Währungen Der Euro kollabiert

Im Vorfeld der EZB-Sitzung regiert am Devisenmarkt die Nervosität. Mit einem Verlierer: Gestern schon erlitt der Euro den höchsten Tagesverlust seiner Geschichte und rutscht auch heute weiter ab - ein Ende der Talfahrt ist noch nicht abzusehen.


Euro, Dollar: Kurssturz auf 1,20 Dollar nicht ausgeschlossen
DPA

Euro, Dollar: Kurssturz auf 1,20 Dollar nicht ausgeschlossen

Frankfurt am Main - Gestern abend hatte der Euro die Unterstützungslinie bei 1,235 US-Dollar durbrochen und war bis vor Handelsbeginn in Frankfurt auf 1,2184 US-Dollar abgesackt. Mit einem Verlust von mehr als 2,5 Cent erlitt die Gemeinschaftswährung den höchsten Tagesverlust seit ihrer Einführung im Jahr 1999. Am Mittwochmorgen sank der Euro-Kurs nochmals bis auf 1,2142 Dollar ab und kam damit auf ein neues Jahrestief.

Devisenhändler sprechen vom Bruch wichtiger charttechnischer Unterstützungsmarken und sie erwarten weitere Verschiebungen. Der Euro, der vor wenigen Tagen noch auf seinem Allzeithoch von 1,29 US-Dollar notierte, könnte demnach seine Talfahrt bis auf 1,20 US-Dollar fortsetzen.

Viel mehr als Gerüchte stecken nach Einschätzung von Börsianern nicht hinter den Kursturbulenzen. In den USA wird wieder über eine mögliche Zinserhöhung diskutiert, einzelne Börsianer in Europa trauen der EZB am morgigen Donnerstag eine Zinssenkung zu. Die überwiegende Mehrheit indes glaubt nicht an einen solchen Schritt.

Marktbeobachter führen überdies zwei konjunkturelle Gründe für die Euro-Schwäche an. Zum einen ist da die Erwartung einer positiven Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge rechnen Ökonomen im Schnitt mit einem Anstieg der Beschäftigung um 130.000. Überdies wird ein Absinken der Zahl der Arbeitslosen-Meldungen auf ein Drei-Jahrestief erwartet. Genaue Daten dazu liefert das US Arbeitsministerium am Freitag.

In der Euro-Zone hingegen gab es heute ein negatives Wachstumssignal: Einer regelmäßigen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters blicken die Manager des Dienstleistungssektors etwas weniger optimistisch in die Zukunft. Zwar stoßen die Unternehmen den Befragten zufolge dank neuer Aufträge an ihre Kapazitätsgrenze, ein Ende des Arbeitsplatzabbaus sei aber noch nicht abzusehen.

Nikkei verteidigt 21-Monatshoch

Der Absturz des Euro hat aber auch seine guten Seiten. Händler erwarten, dass nun die exportorientierten Titel im Dax stark an Wert gewinnen werden. Das gilt insbesondere für Automobilwerte wie BMW Chart zeigen, DaimlerChrysler Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen. Kurz vor Beginn des Genfer Automobilsalons greifen Investoren wieder zu.

Auch der Nikkei hat von der Erholung des Dollar profitiert und trotz der späten Verluste an der Wall Street praktisch unverändert auf dem höchsten Stand seit 21 Monaten geschlossen. Der Yen fiel am Mittwoch auf ein Viermonatstief gegenüber dem Dollar, und viele japanische Aktien profitierten davon.

Folgt der Dax dem japanischen Beispiel, dürften sich die Verluste im frühen Handel in Grenzen halten. Der Index hatte gestern auf Xetra auf dem Tageshoch von 4100 Punkten geschlossen.

Mögliche Zinserhöhung und John Kerry lassen Wall Street zittern

In den USA legten die Indizes im späten Handel dagegen den Rückwärtsgang ein: Anleger diskutieren wieder über eine mögliche Zinserhöhung in den USA und nehmen dies zum Anlass, Gewinne mitzunehmen. Fed-Chef Alan Greenspan hatte erklärt, dass die Zinsen "irgendwann" eine neutralere Geldpolitik reflektieren müssten.

Das sei zwar nichts Neues, hieß es, habe aber doch einige Marktteilnehmer beunruhigt. Der Dow Jones Chart zeigen gab im späten Handel um 0,8 Prozent auf 10591 Zähler nach, während der Nasdaq Composite Chart zeigen0,9 Prozent verlor.

Zudem hat der Kandidat der Demokratischen Partei, John Kerry, am "Super Tuesday" seinen Siegeszug fortgesetzt und dürfte bald als offizieller Herausforderer von George W. Bush gekürt werden. "Je größer die Siegeschancen von Kerry, desto nervöser werden Investoren an der Wall Street", sagte ein Händler.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.