Versicherer-Prognose Frances, teuerster Hurrikan aller Zeiten

Auf bis zu 35 Milliarden Dollar schätzt der US-Versicherungsberater RSM den Schaden, den der Hurrikan "Frances" voraussichtlich verursachen wird. Die Versicherungen müssten dann eine höhere Summe ausschütten als nach den Terrorangriffen auf das World Trade Center.


Miami/New York - Einer der mächtigsten Hurrikans der vergangenen Jahrzehnte erreicht allmählich die Küste Floridas. Mehr als 2,5 Millionen Menschen haben sich in den vergangenen Tagen in Sicherheit gebracht. Auf den Highways an der Westküste Floridas bildeten sich kilometerlange Staus.

Wie eine Walze über eine Modellbahn: Der Weg, den Hurrikan Frances voraussichtlich nehmen wird
REUTERS

Wie eine Walze über eine Modellbahn: Der Weg, den Hurrikan Frances voraussichtlich nehmen wird

Nach ersten Prognosen von Wissenschaftlern droht durch den gigantischen Sturm die teuerste Naturkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Auf 35 Milliarden Dollar schätzt die Agentur Risk Management Solution (RMS) die Schadenshöhe - bereits einen Tag vor der erwarteten Ankunft des Sturms in Florida.

Nach Voraussagen des Hurrikan-Zentrums in Miami wird der Tropensturm am Samstagnachmittag (Ortszeit) mit schweren Winden und Regenfällen an einem 450 Kilometer langen Küstenstreifen zwischen Miami und Daytona Beach erwartet. In dem Gebiet leben 14,6 Millionen Menschen.

Hemant Shah, CEO von RMS, schloss nicht aus, dass der Sturm, obwohl er sich zwischenzeitlich abgeschwächt hatte, sogar bis auf die höchste Stufe der Sturmstärken zulegen könnte.



Steve Mannhard, of Summerdale, Ala., stands on the Paradise Island beach off the Atlantis Resort in the Bahamas watching the heavy surf pound the beach Thursday, Sept. 2, 2004. Wind gusts picked up along the North coast of New Providence as Hurricane Frances continues its path through the central Bahama Islands Hurrikanwarnung: Ein Bewohner von Miami Beach trägt eine Spanplatte zum Verrammeln von Fenstern und Türen nach Hause   Florida bereitet sich vor:   Überall stehen Notunterkünfte wie hier in Fort Pierce zur Verfügung. Tausende von Betroffenen sollen hier Zuflucht finden
  Packen:  Während sich Hurrikan "Frances" dem US-Staat Florida nähert, packt eine Familie aus Tampa ihre Sachen   Stockender Verkehr auf der Interstate 95 in Daytona Beach:   Wer kann, flieht vor dem Hurrikan. Etwa 2,5 Millionen Menschen wurden aufgefordert, den Staat vorläufig zu verlassen   Mutprobe:  Ein einsamer Surfer nutzt die heftigen Wellen in der Nähe von Delray Beach, Florida
  Stop and Go:  Die Autobahnen von Florida sind schon jetzt voller Hurrikan-Flüchtlinge   Auf zu sicheren Ufern:  Die Wasserschutzpolizei von Fort Lauderdale begleitet eine Gruppe von Booten in einen sicheren Hafen   Schlange stehen für Benzin:   Diese Tankstelle im Bezirk Sweetwater bei Miami ist die einzige, die noch Treibstoff vorrätig hat

Florida und der Sturm "Frances":
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Frances Weg durch die Karibik

Zuvor war der Hurrikan durch die Karibik gezogen; zunächst lagen jedoch keine Angaben über Tote und Verletzte vor. Auf der Bahamas-Insel San Salvador richtete Frances nach Angaben des Roten Kreuzes erhebliche Sachschäden an. "Wir untersuchen, ob auch Menschen zu Schaden kamen", sagte der Rote-Kreuz-Vorsitzende des Landes, Gerald Sawyer, am Freitag. Auch Nassau, die Hauptstadt der Bahamas, spürte am Freitag die Auswirkungen des Unwetters. Weil die Bahamas häufig von tropischen Stürmen heimgesucht werden, sind die Häuser dort aber solide gebaut.

Die teuersten Stürme
Sturm Datum US-Bundesstaat Schaden
Hurricane Andrew Aug. 1992 FL, LA, MS $20,3
Hurricane Charley Aug. 2004 FL $6,8
Hurricane Hugo Sept. 1989 SC, GA, NC $6,2
Hurricange Georges Sept. 1998 AL $3,3
Trop. Storm Allison June 2001 TX, PA, LA, NJ, FL, MS $2,6
Hurricane Opal Oct. 1995 FL, AL, GA, NC $2,5
Schäden in Milliarden Dollar (inflationsbereinigt).

Quellen: Insurance Information Institute, ISO

Obwohl sich Frances am Freitagmorgen über den Bahamas etwas abschwächte und mit Windgeschwindigkeiten um die 195 Stundenkilometer von der zweithöchsten Kategorie 4 auf die Kategorie 3 herabgestuft worden war, gaben Meteorologen keine Entwarnung. Sie gingen davon aus, dass sich der Hurrikan mit der warmen und feuchten Luft vor der Küste Floridas voll pumpt und damit neue Kraft gewinnt. Experten rechneten an der Küste mit einer Sturmflut, bis zu vier Meter hohen Wellen und örtlichen Regenfällen von bis zu 50 Zentimeter.

Hurrikan Andrew riss 63.000 Wohnungen vom Fundament

Bereits am Freitag war "Frances" nach Angaben des Hurrikan- Zentrums doppelt so stark wie Hurrikan "Charley", der vor drei Wochen 27 Menschen in den Tod gerissen und Schäden in Höhe von mindestens 7,4 Milliarden Dollar (6,1 Milliarden Euro) angerichtet hatte.

Vorboten der Katastrophe: Palmen am Strand von Miami biegen sich unter der Windlast
DPA

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RMS-Chef Shah sagte, dass die Schäden, die durch den Anschlag in Manhatten am 11. September 2001 entstanden, bei etwa 30 Milliarden Dollar liegen - die entfesselte Naturgewalt könnte demnach einen noch höheren Schaden anrichten. Die bis heute teuersten Verwüstungen durch eine Naturkatastrophe weltweit löste 1992 der Hurrikan Andrew aus.

Am frühen Morgen des 24. August hatte der Sturm zwischen Florida City und Miami 63.000 Wohnungen weggerissen. 14 Menschen wurden durch den Sturm getötet, 250.000 obdachlos. Insgesamt enstand ein Sachschaden von rund 20 Milliarden Dollar.

Schulen, Banken und Bahnhöfe sind geschlossen

Zwei Jahre später ereilte die USA erneut eine Naturkatastrophe, die eine ähnlich hohe Schadenssumme produzierte. Nach RMS-Angaben richtete das Erbeben im kalifornischen Northbridge inflationsbereinigt einen 15-Milliarden-Dollar-Schaden an.

Das Hurrikan-Notzentrum forderte am Freitag noch einmal alle Bürger in den zwölf bedrohten Landkreisen auf, die Vorbereitungen zum Schutz von Leben und Eigentum rasch zu beenden. In den meisten bedrohten Bezirken blieben Schulen, öffentliche Gebäude und Banken geschlossen. Auch die Eisenbahn hat nach Angaben der Tageszeitung "Miami Herald" den Verkehr eingestellt. Viele Bankautomaten seien leer. Gouverneur Jeb Bush, Bruder des US-Präsidenten, hatte zuvor den Ausnahmezustand verhängt und damit die Nationalgarde aktiviert.

Das "Kennedy Space Center" der US-Raumfahrtbehörde NASA am Cape Canaveral sicherte am Donnerstag die Unterkünfte für die Space-Shuttle-Raumfähren und bleibt bis einschließlich Montag geschlossen. Mehrere britische Fluggesellschaften sagten wegen des Hurrikans Dutzende von Flügen nach Florida ab.



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