Berlin - Seit Baubeginn des neuen Berliner Großflughafens (BER) ist es zu vier tödlichen Unfällen gekommen. Die Gewerkschaft IG Bau kritisierte, dass die Zahl der Opfer erst unlängst bekanntgegeben wurde - und zwar nur, weil die Piratenpartei eine Kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus gestellt hatte.
Die IG Bau forderte daraufhin, die Kontrolle der Sicherheitsrichtlinien zu verschärfen. Es müsse gewährleistet sein, dass die Vorschriften durchgesetzt würden, sagte der Regionalleiter der Gewerkschaft in Berlin und Brandenburg, Rainer Knerler. Er habe lediglich von einem Todesfall gewusst. "Dass es vier sind, hat mich überrascht."
Der Sprecher der Flughafengesellschaft, Ralf Kunkel, sagte der "Berliner Morgenpost": "Diese tödlichen Unfälle sind sehr bedauerlich, aber der BER ist eine vergleichsweise sichere Baustelle." Der IG-Bau-Regionalleiter reagierte empört auf diese Aussage. "So etwas zu behaupten, ist zynisch", sagte er. "Null tödliche Unfälle sind auch auf Großbaustellen möglich."
Der neue Flughafen soll im Oktober 2013 eröffnet werden. Doch schon jetzt gilt der Airport als viel zu klein für das erwartete Passagieraufkommen. Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche", die sich auf ein Protokoll des Bundesverkehrsministeriums bezieht, müsste der Flughafen noch weiter ausgebaut werden. "Man operiere von vornherein an der Kapazitätsgrenze. Das System sei ausgelastet", heißt es.
Das dem Magazin vorliegende Protokoll mit Fragen zu geplanten Erweiterungsinvestitionen stammt dem Bericht zufolge bereits vom 31. August. Der Flughafen BER ist derzeit für rund 27 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt.
Die bisherigen Berliner Airports Schönefeld und Tegel hätten diese Schwelle bei andauerndem Wachstum bereits 2013 erreicht, heißt es. Weitere Investitionen am 4,3 Milliarden teuren Großflughafen müssten nach der Eröffnung zügig folgen. "Die Frage einer Erweiterung werde sich bald stellen", heißt es in dem Bericht weiter.
Erst am Freitag war bekannt geworden, dass der Flughafen noch mehr kostet, als bislang erwartet wurde. Bislang gingen der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg als Gesellschafter des Flughafens von Mehrkosten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus. Nun aber könnten die Baukosten um weitere 200 bis 250 Millionen Euro steigen.
kha/AFP/dpa/dapd
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