Warenhauskonzern Müntefering fordert Bürgschaft für Arcandor

Kaum gibt es für Opel eine Lösung, prescht die SPD beim nächsten Problemfall vor: Parteichef Müntefering will unbedingt eine Insolvenz von Arcandor verhindern. Der Handelskonzern mit Zehntausenden Beschäftigten soll eine Staatsbürgschaft bekommen - obwohl Prüfer davor warnen.


Berlin - SPD-Chef Franz Müntefering hat sich für staatliche Hilfen bei der Rettung des Kaufhauskonzerns Arcandor ausgesprochen. "Wir müssen da helfen. Die Bürgschaft, um die es da geht, scheint mir notwendig und zukunftsträchtig zu sein", sagte er der "Bild"-Zeitung.

SPD-Chef Müntefering: "Die Mitarbeiter können nichts dafür"
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SPD-Chef Müntefering: "Die Mitarbeiter können nichts dafür"

Es gehe bei Arcandor um viele tausend Arbeitsplätze, vor allem von Frauen. Im Management des Unternehmens seien zwar große Fehler gemacht worden, doch das dürfe kein Argument für eine Ablehnung von Bürgschaften sein, sagte Müntefering: "Sollen dafür jetzt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestraft werden? Die können nichts dafür."

Deshalb sage er jedem, der Karstadt und andere "einfach pleitegehen" lassen wolle: "Geht ins Kaufhaus und sagt es der Kassiererin ins Gesicht - und denkt an die Verantwortung, die die Politik gerade in diesen Zeiten der Krise hat."

"Wenn wir die Bürgschaft nicht erhalten, stünde Arcandor vor der Insolvenz", hatte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick schon vor Wochen zugegeben. Bis zum 12. Juni muss das Unternehmen Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro bei seinen drei großen Gläubigerbanken BayernLB, Dresdner Bank und der Royal Bank of Scotland refinanzieren - das scheint ohne staatliche Hilfen derzeit unmöglich.

Erst am Freitag war ein Papier bekanntgeworden, das die dramatische Lage des Konzerns deutlich macht. Nach Informationen von manager-magazin.de warnen Gutachter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), eine Bürgschaft wäre mit erheblichen Risiken verbunden: Arcandor verfüge mittlerweile praktisch über keine freie Substanz mehr, künftige Beteiligungsverkäufe könnten zu erheblichen Verlusten führen.

Zudem widersprachen die PwC-Prüfer demnach der Behauptung, Arcandor sei erst durch die Wirtschaftskrise ins Taumeln geraten - was als Voraussetzung für staatlichen Hilfen gilt. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums ist PwC eine der Gesellschaften, die für die Bundesregierung prüfen soll, ob Unternehmen den Kriterien für staatliche Hilfen überhaupt genügen.

Der Konzern teilte dazu offiziell mit, die zitierten Aussagen würden "nicht die Diskussionsgrundlage im Bürgschaftsausschuss" widerspiegeln, wie sie am Donnerstag erkennbar waren; Aussagen würden "aus dem Zusammenhang gerissen". Die Sanierungsfähigkeit von Arcandor sei durch ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vom 20. Mai gerade erst festgestellt worden.

Im Falle einer Insolvenz sollen nach Angaben von Arcandor bis zu 50.000 Stellen in Deutschland bedroht sein. Außer der Bitte um Staatshilfen hat der Konzern daher ein Darlehen in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro bei der staatseigenen Förderbank KfW beantragt - auch dieser Kredit sei für das Unternehmen lebensnotwendig, heißt es bei Arcandor.

hut/AP



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