Vor der Pleite Kaupthing-Großaktionäre sollen Bank geplündert haben

Abräumen kurz vor dem Zusammenbruch: Die wichtigsten Eigner der isländischen Kaupthing-Bank sollen in letzter Minute dem Institut kräftig Geld abgenommen haben. Berichten zufolge gingen Riesenkredite an Großaktionäre - und deren Geschäftsfreunde.


Reykjavik - Die größten Anteilseigner der gestrauchelten Kaupthing-Bank waren offenbar auch deren größte Schuldner. Das isländische Institut soll laut Medienberichten noch kurz vor dem Zusammenbruch riesige Kredite an eigene Großaktionäre und deren Geschäftsfreunde ausgezahlt haben. Wie die Zeitung "Fréttabladid" in Reykjavik am Dienstag berichtete, erhielten allein die fünf wichtigsten Kreditnehmer aus dieser Gruppe umgerechnet fünf Milliarden Euro. Das entspricht dem kompletten Staatshaushalt auf der Atlantikinsel mit 320.000 Einwohnern.

Kaupthing-Bank: Darlehen gingen an Eigner und deren Geschäftsfreunde
REUTERS

Kaupthing-Bank: Darlehen gingen an Eigner und deren Geschäftsfreunde

Dass Großaktionäre das Institut vor der Pleite regelrecht plünderten, geht auch aus einem streng vertraulichen Papier hervor, das am Wochenende im Internet publik wurde. Ein Nutzer hatte auf der Internetseite wikileaks.org ein Dokument mit einer internen Schuldnerliste veröffentlicht. Die Liste soll von der Kaupthing-Bank zwei Wochen vor dem Zusammenbruch der drei größten isländischen Banken Anfang Oktober 2008 zusammengestellt worden sein.

Dem Dokument zufolge hatte allein die Finanzgruppe Exista, die bis dahin Kaupthings größter Einzelaktionär war, zusammen mit einem eigenen Großaktionär 450 Millionen Euro Schulden bei der Bank. Ein einzelnes Exista-Aufsichtsratsmitglied wird in der Liste mit Krediten von mehr als einer Milliarde Euro geführt.

Viele Isländer fühlen sich nach den Veröffentlichungen in ihren Vermutungen bestätigt, dass die Finanzgrößen des Landes einen wesentlichen Anteil am Niedergang der Bankenbranche haben. Die "Financial Times Deutschland" berichtete am Dienstag, die Kreditnehmer hätten möglicherweise mit den Darlehen Aktien in der Bank gekauft, um Kurse künstlich in die Höhe zu treiben.

Die Kaupthing-Bank war auch in Deutschland in die Schlagzeilen gekommen. 300.000 Kunden mussten mehr als ein halbes Jahr auf die Freigabe ihrer Guthaben im Wert von insgesamt mehr als 300 Millionen Euro warten. Im Herbst vergangenen Jahres waren die drei führenden Banken Islands, darunter Kaupthing, unter den Folgen der Finanzkrise gestrauchelt. Island verstaatlichte die Institute zwangsweise. Sie haben dem Inselstaat Schulden von mehr als dem Zehnfachen des Bruttoinlandsprodukts hinterlassen.

Die Krise der Banken hat Island schwer getroffen. In der Folge stiegen die Zinsen auf zweistellige Werte, die Landeswährung Krone wurde weitgehend entwertet und die Arbeitslosigkeit stieg von einem auf jetzt knapp zehn Prozent.

tko/dpa

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