Aufarbeitung im Abgasskandal Volkswagen verschont Topmanager in der Dieselaffäre

Wer bei VW unter Betrugsverdacht steht, muss mit Kündigung rechnen. Doch der Konzern behandelt offenbar nicht alle Betroffenen gleich. Einige zentrale Figuren der Dieselaffäre blieben nach SPIEGEL-Informationen bislang unbehelligt.

VW-Werk in Wolfsburg
DPA

VW-Werk in Wolfsburg

Von und


Bei seinen arbeitsrechtlichen Schritten in der Dieselaffäre misst der Volkswagen-Konzern laut beteiligten Anwälten mit zweierlei Maß. So wolle VW etliche von der Staatsanwaltschaft Braunschweig beschuldigte Techniker und Mitarbeiter des mittleren Managements vor die Tür setzen. Einige Schlüsselfiguren blieben hingegen unbehelligt.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 35/2018
Die richtige Flüchtlingspolitik - ein Plädoyer

Zu ihnen zählt ein früherer Topmanager, dem die Softwareentwicklung unterstellt war. Er gehörte in Deutschland zu den ersten Beschuldigten; zudem dürfte er weitreichende Kenntnisse haben, wer bei VW involviert war, die Betrugssoftware zu erstellen und zu beauftragen. Anwälte vermuten, dass man ihn genau aus diesem Grund weiterbeschäftigt: VW liefe sonst Gefahr, dass der Softwarespezialist seine intimen Kenntnisse in einem Gerichtsprozess ausbreitet.

Ebenfalls unbehelligt blieb bisher der Topmanager bei VW, der früher für Motor, Kupplung und Getriebe zuständig war - obwohl auch er zu den Beschuldigten zählt. Er erhielt nach Auffliegen der Dieselaffäre nicht nur einen neuen Posten bei VW, sondern wurde sogar mit der Aufarbeitung der Affäre im Zusammenspiel mit den Behörden betraut.

Beide Manager wollen sich mit Blick auf das laufende Verfahren nicht äußern, ähnlich wie ihr Ex-Chef Martin Winterkorn. Der erfreut sich nach wie vor bei VW besonderer Wertschätzung. Winterkorn erhält eine Pension in Höhe von etwa 3000 Euro täglich plus Dienstwagenregelung. VW bestätigt die Prüfung arbeitsrechtlicher Schritte, äußert sich aber nicht zu den laufenden Verfahren.

Für Ärger sorgte bei einigen Anwälten außerdem, dass die Namen einiger von Kündigung bedrohter Mitarbeiter bereits Mitte vergangener Woche unter Journalisten kursierten - noch bevor die Betroffenen von VW-Juristen überhaupt angehört wurden.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



insgesamt 85 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Andreas-Schindler 25.08.2018
1. Was will man auch von ein Betrugskonzern anderes erwarten?
Dieses Verhalten zeigt doch das der Betrug kein versehen war, sondern per Anweisung von ganz Oben. Der Konzern hat nichts dazu gelernt und macht einfach weiter wie bisher. Wer bei den Konzern noch Autos kauft, Kauft bei Betrügern. So lange die Verkaufszahlen nicht in den Keller gehen wird sich in dem Laden nichts ändern. Wer weiß an welchen Bauteilen der VW-Konzern in Zukunft Betrügt. Der Kunde ist bei diesem Konzern dann wieder auf sich gestellt.
Wolfgang Porcher 25.08.2018
2. gar nicht möglich real
wie soll das gehen , wenn ein Vorstand , der durch und durch betrügerisch und unersättlich in Einkommenfragen und Abfindungen ist, die eigenen Kumpels bestrafen, es könnte sein, dass der doch dann auspackt, wenn er gar hinter Gittern kommt. Und das Land Niedersachsen wird doch nicht sein liebstes Unternehmen unnötig in Bedrängnis bringen. Warum ueberhaupt so ein Theater, war der TÜV schon mal beim Militär und hat Panzer , LKW , Schiffe, usw. einen Abgastest unterzogen? Warum nicht, Naturschutzgebiet?
wizzbyte 25.08.2018
3. Juristisch korrekt
Moralisch falsch. Denn - Warum sollten sich auch Topmanager/Geschäftsführer selbst in die Pfanne hauen ? Diese Arbeit muss der Staatsanwalt machen. Und zwar wie Müller, nur schneller. Winterkorn ist schließlich nicht immun.
jk1! 25.08.2018
4. Organisierte Kriminalität
Wo ist eigentlich der Unterschied zur Mafia? Dort gibt es die Mauer des Schweigens ( Omerta ). Wird man erwischt und hält sich an diese Regel sorgt die Organisation weiter für Beschuldigte und Ihre Familien. Sie bekommen die besten Anwälte und gehören weiter " zur Familie". Wer auspackt wird fallen gelassen. Genauso läuft es bei VW. Solange man schweigt bleibt man Teil des Unternehmens und hat keine internen Sanktionen zu fürchten. Selbst einem in U-Haft sitzenden Mitarbeiter werden die Bezüge weiter gezahlt. Der Konzern beschäftigt die besten Anwälte und alles läuft weiter wie vorher. Der einzige Unterschied: die Ehrlichen müssen nicht um ihr Leben fürchten...
zausi 25.08.2018
5. Wundert's?
Die Wirdschaft und ihre oberen Verbrecher werden geschützt. Keiner wird Reich, ohne Leichen........
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.