Warenhaus-Fusion: Arcandor legt Gespräche mit Metro auf Eis

Doch keine große Kaufhauskette? Der Warenhauskonzern Arcandor hat die Verhandlungen mit Metro unterbrochen und will nach der Insolvenz seine Optionen überdenken. Viel Zeit bleibt wohl nicht - denn um die Teile des maroden Großkonzerns rangeln bereits mehrere Interessenten.

Essen - Überraschende Wende beim Poker um Karstadt: Der Mutterkonzern Arcandor hat die Verhandlungen über eine Fusion seiner Kaufhäuser mit der Metro-Tochter Kaufhof abgebrochen. "Die Karten sind neu gemischt worden", sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski am Mittwoch. Die Gespräche lägen "erst einmal auf Eis".

Metro-Einkaufswagen: Gespräche über große Warenhauskette abgebrochen Zur Großansicht
Reuters

Metro-Einkaufswagen: Gespräche über große Warenhauskette abgebrochen

Nach dem Insolvenzantrag von Arcandor stehe der Konzern nicht mehr unter dem Druck, innerhalb weniger Tage eine Lösung zu finden. Metro ist damit nur noch ein Partner von vielen, an die Karstadt verkauft werden könnte. Zunächst müsse die Lage konkret bewertet werden.

Metro bedauerte die Entscheidung von Arcandor. Jeder Tag, der nutzlos verstreiche, sei eine vergebene Chance zur Sicherung von Arbeitsplätzen und lebendigen Innenstädten, hieß es in einer Erklärung. Die Tür für Gespräche über eine Deutsche Warenhaus AG stünden aber weiter offen. Zugleich dementierte Metro, den Weiterverkauf des dabei entstehenden Kaufhauskonzerns zu planen. Einen Bericht des "Handelsblatts", wonach der italienische Unternehmer Maurizio Borletti ein Interessent dafür wäre, wies Metro-Sprecher Martin Bommerheim gegenüber SPIEGEL ONLINE zurück.

Am Dienstag hatte Metro-Chef Eckhard Cordes seine Pläne im ZDF vorgestellt: Einen starken Kaufhauskonzern wolle er formen - und für die Karstadt-Häuser einen "fairen Preis" zahlen. Auf längere Sicht schloss er einen Börsengang nicht aus, wobei Metro allerdings Großaktionär bleiben wolle.

Den Vorwurf, der Handelskonzern sei nach der Insolvenz von Arcandor auf Schnäppchenjagd, wies Cordes zurück. Nach der geplanten Zusammenlegung von Karstadt und Kaufhof sollten von den insgesamt gut 200 Warenhäusern etwa 160 erhalten bleiben.

Wie es aussieht, würde Cordes aber wohl kaum zu dem von ihm avisierten Preis zum Zuge kommen, wenn die Verhandlungen wieder in Gang kämen. Denn es interessieren sich auch andere Unternehmen für Teile von Arcandor. Für die Versandhandelssparte Primondo rund um die Traditionsmarke Quelle gibt es Regierungskreisen zufolge mehrere Interessenten aus dem In- und Ausland.

Auch die Otto-Gruppe hat sich ins Spiel gebracht: Sie zeigte sich interessiert an Spezialversendern wie zum Beispiel Baby-Walz. Für die Sporthäuser gelte das gleiche. Verhandlungen liefen derzeit aber nicht. Kein Interesse habe Otto an Quelle.

Auf die Reisetochter Thomas Cook, die fast 60 Prozent zum Konzernumsatz und annähernd 90 Prozent zum operativen Ergebnis beiträgt, hat die Rewe-Gruppe ein Auge geworfen.

kgp/dpa/Reuters/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Arcandor - ist Insolvenz die beste Lösung?
insgesamt 718 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Spiegel-Online hat DIE Macht
yupii 09.06.2009
Das sich Spiegel-online damit brüstet, dass sie, durch das Vermelden der Entscheidung des Vorstands, den Antrag auf einen staatlichen Notkredit nicht zu verbessern, den Kurs um 30 % fallen sinken lassen haben finde ich überheblich und beängstigend. Wer sich so mit seiner vermeintlichen macht rühmt und auch noch so leichtfertig damit umgeht, der kann einen ja nur Angst machen. Sich mit Dingen zurühmen , die nichts Gutes sind ist man eigentlich eher von der Bild-Zeitung gewohnt
2. Faire Lösung
bringtheheat, 09.06.2009
Die Insolvenz ist wohl die fairste Lösung für alle. All die Absolventen von Studium und Ausbildung bekommen momentan keine Chance zu zeigen was sie können. Arcandor hatte seine Chance, hat sie aber nicht genutzt. Nun sind andere an der Reihe. Neben den offensichtlichen Fehlern des Big-Business-Middelhoff, die Immobilien zu verkaufen tragen aber auch die Verkäufer in den Häusern eine gehörige Mitschuld. Ich kann zwar nicht beurteilen inwiefern der Verkauf der Immobilien damals alternativlos war, aber ich kann beurteilen, das ein Unternehmen ohne Werte immer am Abgrund steht, da man speziell bei den regelmäßigen Kreditverhandlungen im Handel nichts einbringen kann und keine Sicherheiten vorlegen kann. Man geht dort einkaufen, wo man sich wohl fühlt. Auf den Cent achtet man bei der Größenordnung nicht. Bei dumm und dreist in Gruppen rumstehenden Verkäuferinnen fühlt man sich nunmal nicht wohl. In kleineren Filialen trampeln einem die Verkäuferinnen überspitzt formuliert direkt auf die Füße sobald man den Laden betritt. Die schleppende Sanierung der Häuser tut ein übriges. In meiner Stadt (330tsd Einw.) fühlt man sich bei Karstadt eher wie auf nem türkischem Basar. Interessanterweise hat Arcandor durch den Verkauf der Immobilien Vertrauen bei den Kreditgebern verloren. Der Götze einer möglichst hohen Eigenkapitalrentabilität die ja gerade durch wenig Eigenkapital erreicht wird, also möglichst wenig Risiko einzugehen ist in diesem Fall wohl auch gescheitert. Die Entscheider vergessen heutzutage oftmals, das es Käufer und Verkäufer, Schuldner und Gläubiger usw. gibt. Das ganze nennt sich wohl modernes Unternehmertum...lol Ich möchte hier mal die These aufstellen, das die Insolvenz lange Zeit absehbar war und man daher alle Vermögenswerte schon vor längerer Zeit von Arcandor abgetrennt hat. Wer steigt mit ein?...:-D
3.
idealist100 09.06.2009
Zitat von sysopArcandor gibt auf: Der Handelskonzern hat Antrag auf Insolvenz gestellt. Betroffen sind die Tochterfirmen Karstadt, Quelle, Primondo, aber nicht Thomas Cook. Ist diese Insolvenz-Lösung die beste für den Konzern und seine Angestellten?
Wenn 50 % der Jobs erhalten werden zu marktüblichen Gehältern, kein Lohndumping wie bei Karstadt/Quelle, dann war es ein Erfolg. Vielleicht werden es ja auch mehr. Ich hoffe nur das kein müder Eurone für die Eigner Schicki-miki, Openeimer, Esch, middelh, Eick etc. übrigbleibt.
4. Klar
elwu, 09.06.2009
ist eine Insolvenz die beste Lösung, wäre es auch bei Opel gewesen... Zum Artikel: "Die Finanzkrise hat erstmals einen deutschen Großkonzern in die Insolvenz getrieben." Ah ja? Arcandor war schon seit Jahren siech! Auch ohne die Finanzkrise. Wenn doch wenigstens die Journalisgten aufhören würden, die Finanzkrise für jede Pleite als Begründung zu nennen. Statt richtigerweise das Versagen und/oder die Gier von Managern und Politikern.
5.
D0nJuAn 09.06.2009
Ein dank an die Regierung das sie es nicht zum kompletten Dammbruch hat kommen lassen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles zum Thema Karstadt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -21-