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28. April 2007, 12:44 Uhr

Warnung der Bundesbank

Banken im Visier der Heuschrecken

Die Übernahmeschlacht um ABN Amro war nur der Anfang: Die Deutsche Bundesbank hält es für möglich, dass Hedgefonds schon bald ganze Kreditinstitute übernehmen. Der Initiative der Bundesregierung, mit der die sogenannten Heuschrecken besser kontrolliert werden sollen, droht unterdessen das Aus.

Hamburg - "Wir müssen uns darauf vorbereiten", sagt das für Bankaufsicht zuständige Vorstandsmitglied Edgar Meister laut dem SPIEGEL in Anbetracht der Übernahmeschlacht um die niederländische Großbank ABN Amro , die vom Hedgefonds TCI losgetreten wurde. "Solche Übernahmen können zu erheblichen Risiken im Finanzsystem führen", warnt Meister vor Reputationsrisiken für die betroffenen Banken und fordert deshalb ein internationales Regelwerk.

Warnung von der Deutschen Bundesbank: "Hedgefonds führen zu erheblichen Risiken im Finanzsystem"
DPA

Warnung von der Deutschen Bundesbank: "Hedgefonds führen zu erheblichen Risiken im Finanzsystem"

Bei ABN Amro waren neben TCI noch zahlreiche andere Hedgefonds wie Och-Ziff, Citadel, Noonday, MHD und Paulson eingestiegen und hatten die Zerschlagung der Bank gefordert. Nun gibt es einen Bieterwettbewerb zwischen zwei internationalen Bankkonsortien. Die Hedgefonds hätten jeweils mehr als 200 Millionen Dollar bei ABN Amro eingesetzt, meint ein mit der Situation vertrauter Investmentbanker. Zusammen mit einem knappen Dutzend anderen Hedgefonds hätten sie den Aktienhandel in den vergangenen Wochen dominiert. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass 68 Prozent der Aktionäre von ABN Amro auf der Hauptversammlung am vergangenen Donnerstag für einen Verkauf der Bank plädierten.

Unterdessen steht die Initiative der Bundesregierung zur Zähmung von Hedgefonds nach Informationen des SPIEGEL kurz vor dem Scheitern. Fachleute des Bundesfinanzministeriums rechnen nach jüngsten Verhandlungen mit den Partnerländern nicht mehr damit, dass auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm auch nur Minimalziele erreicht werden können. So werde es immer unwahrscheinlicher, dass Kanzlerin Angela Merkel und die übrigen Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G 8) schon bei ihrem Treffen Anfang Juni die umstrittene Hedgefonds-Branche auffordern werden, sich freiwillig einem Verhaltenskodex zu unterwerfen, um Risiken für die Weltwirtschaft einzudämmen. Dieser Zeitplan sei zu ambitioniert, heißt es.

Steinbrücks Fehlen ärgert Japaner

Die Gespräche müssten auch nach dem Gipfeltreffen in Heiligendamm bis zum Ende des deutschen Vorsitzes weitergehen. Erfahrungsgemäß passiert in der zweiten Hälfte einer G-8-Präsidentschaft aber nicht mehr viel. Die Deutschen hoffen nun, dass die Japaner das Thema während ihrer Präsidentschaft im nächsten Jahr weiterführen.

Die Chancen dafür hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück durch sein Fehlen beim letzten Finanzministertreffen in Washington gemindert. Besonders der japanische Finanzminister Koji Omi war darüber verärgert, dass Steinbrück lieber Urlaub machte. Einziger Verbündeter Deutschlands in der Hedgefonds-Frage ist Italien. Die USA und Großbritannien verstärken ihren Widerstand. Japan, Frankreich, Kanada und Russland stehen dem Thema weitgehend gleichgültig gegenüber.

sam

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