Neuer US-Chef Woebcken Der Mann für den härtesten Job bei Volkswagen

Hinrich Woebcken übernimmt das von der Abgasaffäre gebeutelte US-Geschäft bei Volkswagen - und bekommt es mit erbosten Behörden, Kunden und Händlern zu tun. Wer ist der Mann für die Krisenzone?

Neuer VW-USA-Chef Hinrich Woebcken
Knorr-Bremse

Neuer VW-USA-Chef Hinrich Woebcken

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Er trat vor zwei Jahren als Aufräumer an, um das siechende Amerikageschäft von Volkswagen Chart zeigen wieder auf Kurs zu bringen. Doch die Wucht des Abgasskandals ließ ihm zuletzt kaum eine Chance dazu. Sechs Monate nachdem die Manipulation von Dieselmotoren in den USA aufflog, gibt Michael Horn, US-Chef von Volkswagen, seinen Job auf.

Ebenso schnell präsentieren die Wolfsburger nun einen Nachfolger: Ab April übernimmt Hinrich Woebcken interimistisch als oberster US-Problemlöser. Neben dem Job als VW-USA-Chef wird Woebcken wie vorgesehen auch Leiter der Region Nordamerika, ist also für die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko zuständig.

Der 55-jährige Wirtschaftsingenieur übernimmt damit einen der härtesten Posten, den der Autohersteller zu vergeben hat - und er muss sich auf heftigen Gegenwind einstellen.

Die Skepsis der Öffentlichkeit und der Behörden gegenüber Volkswagen ist in den USA enorm. Wegen der Verpestung der Umwelt drohen dem Konzern Milliardenstrafen. Noch immer gibt es keine technische Rückruflösung für die rund 580.000 manipulierten Dieselautos. Zumindest keine, mit der die US-Umweltbehörden zufrieden wären. Zuletzt wurden die Ermittlungen noch in Richtung Steuerverstöße und Bankbetrug ausgeweitet.

Enge Verbindung zum VW-Markenchef

Volkswagen hebt die "umfassende internationale Erfahrung" Woebckens bei Produktion und Vertrieb hervor. Die sammelte er in Führungspositionen bei Kraus-Maffei, zudem war er sechs Jahre lang Geschäftsführer des Vertriebs beim Maschinenbauer Dürr.

Klar ist, dass er in Wolfsburg einen mächtigen Fürsprecher hat: VW-Markenchef Herbert Diess. Als Woebcken im Jahr 2004 bei BMW anheuerte, leitete er zunächst den technischen Einkauf und später den Gesamteinkauf. Sein Chef war der damalige BMW-Einkaufsvorstand Diess, der im Juli 2015 zum Volkswagen-Konzern wechselte. Diess persönlich soll Woebcken den Job als Nordamerika-Leiter beschafft haben.

Woebcken wird sich an seinem Vorgänger messen lassen müssen. VW-Veteran Horn, der 25 Jahre lang in Diensten der Wolfsburger stand, hat sich in den vergangenen Monaten in Amerika um Schadensbegrenzung bemüht und dabei durchaus geschickt agiert.

Er hatte den Mut, sich bereits drei Tage nach Auffliegen des Skandals öffentlich zu entschuldigen - und das mit deutlichen Worten: "Wir haben richtig Mist gebaut." Er schaffte es, die US-Händler bei Laune zu halten, unter anderem mit einem Gutscheinprogramm. Horn fand auch bei der heiklen Befragung durch den US-Kongress einen eleganten Mittelweg. Vor den Abgeordneten zeigte er Reue und gelobte Besserung, blieb dabei aber selbstbewusst, ohne arrogant zu wirken.

Die Gründe für Horns Abgang sind indes unklar. Als Mitwisser in der Abgasaffäre kommt er nach bisherigen Erkenntnissen nicht infrage. Im Umfeld von VW heißt es, dass ihm die öffentlichen Anfeindungen in den USA auf Dauer zu viel wurden.

US-Händler laufen Sturm gegen Horns Abgang

Die muss nun Woebcken schultern. Und er muss schnell den richtigen Ton treffen: Gegenüber den amerikanischen Autofahrern, aber auch bei den Verhandlungen mit US-Behörden, die sich öffentlich unzufrieden mit der schleppenden Aufklärung des Skandals zeigen.

Horn wählte bei Auftritten vor großem Publikum den Weg des wiederholten Kniefalls: Bei der Automesse in Los Angeles im vergangenen November etwa entschuldigte er sich nochmals für die Motor-Manipulationen. Ob Woebcken solche Demutsgesten beherrscht, ist nicht überliefert. Frühere Kollegen beschrieben ihn gegenüber dem Branchendienst "Automotive News" als Person, die lieber im Hintergrund bleibt. Er sei immer sehr gelassen aufgetreten, mit einer ruhigen Hand, sagt einer.

Diese Ruhe sollte Woebcken auch in den USA bewahren. Zunächst muss er sich wohl um die amerikanischen Händler kümmern. Deren Vereinigung bezeichnete Horns Abgang in einer Mitteilung als "empfindlichen Schlag", wie "Automotive News" berichtet. Sie lobten Horn für seine "Führungsqualitäten und Stärke" während des Dieselskandals - und kritisierten das "fortgesetzte Missmanagement" in der Krise. Über den Wechsel des US-Chefs sind sie "tief besorgt".

US-Behörden könnten das anders sehen - denn mit Horns Rückzug macht VW den Weg frei für einen Neuanfang. Etwas Anlauffrist gestehen die Wolfsburger ihrem neuen US-Aufräumer zu: Bei der New Yorker Automesse, die Ende März stattfindet, soll Woebcken noch nicht öffentlich auftreten.

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