Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Wall Street: 2008 könnte schlechtestes Börsenjahr der Geschichte werden

Was vor zwölf Monaten noch völlig undenkbar schien, droht in den letzten Handelstagen des Jahres raue Wirklichkeit zu werden: 2008 könnte als das schlechteste US-Börsenjahr aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen.

New York - Er ist der wichtigste Börsen-Index der Wall Street - und er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Seit Beginn des Jahres hat der S&P 500 bereits 40,6 Prozent seines Wertes eingebüßt. Angesichts der derzeitigen Volatilität könnte somit schon ein heftiger Kursrutsch an einem der letzten Handelstage des Jahres ausreichen, um das im Jahr 1931 verbuchte Rekord-Minus von 47,1 Prozent zu übertreffen.

Wall-Street-Händler: Verluste in bisher nicht gekanntem Ausmaß
AFP

Wall-Street-Händler: Verluste in bisher nicht gekanntem Ausmaß

Doch schon jetzt ist sicher: An der Wall Street hat sich 2008 so viel Vermögen in Luft aufgelöst wie nie zuvor. Der Börsenwert aller Firmen im Dow Jones Wilshire 5000-Index - das am weitesten gefasste US-Börsenbarometer - schmolz um sage und schreibe 7,3 Billionen Dollar. Die Verkaufsrallye begann, als der anfängliche Ausfall von schlecht besicherten Hypotheken zu einer globalen Wirtschaftskrise mutierte. Mittlerweile haben die Folgen alle Branchen erfasst: von Banken und Versicherern über Autokonzerne bis hin zu Einzelhändlern und Rohstoff-Produzenten.

"Wie soll man ein Jahr zusammenfassen, dass von Finanzkrisen in allen erdenklichen Formen gekennzeichnet war? Und nun haben wir gleichzeitig auch noch eine Wirtschaft, die in sich zusammenbricht", sagt Jocelynn Drake, Analyst bei Schaeffer's Investment Research. Selbst erfahrene Börsenprofis sprechen angesichts der prominenten Opfer von einem beispiellosen Jahr: Die Investmentbanken Bear Stearns, Lehman Brothers und Merrill Lynch, der Versicherungsgigant AIG und die Bank Washington Mutual - sie alle sind nun entweder völlig umgebaut, verkauft oder gar verschwunden.

Die Anleger hegen jedoch Hoffnungen, dass nun endlich das Ende der Talfahrt in Sicht ist. Die Optimisten setzen vor allem darauf, dass Regierung und Notenbank der Wirtschaft im neuen Jahr falls nötig mit unkonventionellen Methoden auf die Sprünge helfen. Der US-Notenbank Federal Reserve bleibt angesichts eines Leitzinses von faktisch null Prozent ohnehin nichts anderes übrig, als zu alternativen Mitteln zur Konjunkturstimulierung zu greifen. Auch die neue Regierung von Präsident Barack Obama wird ihre Amtszeit wohl mit einem gigantischen Konjunkturpaket über fast 800 Milliarden Dollar einläuten.

"Wenn alles nach Plan läuft, wird 2009 ein Übergangsjahr - von Katastrophen und Turbulenzen am Finanzmarkt hin zu einer schrittweisen Erholung", sagt Michael Sheldon von RDM Financial.

"Die Konjunkturdaten dürften auch im neuen Jahr zunächst trübe ausfallen. Die Frage ist, wie viele schlechte Nachrichten bereits in den Kursen eingepreist sind, und wie lange sich das ganze noch hinziehen wird."

Viele Börsianer halten es für ein schlechtes Omen, dass sich die Wall Street bislang nicht zu einer Jahresendrallye aufraffen konnte. Dafür bleibt nun fast keine Zeit mehr. Bereits am Donnerstag bleiben die Türen der Wall Street wegen des Neujahr-Feiertags geschlossen. Die Umsätze dürften in dieser Woche gering bleiben, da viele Anleger das Jahr bereits abgeschrieben und sich in die Winterferien verabschiedet haben.

Einen Impuls könnten neue Konjunkturdaten bringen. Am Dienstag veröffentlicht das Conference Board das US-Verbrauchervertrauen. Volkswirte rechnen mit einer minimalen Verbesserung auf 45,0 Punkte. Am Freitag - dem ersten Handelstag 2009 - steht dann der ISM-Index für die Industrie an. Hier erwarten Volkswirte eine weitere Verschlechterung auf 35,5 von zuletzt 36,2 Punkten. Damit dürfte der Index sich sogar noch weiter von der Expansionsschwelle von 50 Punkten entfernen.

Am Freitag schloss der Dow-Jones-Index dank eines Kurssprungs von GM 0,6 Prozent höher auf 8515 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 schloss 0,5 Prozent im Plus bei 872 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,4 Prozent auf 1530 Punkte.

Der deutsche Aktienmarkt ist nach den Weihnachtsfeiertagen am Montag deutlich fester in die beiden letzten Handelstage des Jahres gestartet. Der Dax gewann bis 9.15 Uhr 1,4 Prozent auf 4694 Punkte, der MDax legte 2,3 Prozent auf 5461 Zähler zu. Der TecDax stieg um 1,8 Prozent auf 496 Punkte. Händler gingen davon aus, dass die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten für Zurückhaltung sorgen würden. Daher deute derzeit nichts auf einen Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung der letzten Wochen hin.

mik/Reuters/ddp

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: