Währung Der Bundes-Euro erobert Europa

Ein Tourist von einem anderen Kontinent, der Europa bereist, könnte auf die Idee kommen, die Staaten der Währungsunion hätten einfach deutsches Geld übernommen. Denn zehn Monate nach der Einführung des Euro machen sich die Münzen aus deutscher Prägung in den Portmonnaies der Europäer breit.


Siegeszug durch Europa: Euro-Münzen aus Deutschland
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Siegeszug durch Europa: Euro-Münzen aus Deutschland

London - Für die Statistiker war es nur eine Frage der Zeit. Früher oder später würden sich die Münzen über ganz Europa gleichmäßig verteilen. Auf welche Weise und in welchem Zeitraum dies passieren würde, das war die spannende Frage. Die Einführung des neuen Geldes bot den Wissenschaftlern dabei die einzigartige Möglichkeit, ganz Europa quasi als riesiges Labor zu nutzen, um der Frage nachzugehen, wie die Handelsströme innerhalb der Union verlaufen. Die Verteilung des Euros sollte ihnen den Weg weisen.

Tatsächlich, so fanden die Forscher heraus, sorgten die Touristen für den ersten größeren Schwung bei der Vermischung der Münzen. Zuvor fand der Austausch natürlich in erster Linie in den grenznahen Gebieten statt. So waren österreichische Euros in Bayern oder in Südtirol schnell zu finden, in Hamburg oder Bremen, in Rom oder Neapel tauchten sie jedoch erst sehr viel später auf. In abgelegenen Regionen Europas, etwa in Finnland, Irland oder Portugal fand bislang praktisch noch keine Vermischung statt.

Für die Übermacht der Münzen aus deutscher Prägung haben die Wissenschaftler dabei eine ganz einfache Erklärung. Denn die Euro-Teilnehmerstaaten hatten sich darauf geeinigt, dass jedes Land den Anteil der Geldmenge beisteuern soll, der dem seiner Wirtschaftsleistung innerhalb der EU entspricht. Für Deutschland errechneten die Ökonomen einen Anteil von 33 Prozent, Frankreich muss 16 Prozent der Münzen prägen, Italien 15 Prozent.

Die kleineren Volkswirtschaften bleiben entsprechend gering repräsentiert. Euro-Münzen aus Finnland mache gerade einmal zwei Prozent der gesamten Geldmenge aus, Luxemburg-Euros sind gar mit 0,2 Prozent fast schon eine Rarität - von Münzen aus San Marino, Monaco oder dem Vatikan ganz zu schweigen. Für Münzen, aus den Prägeanstalten dieser Staaten legen Sammler inzwischen Traumpreise von mehr als 800 Euro hin.



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