VIP-Juwelierin Joan Hornig Schmuckdiva mit sozialer Mission

An der Wall Street machte Joan Hornig Millionen – bis der 11. September 2001 kam. Mehrere Freunde starben. Seitdem designt sie Schmuck und spendet all ihre Profite: für Krebskranke, Waisenkinder, auch für die freiwillige Feuerwehr. Porträt einer bemerkenswerten Aussteigerin.

Von , New York


New York - Das Café im Souterrain des noblen Damenkaufhauses Bergdorf Goodman an der Fifth Avenue ist eine Institution. Hier treffen sich New Yorks Society-Damen zum Lunch. Sie thronen an Tischchen vor wandhohen Spiegeln, knabbern Brunnenkresse und Gravlax und schlürfen Earl Grey. Einige haben sich vorher in der Beauty-Abteilung eben noch eine Maniküre besorgt oder das Make-up auffrischen lassen.

"Ich liebe es hier", sagt Joan Hornig, rutscht in eine Polsterbank und blickt sich um. "Dies sind alles potentielle Klientinnen. Eines Tages, so hoffe ich, wird hier jede etwas von mir tragen." Und wie zur Bestätigung dreht sich eine ältere Dame zu ihr um, perfekt geschminkt, mit sorgsam auftoupiertem Zuckerwattehaar und schwerem Edelstein im Dekolleté: "Sagen Sie, sind Sie nicht die Wohltätigkeits-Juwelierin?"

Hornig nickt demütig: Ja, das ist sie. Meist aber bleibt sie lieber inkognito, anonym verborgen hinter ihrer Handwerkskunst und ihrer abenteuerlichen Biografie. Von der Wall Street ins Design-Atelier, von der Karrierefrau zur Millionärsgattin und nun zur Diamant-Virtuosin, die all ihre Profite verschenkt: Hornigs Lebenslauf könnte Bücher füllen.

Doch fürs literarische Bilanzziehen ist es zu früh. Noch hat Joan Hornig, 51, zu viel anderes vor. Ihr zweites (drittes?) Leben als Society-Juwelierin mit spendabler Ader hat ja gerade erst begonnen. "Und mir schwebt schon wieder was Neues vor", verrät sie. "Zum Beispiel Hundeschmuck. Das ist ein Riesenmarkt. Den Erlös könnte man an den Tierschutz geben."

Erfüllungsreiche Reinkarnation

Bleiben wir bei den Menschen. Hornig designt Edelschmuck - nicht nur für ihre Fifth-Avenue-Kommilitoninnen, jene "Ladys Who Lunch", wie sie Musical-Satiriker Stephen Sondheim einst verhöhnte, sondern auch für die jüngere Generation. Bemerkenswert daran: Den Reingewinn aus den Stücken, die fünfstellige Summen kosten können, gibt sie komplett an karitative Projekte und hat so einen Trend mitbegründet - "Spenden durch Shopping". Fast noch bemerkenswerter daran: Zuvor hatte sie einen Millionenjob an der Wall Street, den sie nach dem 11. September 2001 hinschmiss.

"Ich hatte viele Karrieren", sagt Hornig mit rauer Stimme und zupft die weißgrauen Alterssträhnen zurecht, die sie sich zu färben weigert und die ihr Gesicht über dem Spitzenkragen einrahmen. "Dies ist die Reinkarnation, die mich am meisten erfüllt."

Begonnen hatte alles als typischer Werdegang einer Erfolgsfrau. Aufgewachsen im Mittleren Westen, Harvard-Abschluss in bildender Kunst (als Mitglied der Begabtengemeinschaft Phi Beta Kappa), MBA an der Columbia University. In Harvard lernte sie auch ihren Mann George kennen, der Wirtschaft und Jura studierte. Eigentlich wollte sie Illustratorin werden - für Grußkarten. "Na gut, das war mein alter Plan."

Schon damals schwor sie: "Wenn mein Leben gut wird, werde ich mich revanchieren und zurückgeben." Kunstlehrerin, Spendensammlerin, dann folgte sie ihrem Mann an die Wall Street, als Chefassistentin zum Brokerhaus Paine Webber, wo sie bald selbst ins Management aufstieg.

Sinnloser Jahrmarkt der Eitelkeiten

1994 verließ sie Paine Webber und begann, für Hedgefonds zu arbeiten, gerade als die eine erste Blüte erlebten. Für einen dieser Fonds brachte sie ihre ersten 100 Millionen Dollar auf - und lernte dabei: "Money ist sexy."

Die Hornigs wurden zu einem typischen New Yorker "Power Couple". George war lange die Nummer zwei beim Wall-Street-Zweig der Deutschen Bank, wurde dann Private-Equity-Chef für Credit Suisse First Boston. Joan betreute derweil Börsengänge, jonglierte mit Risikokapital, reiste mit großem Gepäck um die Welt und taumelte daheim "von einer Benefizgala zur nächsten, Abend für Abend". Ihre Wohnung an der Park Avenue, die eine Galerie, einen Esssaal und eine eigene Bibliothek hat, schmückten sie mit echter alter Kunst.

Dann kam der 11. September. Die Hornigs verloren Freunde und Bekannte. Joan fand Trost in Mineralien und Edelsteinen, die sie gerne in den Händen hielt: "Natürliche, solide Teile unseres Planeten. Es war therapeutisch."

Ihr Glamourleben wirkte plötzlich so banal. Sie hörte auf, "protzigen Schmuck zu tragen", suchte stattdessen "ein weniger poliertes Aussehen". Geld schien auf einmal vergänglich und der "Benefiz-Zirkus" in ihren Kreisen nur noch wie ein sinnloser Jahrmarkt der Eitelkeiten.

  • 1. Teil: Schmuckdiva mit sozialer Mission
  • 2. Teil


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