Wahlkampf-Vorstöße Frankreich droht Deutschland mit Machtkampf um Airbus

Französische Politiker preschen mit Plänen vor, um die Deutschen bei Airbus in die zweite Reihe zu drängen. Das wird sich die Bundesregierung nicht bieten lassen - es droht ein Machtkampf auf Kosten des Konzerns.


Hamburg - Das Airbus-Sanierungsprogramm "Power 8", das Airbus-Chef Louis Gallois in der vergangenen Woche präsentiert hat, scheint von vielen eher als Sammlung von Denkanstößen wahrgenommen zu werden denn als konkreter Plan. Vor allem in Frankreich präsentiert dieser Tage ein Politiker nach dem anderen seine Vorschläge, wie der Flugzeugbauer seiner Meinung nach zu retten ist - und der Ton, der dabei angeschlagen wird, gefällt den Deutschen gar nicht.

EADS-Co-Chefs Enders (li.) und Gallois: Beide machen keinen Hehl daraus, dass sie das Unternehmen gerne allein führen würden
DDP

EADS-Co-Chefs Enders (li.) und Gallois: Beide machen keinen Hehl daraus, dass sie das Unternehmen gerne allein führen würden

Eine Kapitalerhöhung sei die einzige Lösung für die Airbus-Mutter EADS Chart zeigen, forderte da Finanzminister Thierry Breton. Der französische Staat sei langfristig durchaus zur "Aufstockung seiner Beteiligung" von derzeit 15 Prozent bereit. Das Gleichgewicht zwischen deutschen und französischen Interessen im Konzern sei ein Fehler - das Verhältnis müsse 60 zu 40 zu Gunsten Frankreichs lauten.

Innenminister und Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy hatte zuvor eine Abschaffung der deutsch-französischen Doppelspitzen bei EADS und Airbus gefordert. Und nebenbei erklärt: "Ich würde für Airbus das gleiche wie für Alstom Chart zeigen tun." 2003 hatte die französische Regierung eine Übernahme des angeschlagenen Zugkonstrukteurs verhindert, indem sie sich selbst mit 18,5 Prozent einkaufte und bei der EU eine Finanzspritze von zwei Milliarden Euro herausleierte.

Sanofi, Danone, Alstom - Frankreich hat Übung im Einmischen

Beispiele dieser Art gibt es genug. Immer wieder hat Frankreich die heimische Industrie mit politischen Waffen verteidigt, ungeachtet jeglicher bilateraler Verwerfungen. 2004 mischte sich die Regierung massiv ein, als der Pharmakonzern Sanofi den deutsch-französischen Konkurrenten Aventis übernehmen wollte. Im Fall von Danone Chart zeigen reichten schon Gerüchte über ein Interesse von PepsiCo Chart zeigen, um Staatspräsident Jacques Chirac persönlich auf den Plan zu rufen. Man sei "wachsam und alarmiert", polterte er in Richtung USA.

Nicht zuletzt versuchen die Franzosen bei Airbus nach Ansicht deutscher Beobachter hinter den Kulissen schon seit geraumer Zeit, den eigenen Einfluss auszuweiten. Nur ein Bruchteil der wichtigen Managementposten seien noch von Deutschen besetzt, warnt der deutsche Airbus-Betriebsrat immer wieder.

Man habe es mit einem kampferprobten Gegenüber zu tun, sagen Experten. Doch sei Deutschland durchaus fähig, sich zu wehren: "Die deutsche Regierung würde nie akzeptieren, weniger Einfluss bei Airbus zu haben als die Franzosen", sagt Alfred Steinherr vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Auch Stefan Halter, Analyst bei der HypoVereinsbank Chart zeigen, hält es für unwahrscheinlich, dass die Franzosen bei Airbus die Oberhand gewinnen könnten. "Solche Vorschläge muss man klar mit Blick auf den bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich sehen."

Kapitalerhöhung hat ohne die Deutschen keine Chance

"Alleine kann Frankreich eine Kapitalerhöhung nicht durchziehen, dafür müssen auch die Deutschen mitziehen", sagt Steinherr, der viele Jahre in Frankreich an einer Universität gelehrt hat. Dass die privaten Großaktionäre DaimlerChrysler Chart zeigen oder der Medienkonzern Lagardère mehr Geld in das Unternehmen pumpen, sei ebenfalls unwahrscheinlich: "Beide Konzerne wollen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren." Dass nun die Bundesregierung zusätzliches Geld bereitstellt, um eine Kapitalerhöhung gemeinsam mit den Franzosen zu stemmen - das sei kaum vorstellbar: "Das wäre ein kompletter Traditionsbruch in Deutschland, man würde sich vollständig unglaubwürdig machen."

Natürlich: Theoretisch sei denkbar, dass der französische Staat Anteile von Lagardère übernimmt, um den eigenen Einfluss zu erhöhen. "Aber das würde Airbus nicht mehr Geld bringen - und sämtliche Vereinbarungen über den Haufen werfen. Das gäbe richtig Ärger", sagt Steinherr.

A380: "Alleine kann Frankreich eine Kapitalerhöhung nicht durchziehen"
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A380: "Alleine kann Frankreich eine Kapitalerhöhung nicht durchziehen"

Dabei hätte Airbus eine Kapitalerhöhung bitter nötig: Die Lieferverzögerungen beim A380 und die Dollar-Schwäche haben das Unternehmen in eine tiefe finanzielle Krise gestürzt. Nach derzeitigen Berechnungen fehlen Barmittel in Höhe von 6,3 Milliarden. Selbst wenn das Sparziel von "Power 8" eins zu eins eingehalten und bis 2010 fünf Milliarden zusammengeklaubt werden, stellt sich immer noch die Frage: Woher kommt der Rest? "Das frische Geld muss unbedingt von Privatanlegern kommen", sagt Steinherr.

"Der Trend geht genau in die falsche Richtung"

Die Wunschvorstellung vieler Analysten lautet: Das "Power 8"-Programm wird zügig durchgezogen, damit wird das Unternehmen für die Märkte wieder interessant. Steinherr: "Im kommenden Herbst oder Winter könnte man eine Kapitalerhöhung dann in Ruhe in Angriff nehmen." Der angenehme Nebeneffekt: Der Einfluss der Politik auf Airbus nähme spürbar ab. "Das wäre ein Signal, auf das der Markt schon lange verzweifelt wartet."

Neuer Einfluss des Staates: Aktuelle Aktionärsstruktur bei EADS
SPIEGEL ONLINE

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Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, als ob solche Ratschläge Chancen auf Gehör haben. Nicht nur in Frankreich - auch in Deutschland gab man sich beim Thema Airbus in den letzten Wochen ungewohnt bissig. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) forderte schon unverhohlen eine "offensive Industriepolitik". "Ich fürchte, der Trend geht genau in die falsche Richtung", sagt Steinherr.

Deutsche und Franzosen werden es wohl nicht einmal schaffen, die schon seit Jahren gescholtene Doppelspitzen-Konstruktion mit zwei EADS-Chefs abzuschaffen. "Denn wer soll das Unternehmen dann führen, ein Franzose oder ein Deutscher?", fragt Analyst Halter. Auch Steinherr glaubt: "Man wird weiter wurschteln wie bisher." Mit einer Doppelspitze und ohne Kapitalerhöhung.

Das Geld für das A350-Programm könnte dann beispielsweise über Regierungskredite generiert werden. Doch das würde an einer ganz anderen Front zu neuen Kämpfen führen: Der Wettbewerber Boeing Chart zeigen und die US-Regierung würden solche Staatshilfen sicherlich nicht kommentarlos hinnehmen. "Gesund kann man ein solches Unternehmen aber nicht nennen", sagt Steinherr. "Das politische Geschachere ist sehr belastend."



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Seite 1
5mark, 28.02.2007
1.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind.
jocurt, 28.02.2007
2. Es wohl ein ziemlicher Gipfel an Unverfrohrenheit...
---Zitat von 5mark--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind. ---Zitatende--- das ich dem Spiegel Post entnehmen darf, dass auch eine èbergabe an das Management anstehen kann: " Dazu zählt neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch eine Abgabe an das Management oder die Zusammenlegung mit anderen Werken. Für den Standort Nordenham (ebenfalls Niedersachsen) sowie für Filton in Großbritannien und Méaulte in Frankreich erwägt Airbus "industrielle Partnerschaften". Für diese Standorte gebe es bereits "unaufgefordert Angebote möglicher Investoren". " Das heisst ja, erst abzocken, Karre in den Dreck fahren und die Reste gewinnbringend als MBO übernehmen. Nimmt ein Mitarbeiter eine Schraube mit, wird er wegen Diebstahl entlassen. wie nennt man das aber jetzt?
Mathesar 28.02.2007
3.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Wie so häufig zeigt sich auch bei Airbus mal wieder: Wenn man etwas wirklich gegen die Wand fahren will, muß man nur die Politik mitspielen lassen. Airbus ist dafür ein profundes Beispiel.
medienquadrat, 28.02.2007
4. wie soll das denn funktionieren?
Vielleicht kann mir das endlich jemand erklären, wieso 10.000 entlassen werden sollen? Haben die ansonsten immer herumgesessen und blöd in die Gegend gestiert? Wer soll denn deren Arbeit machen? Oder haben die nichts mehr zu tun, keine Aufträge mehr, oder werden die Flugzeuge von selbst fertig, setzen sich selbsttätig zusammen? Ist das denn etwa demnächst so, dass die Flieger notdürftig zusammengekloppt ausgeliefert werden? Muss man sich Sorgen machen, um die Flugsicherheit?
AttilaR, 28.02.2007
5. Faire Verteilung
Das Management hat versagt; Verkabelungsprobleme. So hieß es. Die Auslieferungen klappten nicht . Krise. Die Folgen. Krise. Es werden ca. 10.000 oder doch nur "8.5oo" Arbeiter entlassen? Das Management wird aufgrund des beherzten Durchgreifens be- fördert und/oder bekommt Prämien. Vielleicht als Krönung eine MBO. Und die Politik? Die Politik labert von "gerechter Lastenverteilung!! Attila Keiner ist so schwer zu überzeugen, als einer, der dafür bezahhlt wird, die Sache nicht zu verstehen. (Nach einen amerikanischen Schriftsteller.)
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