Währungsverfall in Ägypten: Präsident Mursi verbreitet Optimismus

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi gibt sich zuversichtlich - trotz Währungsverfall und massiver Schulden. Nach dem Absturz des ägyptischen Pfunds auf ein Rekordtief werde sich der Kurs in Kürze wieder stabilisieren, verspricht das Staatsoberhaupt. Nicht alle teilen den Optimismus.

Mohammed Mursi: Der ägyptische Präsident bei einer Rede im Parlament Ende Dezember Zur Großansicht
REUTERS

Mohammed Mursi: Der ägyptische Präsident bei einer Rede im Parlament Ende Dezember

Kairo - Das ägyptische Pfund ist auf dem tiefsten Stand seit acht Jahren, die Staatsverschuldung 50 Prozent höher als erwartet - doch Präsident Mohammed Mursi bleibt gelassen. Staatliche Medien berichteten am Montag, in einem Gespräch mit arabischen Journalisten habe Mursi zum Kursverlust des Pfunds gesagt: "Das macht uns keine Sorgen und jagt uns keine Angst ein, binnen weniger Tage wird sich das Pfund wieder stabilisiert haben."

Die regierenden Islamisten in Ägypten stehen vor massiven wirtschaftlichen Problemen. Nachdem die Zentralbank neue Bestimmungen für den Verkauf von Devisen eingeführt hat, ist der Kurs der Landeswährung, das ägyptische Pfund, massiv eingebrochen. Der offizielle Kurs lag am Montag bei rund 6,30 Pfund für einen US-Dollar und damit so niedrig wie seit acht Jahren nicht mehr.

Der Staatshaushalt des Landes dürfte noch weitaus stärker belastet werden als bisher angenommen. Nach Angaben des Planungsministers Ashraf al-Araby wird Ägypten im laufenden Finanzjahr umgerechnet etwa 23,8 Milliarden Euro Schulden anhäufen. Das wären 50 Prozent mehr als ursprünglich erwartet. Ein Grund für den Einbruch der Wirtschaft dürften die ausbleibenden Touristen sein. Außerdem hat Mursi im Dezember geplante Steuererhöhungen ausgesetzt.

Trotz des Kursverfalls und der hohen Schulden verspricht Ägyptens Regierung dem krisengeplagten Land einen Aufschwung der Wirtschaft und viele neue Jobs. Dabei soll auch der Internationale Währungsfonds (IWF) helfen. Wie Ministerpräsident Hischam Kandil am Sonntag in Kairo sagte, werden die wegen der Unruhen abgebrochenen Gespräche über einen Stand-by-Kredit im Januar wieder aufgenommen. Präsident Mursi wies in seiner ersten Rede vor dem Oberhaus des Parlaments auf wirtschaftliche Erfolge hin.

Nicht alle teilen diese Einschätzung. Die Zeitung "Al-Masry al-Youm" spottete: "Mursi spricht über ein anderes Land."

rom/Reuters/dpa

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Was SPON nicht schreibt...
DerNachfrager 31.12.2012
Schon seit Monaten gibt es in Ägypten Schlangen vor den Tankstellen - seit der Revolution kann das Land nämlich seine Ölrechnungen nicht mehr bezahlen. Und das war vor dem Einbruch im Tourismus.
2. ...
JDR 31.12.2012
Zitat von sysopREUTERSÄgyptens Präsident Mohammed Mursi gibt sich zuversichtlich - trotz Währungsverfall und massiver Schulden. Nach dem Absturz des ägyptischen Pfunds auf ein Rekordtief werde sich der Kurs in Kürze wieder stabilisieren, verspricht das Staatsopberhaupt. Nicht alle teilen den Optimismus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/waehrungsverfall-in-aegypten-mursi-rechnet-mit-schneller-stabilisierung-a-875219.html
Fairerweise muss man sagen, dass - noch - beide Seiten Recht haben. Richtig ist, dass Ägypten zumindest in der nahen Zukunft noch mit erheblichen Hilfen des Auslandes rechnen kann, welche die Wirtschaft kurzzeitig stabilisieren werden. Richtig ist aber auch, dass das Fundament schwach ist und ein Präsident, der mit solch geringer Ernsthaftigkeit an die Probleme herangeht, wenig Vertrauen in die zukünftige Politik weckt. Präsident Mursi erscheint "ein wenig abgehoben" - und das ist wohl kein gutes Signal. Ägypten hat eine reelle Chance, sich durch harte Arbeit und kluge Politik aus der Krise zu bewegen. Stattdessen sieht man Sultansallüren und erste Großmachtsphantasien. Sich des eigenen - sicherlich hohen - Wertes bewusst zu sein, bedeutet nun einmal nicht, damit so lange zu wuchern, bis die Blase platzt. Das ägyptische Volk hat schwere Zeiten hinter und noch ein paar harte Jahre vor sich. Wenn die Republik wachsen soll, wird sie die Weisheit vieler Menschen benötigen und kann sich nicht nur auf die Islamisten stützen. Mursis Einschätzung, dass die "Verfassungskrise" vorbei sei, wird sich wohl nicht so einfach bewahrheiten.
3. wie es scheint...
wolke4 31.12.2012
....wird es sich ja bald zeigen, worauf es bei einer kompetenten Regierung wirklich ankommt. Religiösität dürfte sich dabei wohl kaum als politische Kernkompetenz herausstellen.
4. Sozialismus trifft auf Islamismus
hxk 31.12.2012
"Die ägyptische Wirtschaft ist nach der Analyse von Stratfor eine der am wenigsten dynamischen der Welt. Unter Mubarak konnte das Militär lange Zeit nach Belieben von den Banken Geld "leihen", ohne es zurückzahlen zu müssen. Mubaraks Sohn Gamal wollte dieses System liberalisieren. Beispielsweise führte er einen Hypothekenmarkt ein. Er zwang die Zentralbank, nach wirtschaftlichen Kriterien zu operieren. Diese Reformen begannen bereits 2004; im Jahr 2010 hatten sie dazu geführt, daß sich das Militär nicht mehr wie zuvor frei bei den Banken bedienen konnte." Stratfors Analysen: Die Ökonomie Ägyptens (http://zettelsraum.blogspot.de/2011/02/stratfors-analysen-die-okonomie.html)
5. Nun zeigt sich
der_pirat 31.12.2012
Dass sich die Verfassung so schnell so positiv für uns auswirken würde hätte ich nicht gedacht. In Zukunft können wir unsere kurzen Hosen wieder für 50 Cent am Tag in Ägypten nähen lassen. Prima!
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Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abd al-Fattah al-Sisi

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

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