Volkswagen-Krise Aufsichtsratspräsidium stimmt Hartz-Rücktritt zu

Die Ära Hartz ist beendet: Das Präsidium des VW-Aufsichtsrates stimmte heute dafür, das Rücktrittsangebot von Personalchef Peter Hartz anzunehmen. Das Gremium berät außerdem eine drastische Verschärfung des Sanierungskurses. VW-Manager wollen den Autokonzern neu ordnen und bis 2008 sieben Milliarden Euro einsparen.


Wulff, Pischetsrieder: Hartz' Demission dankend angenommen
DDP

Wulff, Pischetsrieder: Hartz' Demission dankend angenommen

Frankfurt am Main/Wolfsburg - "Wir empfehlen dem Aufsichtsrat das Rücktrittsangebot anzunehmen", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, der zugleich Präsidiumsmitglied im VW-Kontrollgremium ist ist. Er gehe davon aus, dass der Aufsichtsrat dem Vorschlag zustimmen werde.

Die Position des Personalvorstands solle vorübergehend VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder übernehmen, bis ein Nachfolger gefunden sei. Für die kommenden Tage seien "Vier-Augen-Gespräche" über einen möglichen Nachfolger vereinbart, sagte Wulff.

Eine Abfindung solle Hartz nicht erhalten, so Wulff weiter. Hartz hatte im Zuge der Korruptionsaffäre bei Europas größtem Autobauer am vergangenen Freitag seinen Rücktritt angeboten.

Als mögliche Kandidaten für die Hartz-Nachfolge gelten Audi- Personalvorstand Horst Neumann, der Vorstandssprecher der Wolfsburg AG, Klaus Dierkes, und der VW-Verhandlungsführer in der jüngsten Tarifrunde, Josef-Fidelis Senn. Es gibt aber Forderungen, dass der Hartz-Nachfolger von außerhalb des Konzerns kommen soll.

Sparkurs wird verschärft

Das Präsidium beriet heute auch über eine Verschärfung des von Pischetsrieder eingeschlagenen Sparkurses. Im Anschluss sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch bei einer Telefonkonferenz, man wolle bis 2008 sieben Milliarden Euro Kosten einsparen. Damit solle das Ergebnis um vier Milliarden verbessert werden. Pötsch räumte ein, VW werde sein angepeiltes Kapitalrenditeziel von neun Prozent kurzfristig nicht erreichen.

Er erklärte jedoch, VW werde all seinen Geschäftsbereichen zumindest minimale Renditeziele setzen. "Sollten diese Ziele nicht kurzfristig erreicht werden, müssen wir über andere Optionen nachdenken", sagte er. Die Höhe des minimalen Renditeziels nannte er indes nicht. Um welche Optionen es sich handeln könnte, ließ der Vorstand ebenfalls offen. Beobachter spekulieren derzeit über einen möglichen Stellenabbau, Produktionsverlagerungen und Werksschließungen.

Führende Manager sollen bei VW künftig auch an der Qualität gemessen werden, wie der neue Markenchef Wolfgang Bernhard in derselben Telefonkonferenz ankündigte. So sollen dreijährige Qualitätsziele etwa in der Entwicklung und Produktion aufgestellt werden. Sollten die Ziele erreicht werden, sollen die betreffenden Manager einen Bonus erhalten. Bei Nichterfüllung gehen sie leer aus.

Der Konzern leidet derzeit unter enormen Qualitätsproblemen. Bernhard will dieses Problem forciert angehen. Auf diese Weise will der Manager bis zum Jahr 2008 die Garantieforderungen von Kunden halbieren. Bernhard sagte: "Es wird keine Heiligen Kühe geben. Wir werden nichts unversucht lassen."



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