Ihre Versicherungen Höchste Zeit, alle Verträge zu checken

Pro Kopf geben die Deutschen pro Jahr etwa 2400 Euro im Jahr für Versicherungen aus. Da sollte man ab und zu prüfen, ob das Geld gut angelegt ist. Das ist gar nicht schwer.

Unwetterschaden: Jetzt wäre eine passende Versicherung recht (Archivfoto)
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Unwetterschaden: Jetzt wäre eine passende Versicherung recht (Archivfoto)

Eine Kolumne von


Für viele war es früher eine lukrative Routine: Einmal im Jahr haben sie sich ihren Versicherungsordner angesehen. Und zwar am besten im September, weil die meisten Versicherungsverträge von Januar bis Dezember liefen. Und weil die meisten dieser Jahresverträge eine Kündigungsfrist von drei Monaten hatten. Wer sich im neuen Jahr preiswerter und besser versichern wollte, musste im September kündigen.

Doch die Versicherung, die von Januar bis Dezember läuft, ist heute nicht mehr dominierend. Das haben Finanztip-Recherchen bei Versicherern, Maklern und Kündigungsdienstleistern ergeben. Zwar sind die Kündigungszahlen im September immer noch höher als in fast allen anderen Monaten. Aber sie prägen das Geschäftsjahr nicht. Nur die dreimonatige Kündigungsfrist gibt es noch häufig.

Ein guter Anlass also auch weiterhin: Nehmen Sie sich Ihren Ordner, Ihre Versicherungs-App oder den Computer, auf dem die Verträge liegen, und flöhen Sie die Versicherungen. 2400 Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr pro Kopf für Versicherungen ausgegeben - ein ganzes Monatsgehalt. Und oft haben sie das Geld an den falschen Stellen eingesetzt.

Erste Frage: Haben Sie alle Versicherungen, die sie brauchen?

  • Krankenversicherung: Klar, entweder gesetzliche Kasse oder private Krankenversicherung. Ist ja Pflicht.
  • Haftpflichtversicherung: Auf jeden Fall. Jeder kann mal durch einen unglücklichen Zufall einen Riesenschaden verursachen. Kostet umgerechnet nur fünf Euro im Monat, sollte eigentlich Pflicht sein.
  • Kfz-Versicherung: Wer ein Auto hat, braucht eine Kfz-Haftpflicht für Schäden, die er als Fahrer verursacht. Darüber hinaus können Sie das Auto auch kaskoversichern. Bei den Fristen gilt hier aber eine Ausnahme. Bei der Autoversicherung beträgt die Kündigungsfrist nur einen Monat. Und die meisten Kfz-Versicherungen laufen noch vom 1. Januar bis 31. Dezember. Die normale Kündigungsfrist läuft also Ende November aus.
  • Gebäudeversicherung: Die zahlt, wenn Ihr Haus durch Feuer, Sturm oder Leitungswasser Schaden nimmt. Ist die Immobilie noch auf Kredit finanziert, verlangt schon die Bank, dass Sie diese Versicherung abschließen. Die Bank sollten Sie auch beim Wechsel der Versicherung benachrichtigen.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Die hilft Ihnen, monatlich die Rechnungen zu zahlen, wenn Sie Ihren Job nicht mehr ausüben können. Die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht in solchen Fällen nicht, um über die Runden zu kommen.
  • Und wenn Sie ins Ausland reisen, brauchen Sie eine gute Auslandskrankenversicherung. Die kostet für Singles nur einen Zehner im Jahr.

Und dann, wenn das Geld dafür reicht:

Zweite Frage: Haben Sie überflüssige Verträge, die sie kündigen können?

Hier greift zunächst die erste Grundregel beim Versicherungsschutz: Versichern Sie sich erst mal nur gegen Schäden, die Sie nicht selbst schultern können.

Versicherungen für Ihr Handy, Ihre Brille oder das Reisegepäck gehören nicht dazu. Auch Garantieverlängerungen für Kühlschrank, Fernseher oder Waschmaschine gehören in die Kategorie Unnötig. Zumal dieser Versicherungsschutz oft viel, viel zu teuer ist. In etlichen Haushalten sind hier einige Hundert Euro Ersparnis im Jahr drin.

Dritte Frage: Ist Ihr Versicherungsschutz zeitgemäß, und ist er preiswert genug?

Zunächst sollten Sie prüfen, ob Sie Versicherungen monatlich oder vierteljährlich bezahlen. In den meisten Fällen verlangen Versicherer da deutlich mehr Geld als bei jährlicher Abrechnung. Das lässt sich schnell umstellen. Anschließend sollten sie Preise und Leistungen vergleichen, das geht heute meist ganz einfach.

  • Mehr als 90 Prozent der Leistungen bei Krankenkassen sind gleich, aber es gibt eben doch Leistungen für Familien oder Reisefreudige, die nicht jede Kasse anbietet. Und es gibt Beitragsunterschiede, die für einen Durchschnittsverdiener im Monat 30 Euro ausmachen können. Bei der Krankenkasse haben Sie nicht einmal das Problem mit Jahresverträgen. Ihre Mitgliedschaft können Sie jederzeit wechseln, sofern Sie mindestens 18 Monate bei Ihrer Kasse waren. Wenn Sie sich jetzt entscheiden, begrüßt Sie im Dezember die neue Kasse.
  • Privatversicherte können zwar, sollten aber Ihre Versicherung nicht so einfach wechseln. Das wäre eine teure Fehlentscheidung. Wenn Ihre private Versicherung den Beitrag aber auf zum Beispiel 800 Euro angehoben hat, kümmern Sie sich darum! Viele können bei ihrem Versicherer in einen deutlich preiswerteren Tarif mit ähnlichen Leistungen wechseln .
  • Eine gute Haftpflichtversicherung sollte eine Versicherungssumme von mindestens 50 Millionen Euro haben und eine Bestleistungsgarantie enthalten. Beides ist für Singles schon ab 60 Euro im Jahr zu haben, Familien zahlen oft etwas mehr. Gute Verträge bieten zum Beispiel die Haftpflichtkasse (hier zahlen Singles und Familien beide 61 Euro), die Bayrische und die VHV .
  • Bei Ihrer Gebäudeversicherung sollten Sie unbedingt auf den Preis schauen, wenn Sie das bislang nicht gemacht haben. Die Unterschiede sind beträchtlich, oft einige Hundert Euro im Jahr. Und wenn Sie sparen können, prüfen Sie noch mal, was eine Elementarschadenversicherung als Ergänzung Ihres Vertrages kostet, und welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen. Immer häufiger führt Starkregen zu vollgelaufenen Kellern und Schäden an Orten, an denen das in der Vergangenheit unwahrscheinlich war. Einen ordentlichen, nicht zu teuren Vertrag finden Sie über ein Vergleichsportal.
  • Sie sind noch nicht gegen Berufsunfähigkeit versichert? Dann sollten Sie zügig prüfen, ob Sie diesen Schutz noch erhalten können. 170.000 Menschen haben 2017 aus gesundheitlichen Gründen eine Erwerbsminderungsrente neu bekommen. Diese Erwerbsminderungsrentner werden im Durchschnitt immer jünger. Zehn oder mehr Jahre ohne richtiges Einkommen, weil Sie nicht mehr arbeiten können - dann sind Sie arm wie eine Kirchenmaus. Und die spätere Rente wird zusätzlich geschmälert.
  • Auch bei Hausrat können Sie vergleichen und jedes Jahr womöglich Hunderte Euro sparen. Die Preisunterschiede sind gigantisch, die Versicherer geben nicht einmal die Hälfte der gezahlten Beiträge für die Schäden der Kunden aus. Auch hier gibt es neue, deutlich bessere Verträge. Kostet eine teure Hausrat 450 Euro, ist eine preiswerte Versicherung vielleicht für 150 Euro zu haben. Wenn Sie die Rechner der entsprechenden Vergleichsportale richtig einstellen, führen die zum preiswerten Ziel.

Wem das alles zu viel Aufwand auf einmal ist, dem empfehle ich die Monatsstrategie: Jeden Monat eine Versicherung prüfen, so sind Sie allmählich auch besser versichert.

Was ist eigentlich, wenn Sie jetzt sofort strategisch kündigen und auf ein besseres Angebot Ihres Versicherers hoffen? Diese Strategie führt bei Handyverträgen oder Internetanschlüssen oft zu großen Erfolgen. Aber 50 Prozent Einsparung beim gleichen Anbieter, weil Sie schon mal vorsorglich gekündigt haben, und die Vertriebstruppen sich mit Sonderangeboten unterbieten - die gibt es hier nicht.

Was nicht heißt, dass sich ein Anruf beim Anbieter nicht auch lohnen kann. Kunden, die auf einem Vergleichsportal gesehen haben, was ein günstiger Preis ist, sind auch beim Außendienst Ihres Versicherers oft erfolgreiche Verhandler. Versuch macht klug.



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
strick2 22.09.2018
1. Krankenversicherung - Und sonst NIX
Diese unverschämte Reklame hat hier nichts verloren - oder habe ich den Hinweis "Sponsored content" übersehen ?
regelaltersrentner 22.09.2018
2.
Haftpflicht ist ein Muss. Manche sparen sich die Hausratversicherung und wenn die Bude abbrennt, dann wird um eine Spende gebeten. Da ich für diesen Fall Versicherungbeiträge bezahle, halte ich es so wie der sparsame Schwabe, do gäbemer nix.
tinnytim 22.09.2018
3.
Was ich mich schon länger frage, ist, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei einem Beruf, der hauptsächlich kognitiv ausgeführt wird, sich tatsächlich lohnt. Mein Gedankengang ist folgender: Damit man eine Bürotätigkeit nicht mehr ausüben kann, muss einiges passieren. Da reicht Rheuma, oder gar eine Querschnittslähmung nicht notwendigerweise aus. Sind die Versicherungsbeiträge bei geringerer Gefährdung vor Berufsunfähigkeit niedriger, als bei hoher Gefährdung - im Sinne von voller körperlicher Gesundheit, die für die Ausführung des Berufes notwendig wäre.
PRAN1974 22.09.2018
4.
Zitat von tinnytimWas ich mich schon länger frage, ist, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei einem Beruf, der hauptsächlich kognitiv ausgeführt wird, sich tatsächlich lohnt. Mein Gedankengang ist folgender: Damit man eine Bürotätigkeit nicht mehr ausüben kann, muss einiges passieren. Da reicht Rheuma, oder gar eine Querschnittslähmung nicht notwendigerweise aus. Sind die Versicherungsbeiträge bei geringerer Gefährdung vor Berufsunfähigkeit niedriger, als bei hoher Gefährdung - im Sinne von voller körperlicher Gesundheit, die für die Ausführung des Berufes notwendig wäre.
Völlig richtig. Aus diesem Grund habe ich keine Berufsunfähigkeitsversicherung und werde auch keine abschließen. Bei einem Handwerker liegt die Sache anders. Aber was muss passieren, dass ein Schreibtischtäter komplett berufsunfähig wird? Auch schwere psychische Erkrankungen wie Depression sind behandelbar und für zwei bis drei Jahre lohnt sich diese Versicherung nicht. Ich lebe gesund und in meiner Verwandtschaft haben es selbst Menschen mit ungesundem Lebensstil bis zur Rente geschafft. Krebs ist natürlich nie ausgeschlossen, aber da hat man andere Probleme und kann sich glücklich schätzen, wenn man überhaupt noch die Rente erlebt. Was könnte mir sonst Schlimmes passieren, dass ich nicht mehr am Schreibtisch sitzen kann? Querschnittslähmung reicht nicht automatisch aus, wie Sie richtig schreiben, solange man seine Arme noch bewegen kann. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit der wesentlich günstigeren Unfallversicherung. Andere Frage: Wäre ich nach einer so schweren Krankheit überhaupt noch in der Lage, diese Versicherungsleistung einzuklagen? Freiwillig wird selten gezahlt. Wenn schon Berufsunfähigkeitsversicherung, dann braucht man fast zwingend noch dazu die Rechtsschutzversicherung. Der viel wahrscheinlichere Fall ist meiner Meinung nach, dass man eine mittelschwere chronische Krankheit bekommt, ständig ausfällt und schließlich vom Arbeitgeber gekündigt wird. Trotz grundsätzlichen Arbeitswillens wird man nirgendwo die Probezeit überstehen und die Versicherung zahlt keinen Penny. Dann ist man nach einigen Jahren trotz ggf. vorhandener Versicherung "arm wie eine Kirchenmaus".
ph74 22.09.2018
5.
Zitat von strick2Diese unverschämte Reklame hat hier nichts verloren - oder habe ich den Hinweis "Sponsored content" übersehen ?
Das ist keine Reklame. Der entscheidende Satz steht sogar drin: „Versichern Sie sich erst mal nur gegen Schäden, die Sie nicht selbst schultern können.“ Und da gehört eben neben der Krankenversicherung noch mehr dazu: Eine Kfz-Haftpflichtversicherung ist für Fahrzeughalter sogar gesetzlich vorgeschrieben. Eine Privathaftpflicht ist auch sinnvoll, denn sonst ist man als Fußgänger und Radfahrer schnell ruiniert, wenn man einen Unfall mit hohem Sachschaden oder gar einem Personenschaden verursacht. Wer eine Immobilie besitzt und sich nicht gegen Elementarschäden absichert, ist wirklich völlig unverantwortlich. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung und Hausratversicherung kann man eher noch über den Sinn diskutieren. Wobei man auch da im Schadensfall ohne Versicherungsschutz schnell sein gesamtes Vermögen los sein kann.
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