinsgarantie

In den Jahren zuvor hatte der Konzern noch regelmäßig Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe verbucht. Im Jahr 2001 etwa lag der Gewinn bei 23,3 Millionen Euro. Nach Mitteilung der Konzernspitze leidet die Mannheimer unter den gleichen Problemen wie ihre Konkurrenz: enorme Kursverluste an den Kapitalmärkten und dauerhaft niedrige Zinsen, die die Bewertungsreserven deutlich abschmelzen ließen. Sollte die Hauptversammlung zustimmen, müssen die Aktionäre der Mannheimer erstmals seit vielen Jahren auf eine Dividende verzichten.

Für das laufende Jahr erwartet der Konzern wieder ein Beitragswachstum von 1,2 Prozent auf rund 820 Millionen Euro. Um die Krise zu bewältigen, stellt die Mannheimer Lebensversicherung unter anderem auf Produkte ohne Zinsgarantie um. Das allein wird aber offenbar nicht reichen, um das Unternehmen dauerhaft zu stabilisieren.

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