Geschönte Gütesiegel Verbraucherschützer rüffeln Fair-Trade-Produkte

Rechentricks und Etikettenschwindel: Nach SPIEGEL-Informationen hat die Verbraucherzentrale Hamburg bei einem Test die Hälfte aller angeblich gerecht gehandelten Produkte durchfallen lassen.

Kaffee: Wann ist er wirklich fair erzeugt und gehandelt?
DPA

Kaffee: Wann ist er wirklich fair erzeugt und gehandelt?


Hamburg - In einem Test von 32 fair gehandelten Produkten hat die Verbraucherzentrale Hamburg die Hälfte durchfallen lassen und als "intransparent" bewertet. Bei vielen Produkten sprechen die Verbraucherschützer sogar von "Etikettenschwindel". (Lesen Sie mehr zum Thema hier im aktuellen SPIEGEL.)

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Heft 41/2014
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Außer an einem undurchschaubaren "Wirrwarr" von 27 verschiedenen Siegeln störten sich die Tester vor allem an Rechentricks: Ein Eiskaffeehersteller schraubte seinen Anteil an fair gehandelter Ware von sechs auf 60 Prozent hoch, indem er bei den Zutaten das Wasser und den Wasseranteil der Milch herausrechnete. Ein Orangensaftproduzent bewarb sein Produkt mit "100% Orange Fair", was als "Verbrauchertäuschung" kritisiert wurde. Auf dem Etikett werde nicht erwähnt, dass die faire Ware im Erzeugerland mit konventioneller Ware vermengt wurde. Ein solcher Mengenausgleich ist zwar erlaubt, muss zumindest in Deutschland aber auf dem Etikett vermerkt sein. Das war bei dem untersuchten Produkt nicht der Fall.

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Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Hälfte aller getesten Fair-Trade-Produkte durchfallen lassen. Worauf achten Sie beim Einkauf?

Nach außen hin steht das bekannteste Ethiksiegel Fairtrade gut da: 654 Millionen Euro Umsatz erzielten 2013 allein in Deutschland Produkte mit dem blau-grünen Logo. Zuletzt jedoch geriet die Organisation auch in die Kritik: Die massenhafte Zertifizierung von Betrieben hatte etwa zur Folge, dass die Produzenten auf ihrer Fair-Trade-Ware sitzen blieben. Kompromisse mit der Industrie führten dazu, dass mit Gepa eine der ältesten Fair-Handels-Firmen inzwischen auf das Fairtrade-Logo verzichtet.

ric



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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
sabaidii 05.10.2014
1.
Es erscheint mir ganz normal und keineswegs als Rechentrick daß beim Kaffee das Wasser herausgerechnet wird. Es würde sogar im Gegenteil das Ergebnis verfälschen wenn nur wegen des Wassers der fertige Kaffee plötzlich nicht mehr "fair trade" wäre, während die Bohne oder das Pulver es zuvor noch waren. Was für den Kaffee gilt, gilt auch für die Milch, wenn im Produkt Milchpulver verwendet wird.
ddrbewohner 05.10.2014
2. Nur die Hälfte
Dann wäre ja wenigstens die Hälfte wirklich das, was darufsteht. Gar nicht schlecht. Da normalerweise solche Siegel gekauft werden können, so lange die EU und nationale Regierungen daran verdienen, ist es ein Wunder, dass es überhaupt noch "echte" Fair-Trade oder Öko Produkte gibt. Man kann sicherlich davon ausgehen, dass das meiste nur draufgepappt wird, um dem dummen Konsomumenten ein gutes Gewissen zu machen, denn dann zahle er genre mehr (ist ja bei den Wahlen auch so). Ein gutes Gewissen braucht man in Deutschland bei allen, beim Denken, beim Reden und eben auch Essen. Mal sehen, wann ein Verbot für Produkte ohne Siegel kommt. Da lässt sich wieder richtig abzocken.
jorinde1968 05.10.2014
3. Und eine weitere verwässerte Zertifikation...
Ja, Fair-Trade war mir wichtig, ist mir aber durch die Verwässerung suspekt geworden. Wenn selbst BioladenmitarbeiterInnen offen davon sprechen, ist es mit dem Siegel nicht mehr weit her. Für mich als Konsumentin ist das frustrierend, weil es mir tatsächlich darum geht, dass bei denen, die auf dem Feld dafür schuften, genügend Geld ankommt. Für die Bäuerinnen und Bauern ist es jedoch ein Disaster. Es geht dabei schlicht um ihre Existenz. Und wenn der Fair Trade-Markt einbricht, kann es deren ganze Familien vernichten, während die HändlerInnen dann eben auf konventionell umsteigen. Nach dem Aufdecken müssen die schwarzen Schafe aussortiert, und der Weg zu den alten Standarts wieder eingeschlagen werden. Nur so kann Fair-Trade wieder glaubwürdig sein!
rsi 05.10.2014
4. Was ich mich Frage
ich frage mich schon lange, wieviel von dem Mehrpreis für FairTrade Produkte wirklich bei den Produzenten ankommen. Wenn ein normales Pfund Bananen 1 EUR kostet, die FairTrade Bananen 2 EUR, dann müssen die Erzeuger entweder das x-Fache der Anderen bekommen. Oder es bleibt überwiegend alles bei den Helfern hängen, und nur der kleinere Teil erreicht die Erzeuger.
M. Michaelis 05.10.2014
5.
Es war schon immer so, dass sich mit dem schlechten Gewissen gute Geschäfte machen lassen. Wer beim Einkauf die Welt retten will macht sich zwangsläufig für Betrüger attraktiv, mein Mitleid hält sich in Grenzen.
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