Vertragsverlängerung: Deutsche Bank braucht Ackermann bis 2013

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Der Chef der Deutschen Bank bleibt überraschend bis 2013: Josef Ackermann hat seinen Vertrag um drei Jahre verlängert. Das wird als großes Kompliment für den Top-Manager ausgelegt - ist aber zugleich ein Zeichen dafür, dass zu viele Dinge im Haus unerledigt geblieben sind.

Berlin - Die Gerüchte kursierten seit einiger Zeit, doch niemand wollte sie ernst nehmen: Vorstandssprecher Josef Ackermann, so hieß es, hänge womöglich noch einmal eine Amtszeit dran, obwohl er immer wieder betont hatte, er werde mit der Hauptversammlung 2010 seine Karriere bei der Deutschen Bank beenden.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Risiko eines Wechsels wäre groß
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Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Risiko eines Wechsels wäre groß

Die Ankündigung des Aufsichtsrats am Montagabend, den Vertrag mit dem Frontmann um drei Jahre zu verlängern, löste denn auch große Überraschung aus. Ackermann habe die Bank strategisch gut aufgestellt und erfolgreich durch die Krise geführt, erklärte Chefaufseher Clemens Börsig. "Der Leistungsausweis der Bank für das erste Quartal 2009 ist ein eindrucksvoller Beleg dafür." Die Vertragsverlängerung sei eine Anerkennung für Ackermann und stelle die Kontinuität in der Führung der Bank sicher.

Eine Einschätzung, die viele in der Branche teilen: "Schlecht für uns", witzelt der Händler eines konkurrierenden Kreditinstituts. Ackermann sei eine unbestrittene Führungsfigur. Er habe das Haus zunächst wieder auf Kurs gebracht und anschließend auch gut durch die Stürme der Kreditkrise gesteuert. Auch im Umfeld der Bank wurde die Entscheidung begrüßt. Angesichts der aktuellen Krise würde womöglich zu viel Zeit vergehen, bis sich eine neue Führungsspitze etabliert habe.

Das Risiko eines Wechsels wäre einfach zu groß gewesen, erfuhr das "Handelsblatt" aus Kreisen des Verwaltungsrats. Ackermann stehe für einen klaren Kurs ohne Staatshilfe, da brauche es Rückgrat, gerade vor dem Hintergrund der bevorstehenden Bundestagswahl.

An sich eine plausible Begründung, die schwerlich zu widerlegen ist - bis auf die Tatsache, dass die Rahmenbedingungen auch im Februar schon bekannt waren, als Ackermann seinen festen Entschluss, mit der Hauptversammlung 2010 aus dem Amt zu scheiden, noch einmal bekräftigte. Und der charismatische Manager gilt nicht eben als Zauderer, der Entscheidungen über Nacht revidiert.

Außerdem gibt es mindestens genauso viele gute Gründe, die dafür sprechen, dass Ackermann den Dienst quittieren sollte: So gilt es als gute Tradition, dass die Vorstandssprecher der Deutschen Bank, wenn sie die 60 überschritten haben, allmählich ihre Nachfolge regeln und dem Haus ihre Expertise anschließend als Aufsichtsratschef zur Verfügung stellen.

Auch ist der Schweizer in der Öffentlichkeit nicht gerade unumstritten. Seine Victory-Geste im Untreueprozess um Mannesmann legten ihm viele als anmaßend aus. Profitstreben wie das seine - erst jüngst wiederholte er das Ziel, 25 Prozent Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften - sehen Kritiker gar als wichtige Ursache für die Finanzkrise überhaupt. Und sein Ausspruch, er würde sich schämen, wenn er Staatshilfe für die Deutsche Bank in Anspruch nehmen müsste, bestätigte den Stereotyp des kaltschnäuzigen Bankers.

Ein weiterer Grund, der für Ackermanns Ablösung spräche, liegt allein schon darin, dass sie angekündigt worden ist. In aller Regel gilt nämlich ein Chef als "Lame Duck", sobald sein Dienstende feststeht: Die Aspiranten bringen sich in Stellung und versuchen schon, die Weichen in ihrem Sinne zu stellen. Bei Entscheidungen mit mittel- und langfristiger Auswirkung halten sich Betroffene und Beteiligte bereits zurück, weil sie dem Nachfolger den Spielraum erhalten wollen.

Vieles spricht dafür, dass es gerade die Kandidatenkür war, die in den vergangenen Monaten aus dem Ruder gelaufen ist. Weder Ackermann noch seinem Aufsichtsratschef Börsig war es gelungen, einen Kronprinzen aufzubauen. Stattdessen lieferten sich gleich alle sieben Mitglieder des Vorstands erbitterte Kämpfe wegen der Ackermann-Nachfolge.

Vor zwei Jahren, als die Bankenwelt noch in Ordnung war, kam diese Rolle am ehesten Anshu Jain zu, der für Gewinnrekorde im Aktienhandel gesorgt hatte. Doch angesichts der Krise gelten Meriten im Investmentbanking eher als Malus. Auch Michael Chors, der zweite Investmentchef neben Jain, verlor im Rennen um den Chefposten immer mehr an Boden.

Wie verfahren die Situation schließlich war, lässt sich daran ablesen, dass auch externe Kandidaten wie etwa der derzeitige HRE-Sanierer Axel Wieandt oder Axel Lehman, Chef des Zurich-Konzerns, als Nachfolger für Ackermann ins Spiel kamen. Ein Vorstandssprecher, der von außen kommt, wäre ein Novum in der Geschichte des Geldhauses gewesen. Nach Informationen des Wirtschaftsmagazins "Capital" sollen sogar die Bosse verschiedener Industriekonzerne diskutiert haben, ob sie nicht einen eigenen Vorschlag unterbreiten sollten.

Die Ränkespiele in der Führungsetage gehen aber nicht allein auf die Eitelkeiten der Beteiligten zurück. Auch die Frage, in welche Richtung Deutschlands größtes Geldhaus steuern soll, entzweit die Beteiligten. Seit Beginn der Bankenkrise liefern sich Investmentbanker und die Verfechter des Firmen- und Privatkundengeschäfts hitzige Diskussionen, welches Geschäftsfeld wohl die besten Chancen für die Zukunft verheißt. Selbst Ackermann, der bislang als Verfechter des Investmentbanking galt, steht nicht mehr für eine eindeutige Position. So machte er sich für den Kauf der Postbank stark, die über einen sehr großen Privatkundenstamm verfügt.

Ironischerweise soll nun ausgerechnet Ackermann, der den Richtungsstreit eingeleitet hat, dafür sorgen, dass dessen Auswirkungen im Rahmen bleiben. Und er, der das Institut jahrelang dominiert hat wie kein Bankchef vor ihm, hat jetzt noch drei Jahre mehr Zeit, einen geeigneten Nachfolger für sich aufzubauen.

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