VIP-Juwelierin Joan Hornig Schmuckdiva mit sozialer Mission

Von , New York

2. Teil


Sie ließ ihre Karriere sausen und besann sich einer alten Liebe: Schmuck. "Schmuck ist voller Fantasie", sagt Hornig. "Jeder Schmuck erzählt eine Geschichte, wie Gemälde. Schmuck sagt mir, wer du bist." Ihre Entwürfe nennt sie "nicht schüchtern", sie sind auffällig-dramatisch, doch nicht angeberisch - schwere Ketten, Ohrringe und Armreifen aus Topas, Turmalin, Granat, Amethyst und Gold, oft in natürlichen Blatt- und Pflanzendesigns.

Hornig zeigte ihre Ideen den Kundinnen vor, bei Kaffee und Kuchen - Tupperware-Partys für Schmuck. Ihr erstes Stück verkaufte sie 2002, eine goldene Halskette mit Turmalinen. Den Erlös spendete sie an eine Hilfsgruppe für Terror-Opfer - auch das eine Folge ihres "Erwachens" nach 9/11. Wobei es natürlich half, dass sie und ihr Mann selbst längst reich waren. "Irgendwann", sagt sie, "muss man erkennen: Genug ist genug."

Daran hält die Schmuckdiva mit dem goldenen Herzen bis heute fest: Sie verzichtet auf jeden Profit und spendet den stattdessen an gemeinnützige oder wohltätige Gruppen nach freier Wahl des jeweiligen Käufers. (Den Steuervorteil steckt allerdings sie ein.) "Ein lausiges Geschäftsprinzip", lacht sie, "aber das einzige, das ich verantworten kann." Fast eine halbe Million Dollar hat sie so weitergereicht.

Ihr "Portfolio des Gebens", mittlerweile über 100 Organisationen, ist breit gefächert: Krebs-, Herz- und Aids-Kranke, Diabetiker, Blinde, "Katrina"-Opfer, das Rote Kreuz, Tierschützer, Schulen, Unicef, Waisenkinder, Obdachlose, arme Frauen, Kirchen, Theater, jüdische Gemeinden, Ärzte ohne Grenzen, Familien in der South Bronx, Irak-Veteranen, Umweltschützer, die Metropolitan Opera, auch die freiwillige Feuerwehr von Southampton.

"Ich hasse Schmuck"

Über eine Bekannte schaffte sie den Einstieg bei Bergdorf Goodman, dem legendären Luxuskaufhaus an der Fifth Avenue. Das nahm Hornigs Stücke - von 375 bis 10.000 Dollar - in seine Kollektion auf und gab ihr in diesem Januar, als sie sich als Bestseller erwiesen hatte, eine eigene Vitrine im Erdgeschoss. Auch Bergdorfs Mutterhaus Nieman Marcus führt Hornig inzwischen im Online-Katalog.

Hornig arbeitet wie am Fließband, in ihrem Studio zu Hause und oft unterm iPod, auf dem sie Hörbücher hat. Sie zeichnet alle Entwürfe selbst, geschmiedet und zusammengesetzt werden die Stücke dann von Profis. Das Gold kommt aus Ecuador, die Diamanten aus Israel, der Topas wird in Indien geschliffen.

Ihre Kundinnen reichen von jungen Frauen über Society-Freundinnen bis zu Prominenten wie Talk-Queen Oprah Winfrey, die 845-Dollar-Ohrringe kaufte und damit im Februar auf dem Cover ihres Magazins "O" erschien - bei mehr als 2,6 Millionen Auflage keine schlechte Werbung.

"Ich hasse Schmuck", sagt Patty Marx, eine Autorin für den "New Yorker", für die Hornig neulich eine Buch-Party mit 400 Gästen gab. "Aber ich liebe Joans Schmuck." Marx, eine derbe Frohnatur, setzt sich im Bergdorf-Café mit dazu. Die beiden Frauen klatschen kurz über einen gemeinsamen Freund, den Komiker Steve Martin, dann verschwindet Marx wieder. Die Dame mit dem Zuckerwattehaar dreht sich erneut um. "Jetzt haben Sie zwei wieder ihre Ruhe", sagt sie augenzwinkernd. Hornig lacht laut: "Ach was, dies ist ein Geschäftstermin."



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