Warnstreik Ver.di legt Nahverkehr in Hessen lahm

Frankfurt, Kassel, Marburg, Wiesbaden: Fast überall in Hessen stehen Busse und Bahnen still. Mit einem Warnstreik macht die Gewerkschaft Ver.di Druck auf die kommunalen Arbeitgeber - sie sollen eine bereits ausgehandelte Tariferhöhung endlich auszahlen.


Frankfurt am Main - "Der Nahverkehr ist völlig zum Erliegen gekommen", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Ver.di in Hessen. Grund ist ein großangelegter Warnstreik: Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen sind am Mittwoch in den größeren hessischen Städten ausgefallen.

Die Gewerkschaft hatte etwa 3000 Beschäftigte im öffentlichen und rund 1000 im privaten Nahverkehr zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Der Streikaufruf sei ausnahmslos befolgt worden, erklärte der Sprecher.

Betroffen sind Frankfurt, Kassel, Marburg, Gießen, Wiesbaden, Offenbach, Hanau und Darmstadt. Der Warnstreik soll den ganzen Tag bis 24 Uhr dauern.

Keine Arbeitsniederlegungen gab es hingegen bei den von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahnen und Regionalzügen. In Frankfurt konnten die meisten Pendler ihre Arbeitsplätze deshalb problemlos erreichen. Viele Schulbusse fuhren allerdings nicht.

Umstritten ist der Zeitpunkt einer Gehaltsauszahlung

Grund für den Warnstreik sind die unterbrochenen Verhandlungen über einen hessischen Nahverkehrstarifvertrag. Der kommunale Arbeitgeberverband weigere sich, eine bereits im März 2008 ausgehandelte Tariferhöhung auszuzahlen, kritisierte Ver.di.

Die Polizei meldete am Vormittag trotz des Warnstreiks keine größeren Probleme. Es gebe nur noch wenige Staus. Offenbar hätten sich die Menschen auf den ganztägigen Ausstand vorbereitet. Der Warnstreik hatte pünktlich zu Beginn der Frühschicht in den acht größten hessischen Städten begonnen.

Laut Ver.di gab es kaum Reaktionen von Kunden. "Natürlich haben wir Verständnis, wenn sich jemand ärgert", sagte ein Gewerkschaftsvertreter. "Aber wir dürfen uns die Haltung der Arbeitgeber nicht bieten lassen."

Konkret geht es in dem Konflikt um einen neuen Manteltarifvertrag für Nahverkehrsbetriebe, der statt des Gesamttarifvertrags des Öffentlichen Dienstes gelten soll. Umstritten ist dabei allerdings nur die Umsetzung: Die Arbeitgeber wollen eine vereinbarte Tariferhöhung von 2,8 Prozent erst überweisen, wenn Ver.di den Vertrag unterzeichnet. Die Gewerkschaft wiederum besteht auf Auszahlung und will erst dann den Vertrag bestätigen.

"Schwerer Kopf und dann auch noch Streik"

Arbeitgeber bestätigten Probleme durch den Ausstand. "Kein Bus, keine Tram - es steht alles", hieß es bei den Kasseler Verkehrsbetrieben. Derzeit gebe es nur einen Notdienst. "Aber das sind 33 von 760 Leuten, und die sind nur für unaufschiebbare Wartung oder Koordinierung des Verkehrsflusses zuständig." Den ganzen Mittwoch über werde es keinen Nahverkehr geben.

Die Polizei sprach dennoch von einer "fast normalen Situation". Von einem Verkehrschaos könne keine Rede sein. "Es haben sich viele Leute darauf eingestellt, haben Fahrgemeinschaften gebildet oder einen Tag freigenommen", hieß es aus Frankfurt. In Gießen wurden weder zusätzliche Staus noch mehr Unfälle gemeldet: "Alles ruhig, zumindest relativ. Wir sind selbst überrascht", erklärte die Polizei.

Auch in Darmstadt habe es keine Probleme gegeben, sagte ein Polizist: "Vielleicht rettet uns der Aschermittwoch. Kann sein, dass sich einige gesagt haben: Schwerer Kopf und dann noch Streik - da bleibe ich lieber ganz zu Hause."

wal/AP/dpa



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