Videoüberwachung Burger King schaut Mitarbeitern auf die Finger

Systematische Kontrolle bei Burger King? Der Gewerkschaft NGG zufolge nutzt die Schnellrestaurant-Kette die Videoüberwachung in den Filialen, um ihren Mitarbeitern auf die Finger zu schauen. Jetzt liegen interne Dokumente dazu vor.


München - Der Revisionsbogen ist fein säuberlich ausgefüllt. Unter dem Punkt "Überprüfung Sicherheitsvideo" hat der zuständige Mitarbeiter ein dickes Kreuz gemacht. "Hintertür muss immer zu sein" hat er als Bemerkung dazugeschrieben. Die Verletzung der Vorschriften hat er offenbar im Video gesehen.

Burger-King-Logo: "Befolgen alle Teammitglieder die Richtlinien und Anweisungen?"
AP

Burger-King-Logo: "Befolgen alle Teammitglieder die Richtlinien und Anweisungen?"

Die Revisionsbögen, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, enthalten für den Prüfer die Vorgabe: "Überprüfung eine Stunde Sicherheitsvideo". Dabei ist zu kontrollieren: "Befolgen alle Manager die Richtlinien und Anweisungen?" sowie "Befolgen alle Teammitglieder die Richtlinien und Anweisungen?". Wie aus den Unterlagen hervorgeht, findet die interne Revision bei Burger King monatlich statt.

Das Videoüberwachungssystem ist nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in allen 600 Filialen installiert. Dass es lediglich zum Schutz der Gäste und Mitarbeiter verwendet werde, "war und ist gelogen", kritisierte der Geschäftsführer der NGG in München, Freddy Adjan. Burger King prüft nach eigenen Angaben derzeit die Vorwürfe und kündigt an, in der kommenden Woche dazu Stellung zu nehmen. Das Unternehmen war vor einigen Wochen in die Kritik geraten, weil der Konzern die erste Wahlversammlung zu einem Betriebsrat in München aufgezeichnet hatte.

Am Dienstag dann war Burger King mit dem Versuch gescheitert, Betriebsratswahlen in ihren Münchner Restaurants gerichtlich zu stoppen. Das Unternehmen hatte beim Arbeitsgericht München eine einstweilige Verfügung zum Abbruch der Wahlen beantragt, die jedoch abgelehnt wurde. Als Grund für die gerichtlichen Schritte gab der Konzern an, bei der Wahl des Wahlvorstands habe es "erhebliche formale Mängel" gegeben. Am kommenden Mittwoch soll das Arbeitsgericht München laut NGG über das von Burger King ausgesprochene bundesweite Hausverbot zweier Wahlvorstandsmitglieder entscheiden.

feh/ddp



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