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Wackelige Konjunktur: Irankrise droht Aufschwung abzuwürgen

Der in den letzten Wochen viel gepriesene deutsche Aufschwung könnte zu Ende sein, noch bevor er richtig angefangen hat. Wirtschaftsexperten warnen, der Konflikt der internationalen Staatengemeinschaft mit Iran könnte verheerende Folgen für die Wirtschaft haben.

Berlin - "Die steigende Tendenz bei Öl- und Benzinpreisen wird sich in den nächsten Wochen fortsetzen», sagte Claudia Kemfert, Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der "Bild am Sonntag". Spitze sich die Iran-Krise weiter zu, könne der Ölpreis bereits in den nächsten zwei Wochen auf 80 Dollar je Barrel klettern. In der Folge würde auch Benzin deutlich teurer, fügte sie hinzu. "Wir rechnen für diesen Fall mit neuen Höchstständen an den Tankstellen von mehr als 1,50 Euro je Liter Super."

Ölraffinerie in Teheran: "Das bereitet mir Sorgen"
AP

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Auch für die Konjunktur befürchtet DIW-Expertin Kemfert dann negative Folgen: "Bleiben Öl- und Benzinpreise über einen längeren Zeitraum so hoch, mindert dies nach unseren Berechnungen das Wachstum in Deutschland um bis zu 0,2 Prozentpunkte." Michael Heise, Chefvolkswirt von Allianz und Dresdner Bank sagte der "Bild am Sonntag" sogar, die Iran-Krise sei derzeit das größte Risiko für die Weltwirtschaft. Der Benzinpreis könne deshalb kurzzeitig seine alten Höchststände von 1,44 Euro pro Liter Super erreichen. Auch er hält den Wirtschaftsaufschwung in diesem Jahr für gefährdet. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sagte dem Blatt ebenfalls, er sehe den Aufschwung in Gefahr. Die Iran-Krise könne die Entwicklung verschärfen, in der sich die Preise für Energie-Rohstoffe in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt hätten. "Daher warne ich davor, jetzt schon Champagner-Flaschen auf den Aufschwung 2006 zu öffnen. Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) gestand ein: "Natürlich schafft die Iran-Krise auch ein Risiko für die Energiepreise in Deutschland. Weil der Gaspreis an den Ölpreis gebunden ist, handelt es sich sogar um ein doppeltes Risiko. Das bereitet mir Sorgen."

ase/afp

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