Währungsumstellung Der vergessene Vater des €uro

Das Euro-Symbol "€" ist spätestens seit Anfang des Jahres so allgegenwärtig wie das Coca-Cola-Logo oder das Dollarzeichen. Der Erfinder des "€" lebt von der Öffentlichkeit vergessen in einem Altenheim und hat für seine Designleistung nie eine Anerkennung von der EU erhalten.


Euro-Zeichen mit geometrischen Linien: Entwurf eiskalt abgekupfert

Euro-Zeichen mit geometrischen Linien: Entwurf eiskalt abgekupfert

Eislingen/Hamburg - Im Sommer 1997 war es, als Jacques Santer, der damalige Präsident der Europäischen Kommission, stolz vor die versammelte Weltpresse trat und das neue Eurosymbol präsentierte - ein E mit zwei Querstrichen, fünf Meter hoch, aus Plexiglas.

Santer beschrieb das Symbol seinerzeit als eine Mischung aus dem griechischen Buchstaben Epsilon, der die Bedeutung der europäischen Zivilisation unterstreiche, einem "E" für Europa sowie zwei parallelen Linien, welche die Stabilität des Euro verkörpern sollten. Ein Team von vier Leuten habe das Design entworfen, so Santer damals.

Als der deutsche Rentner Arthur Eisenmenger seinerzeit Santers Präsentation im Fernsehen sah, war er fassungslos. "Mechthild, guck a moi", rief er seiner Frau zu, "Des isch doch mei E!" Und zwar eins zu eins. "Sogar die an den Kanten abgeschrägten Doppelstriche haben sie gelassen", sagt Eisenmengers Frau Mechthild.

Eisenmenger, heute 86 Jahre alt, hat vor einem Vierteljahrhundert das Eurosymbol erfunden. Der Schwabe, der heute im Altenheim St. Elisabeth in Eislingen lebt, war damals der Chef-Grafikdesigner der Europäischen Gemeinschaft (EG), dem Vorläufer der Europäischen Union. Das "€" war eine der letzten Aufgaben des Deutschen, bevor er 1975 in Rente ging. Zuvor hatte Eisenmenger unter anderem das Qualitäts-Symbol "CE" sowie die Flagge der Europäischen Union entworfen.

Zwei Jahrzehnte in der Schublade

Ursprünglich, so Eisenmenger, sei das Symbol als Zeichen für Europa gedacht gewesen. "Damals habe ich nicht an den Euro gedacht", zitiert die britische Zeitung "The Observer" den Designer. Nachdem er das Symbol in seinem Luxemburger Büro entworfen hatte, schickte Eisenmenger seine Designs an die Europäische Kommission in Brüssel. Dort lagen sie mehr als zwei Jahrzehnte in der Schublade.

Soweit Eisenmengers Version. In ihrer offiziellen Darstellung beharrt die EU hingegen darauf, dass es mehrere Väter des "€" gebe. "Das war keine einzelne Person - sondern ein Team", sagt Jean-Pierre Malivoir, der bei der Kommission für die Euro-PR verantwortlich ist. Eisenmenger hat Malivoir nach eigenen Angaben einen Brief geschrieben, in dem er den Eurokraten auf den Fehler hinwies: "Ich kontaktiere Sie, um das Rätsel zu lösen, wer den Euro entworfen hat", zitiert der "Observer" das Schreiben, "ich allein habe ihn entworfen und gezeichnet. Ich schwöre, dass es kein Team gab." Bis heute, so Eisenmenger, habe er keine Antwort erhalten.

Arthur Eisenmenger mit Euro-Logo: Bis heute nicht einmal ein Dankeschön
DPA

Arthur Eisenmenger mit Euro-Logo: Bis heute nicht einmal ein Dankeschön

Zeugen für die eine oder andere Version sind schwer zu finden. Nur wenige von Eisenmengers früheren Kollegen sind noch am Leben. Einer von ihnen, der französische Illustrator Julien Bozzola, der 13 Jahre mit dem Deutschen zusammengearbeitet hat, stützt die Version Eisenmengers. "Das Eurosymbol ist zweifelsohne die Kreation meines ehemaligen Kollegen", so der 71-jährige. "Ich bin überzeugt, dass es sich um sein Design handelt. Es war anfänglich von dem E inspiriert, mit dem er seinen Namen signiert - einem runden E, keinem eckigen. Es tut mir sehr leid, dass (seine Leistung) nicht anerkannt wird."

Namenlose Eurokraten

Für Eisenmengers Geschichte spricht, dass die von Jacques Santer genannten vier Designer bis heute seltsam namenlos geblieben sind - auch gesehen hat sie bisher anscheinend niemand. Während die Kommission bisher Eisenmengers Anspruch nicht anerkennt, hat er von der Europäischen Volkspartei (EVP), einer Fraktion des Europäischen Parlaments, sogar förmliche Ehrung erhalten: Die EU-Politiker verliehen ihm die Robert-Schuman-Europamedaille.



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