Vogelgrippe: Rumsfeld profitiert vom Tamiflu-Boom
Seit sich die Welt durch die Vogelgrippe bedroht sieht, klingeln bei der Erfinderfirma des Gegenmittels Tamiflu die Kassen. Zu den Gewinnern gehört auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.
New York/Hamburg - Rumsfelds Vermögen hat sich laut einem Bericht des US-Magazins "Fortune" in den vergangenen sechs Monaten um eine Million Dollar erhöht. Der Pentagon-Chef - ohnehin einer der reichsten Minister im Kabinett von Präsident George W. Bush - hat demnach maßgeblich von seiner Aktien-Beteiligung am Biotech-Unternehmen Gilead Science
profitiert.
Pentagon-Chef Rumsfeld: Kursgewinne im vergangenen Halbjahr
Das Tamiflu-Geschäft entwickelt sich glänzend, seit weltweit die Angst vor der Vogelgrippe grassiert. In den vergangenen drei Monaten steigerte Gilead seine Lizenzerlöse gegenüber dem Vorjahr um satte 70 Prozent auf 26,2 Millionen Dollar. Allein Tamiflu erzielte dabei einen Wert von 12,1 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2004 lagen die Einnahmen mit dem Medikament noch bei mageren 1,7 Millionen Dollar.
Insgesamt konnte Gilead den Gewinn pro Aktie um 52 Prozent steigern, der Kurs kletterte im vergangenen Halbjahr von 35 Dollar auf 47 Dollar. Das freut Anteilseigner wie eben Donald Rumsfeld. In seinem jährlichen Finanzbericht hatte der Pentagon-Chef wiederholt eine Aktien-Beteiligung an Gilead veröffentlicht. Die Höhe schwankt laut "Fortune" zwischen fünf und 25 Millionen Dollar. Auf jeden Fall hat sich der Wert seines Aktienpakets dank des Tamiflu-Booms erhöht.
Rumsfeld war Gilead-Chairman
Die Beziehung zwischen dem US-Verteidigungsminister und dem Biotech-Unternehmen beschränken sich nicht auf Anteilsscheine. Bevor Rumsfeld 2001 Verteidigungsminister im Bush-Kabinett wurde, saß er vier Jahre als Chairman dem Gilead-Board vor. Dass politische Schwergewichte in der Chefetage von Gilead sitzen, hat dabei fast schon Tradition. George P. Shultz, von 1982 bis 1989 Außenminister der USA, sitzt ebenfalls im Board.
Tamiflu: Lizenzerlöse gesteigert
Das sollte er auch, denn der Wert seiner Aktien könnte weiter steigen. Die USA planen, mindestens 6,5 Milliarden Dollar für Vorsorgemaßnahmen gegen eine befürchtete Grippe-Pandemie auszugeben, wie es heute hieß. Präsident. Bush will eine umfassende Strategie vorstellen, mit der ein Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung im Fall eines plötzlichen globalen Grippe-Ausbruchs verhindert werden soll.
Im Mittelpunkt des Plans stehen nach Informationen aus dem Weißen Haus eine Verbesserung der Impfvorsorge und ein mögliches Reiseverbot. Auch sollen die Behörden in den amerikanischen Einzelstaaten genaue Anweisungen erhalten, welche Personen mit den begrenzten Beständen mit Antigrippemitteln versorgt werden sollen. Die Nachfrage nach Tamiflu dürfte erstmal nicht sinken.
Jörn Sucher
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