VW Winterkorn befürchtet drastischen Einbruch der Autoindustrie

Düstere Prognose: VW-Chef Winterkorn rechnet laut SPIEGEL-Informationen damit, dass der Absatz der Autoindustrie im kommenden Jahr um bis zu 25 Prozent einbricht. In Kürze will Winterkorn sein Management auf einen Sparkurs einschwören.


Wolfsburg - Top-Managern des Konzerns sagte VW-Chef Martin Winterkorn laut Informationen des SPIEGEL, man müsse sich darauf einstellen, dass der Automobilverkauf weltweit um 20 bis 25 Prozent zurückgeht. Den VW-Konzern werde es nach Ansicht Winterkorns zwar nicht so stark treffen. Aber auch er müsse sich darauf einstellen, zehn bis zwölf Prozent weniger Fahrzeuge verkaufen zu können.

Martin Winterkorn (Archivbild): Der VW-Chef will die Führungskräfte seines Konzerns auf Sparkurs einstellen
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Martin Winterkorn (Archivbild): Der VW-Chef will die Führungskräfte seines Konzerns auf Sparkurs einstellen

Angesichts der Krise will Winterkorn die Führungskräfte des Konzerns auf einen Sparkurs einschwören. Ein Vertrauter Winterkorns sagte der Branchenzeitung "Automobilwoche" mit Blick auf eine VW-Managementkonferenz am kommenden Donnerstag: "Wir rechnen mit einer schonungslosen Bestandsaufnahme und mit unmissverständlichen Sparappellen, auch wenn es VW im Vergleich zu vielen Konkurrenten noch gut geht."

Der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, Willi Diez, sagte dem Radiosender NDR Info, er teile Winterkorns Einschätzung von einem Absatzminus von bis zu 25 Prozent nicht. Es gebe einen riesigen Mobilitätsbedarf in Asien und das Wachstum in Schwellenmärkten wie China und Indien könne die Verluste etwas abfedern, erklärte Diez. Er sieht die gesamte Branche vor einer Neuordnung: Mitte des nächsten Jahrzehnts würden die meisten Autos nicht mehr in Europa und Nordamerika verkauft, sondern in Asien und Lateinamerika, sagte Diez.

Diskussion, welche Modelle auf Eis gelegt werden

Bei Europas größtem Autokonzern Volkswagen war der Absatz im November eingebrochen. Die Zahl der Auslieferungen weltweit sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,5 Prozent auf rund 447.000 Fahrzeuge. Im vierten Quartal stellten die Einbrüche auf dem Weltmarkt auch VW "massiv auf die Probe", sagte Konzernvertriebschef Detlef Wittig. In den ersten elf Monaten des Jahres 2008 steigerte der Konzern den Absatz gegen den Trend in der Automobilindustrie aber noch um knapp ein Prozent auf 5,73 Millionen Fahrzeuge.

Laut "Automobilwoche" lässt Winterkorn unter anderem die Stückzahlprognosen für die bereits fertiggestellten oder noch im Bau befindlichen VW-Werke in Russland, Indien und den USA nochmals überprüfen. Im Zuge des jüngst beschleunigten Trends zu kleineren Fahrzeugen und verbrauchsgünstigen Motoren würden zugleich zahlreiche Pkw-Projekte auf ihre Machbarkeit hin analysiert.

"Derzeit wird intensiv die Frage diskutiert, welche Autos der Zukunft womöglich auf Eis gelegt oder ganz gestrichen werden sollten", zitierte die Zeitung einen VW-Insider. In Wolfsburg herrsche inzwischen die Auffassung vor, dass die Misere der Autowirtschaft in wichtigen Verkaufsregionen deutlich bis ins Jahr 2010 hineinreichen werde.

Der Autoabsatz ist in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem in Nordamerika und Westeuropa drastisch zurückgegangen. Auch in den bisherigen Wachstumsmärkten habe sich die Dynamik stark abgeschwächt, teilte VW mit. Dazu zählen etwa China und Brasilien.

tno/dpa



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