Vorwurf der eigenen Mitarbeiter Coca-Colas rassistisches Softdrink-Recycling

Dutzende Coca-Cola-Angestellte beschuldigen ihr Unternehmen, in Texas alte Coke-Dosen mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum in neue Verpackungen gesteckt zu haben. Die "recycelten" Dosen sollen dann in den Armenvierteln von Nordtexas verkauft worden sein. Das Unternehmen weist die Anwürfe entschieden zurück.


Aus alt mach' neu: In Texas sollen Mitarbeiter des Getränke-Konzerns Dosen umdeklariert haben
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Aus alt mach' neu: In Texas sollen Mitarbeiter des Getränke-Konzerns Dosen umdeklariert haben

Dallas - William Wright, seit 14 Jahren Coca-Cola Lieferwagenfahrer, will nicht länger schweigen. Jahrelang hat er nach eigenen Angaben Coke-Trinker vorsätzlich getäuscht. Bei Coca-Cola in Texas, berichtet Wright in der "New York Times", sei es üblich gewesen, alte Coke-Dosen aus ihren Pappverpackungen mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum zu nehmen und sie in neue Verpackungen umzupacken. Die so optisch aufgefrischte Ware sei dann an Einzelhändler in vorrangig von Schwarzen und Spanischstämmigen bewohnten Nachbarschaften im Norden von Texas ausgeliefert worden - denn Coca-Cola habe darauf spekuliert, dass in diesen armen Gegenden niemand die Ware genauer unter die Lupe nehme, wenn der Preis stimmt.

"Sie (Coca-Cola) senkten den Preis und lieferten die Getränke dann an schwarze oder spanische Geschäfte", bestätigt auch Llewellyn Hamilton. Der 49-Jährige arbeitet seit mehreren Jahre für Coca-Cola in Dallas. Laut Hamilton war die Praxis weit verbreitet. Intern habe das Unternehmen Produkte, deren Haltbarkeitsdatum beinahe abgelaufen war, als "near-dated" bezeichnet.

Die Rebellion der Coke-Truck-Driver

Coca-Cola weist die Vorwürfe zurück. Eine Sprecherin von Coca-Cola Deutschland sagte gegnüber SPIEGEL ONLINE, in den USA sei wegen der Vorwürfe eine Untersuchung eingeleitet worden. Diese habe keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten seitens Coca-Cola-Mitarbeitern ergeben. "Unseren Kunden nur Produkte höchster Qualität zu liefern ist eine der wichtigsten Geschäftsregeln von Coca-Cola", so die Sprecherin. Zudem gebe es im Unternehmen zahlreiche interne Richtlinien für die Gleichberechtigung von Minderheiten. "Sollte ein Mitarbeiter gegen unsere Regeln verstoßen haben, wird er dafür zur Verantwortung gezogen werden", so das Unternehmen.

Allerdings klingt diese Version wenig glaubhaft, denn die Zahl der Zeugenaussagen ist erdrückend. In Nord-Texas findet inzwischen eine wahre Rebellion von Coke-Lieferwagenfahrern, einfachen Arbeitern und Verkäufern statt. Dutzende von ihnen haben inzwischen bestätigt, dass sie auf direkte Anweisung ihrer Vorgesetzten beinahe ein Jahrzehnt lang alte Coke neu verpackt und ausgeliefert haben.

Alte Coke kommt in den Automaten

Auch Kenneth Newsome, ein Manager der Supermarktkette Sack 'n' Save berichtet, dass alte Getränkedosen mit einer neuen Verpackung versehen wurden. Coke-Angestellte hätten in seinem Laden ältere Ware aus dem Regal entfernt und diese in einem Hinterzimmer des Supermarkts in neue Verpackungen gesteckt. Ein Teil der alten Getränke sei zudem in die Getränkeautomaten des Geschäftes einsortiert worden, so Newsome. "Sie benutzten Fensterreiniger, um das Haltbarkeitsdatum auf den Flaschen zu entfernen."

"Ich wusste, dass das, was wir machten, falsch war", sagt Truck-Fahrer Wright, "aber jedes Mal, wenn ich das Thema ansprach, bekam ich zu hören: 'Ich bin der Boss. Mach, was ich dir sage'."



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