Vorwurf der Industriespionage SAP gibt illegale Machenschaften zu

Schuldeingeständnis bei Europas größtem Softwarehersteller SAP: Nach einer Klage des Erzrivalen Oracle wegen Industriespionage hat das Walldorfer Unternehmen "unangemessene Downloads" eingeräumt. Die SAP-Aktie dreht ins Minus.


Walldorf - Erstmals hat SAP Chart zeigen damit unrechtmäßige Datenzugriffe beim Konkurrenten Oracle Chart zeigen zugegeben. Das deutsche Unternehmen erklärte, die Tochtergesellschaft TomorrowNow habe einige Wartungsdokumente in unangemessener Weise heruntergeladen. Das Unternehmen hatte über seine Kunden Zugriff auf die Website von Oracle.

SAP-Chef Kagermann: "Wir bedauern diesen Vorfall sehr"
DPA

SAP-Chef Kagermann: "Wir bedauern diesen Vorfall sehr"

SAP selbst habe aber keinen Zugriff auf Downloads der Tochtergesellschaft TomorrowNow gehabt, sagte Konzernchef Henning Kagermann. "Für mich ist selbst ein einziger unangemessener Download inakzeptabel und wir bedauern diesen Vorfall sehr."

TomorrowNow lädt nach Angaben des Walldorfer Konzerns häufig Wartungsmaterial von der Oracle-Website. Drittanbieter für Softwarewartung seien davon abhängig, dass die Kunden es ihrem Dienstleister erlaubten, mit Hilfe des Kunden-Passwortes auf Wartungsmaterial zuzugreifen, um so Wartung und Service für die Oracle-Anwendungen leisten zu können.

SAP kündigte nun an, mit dem US-Justizministerium zusammenzuarbeiten, das die Vorlage gewisser Dokumente verlangt habe. Zudem habe der Konzern das Management von TomorrowNow ausgetauscht, um die korrekte Unternehmensführung sicherzustellen. Die Walldorfer hatten den kleinen US-Softwareanbieter TomorrowNow Anfang 2005 übernommen.

Oracle, der weltgrößte Anbieter von Datenbanken-Software, wirft seinem deutschen Konkurrenten Industriespionage und Diebstahl geistigen Eigentums vor und hat ihn deshalb vor einem US-Gericht in Kalifornien verklagt. In einer mehr als 50-seitigen Klageschrift verlangt Oracle unter anderem Schadenersatz, Unterlassung und Herausgabe von zu Unrecht erlangten Gewinnen.

SAP hält in dem Rechtsstreit mit Oracle nun auch einen Vergleich für möglich. "Das Gericht wird von uns verlangen, alle Optionen in Betracht zu ziehen", sagte Kagermann.

Im ersten Quartal hatte SAP noch keine Rückstellungen für den Rechtsstreit gebildet. Derzeit werde gerade das Zahlenwerk für das zweite Quartal erstellt, sagte Kagermann. Ob darin Rückstellungen enthalten seien, werde erst mit dem Quartalsbericht bekannt gegeben. SAP-Aktien notierten vorbörslich 1,3 Prozent im Minus.

wal/dpa-AFX/Reuters/AP



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