Warren Buffetts Milliardenspende Der gute Mann aus Omaha

Warren Buffett, der zweitreichste Mann der Welt, verschenkt den Großteil seines Milliardenvermögens an wohltätige Zwecke. Damit katapultiert er sich in den Olymp der legendären Philanthropen und gibt Reichtum wieder einen guten Namen.

Von , New York


New York - Als Warren Buffett 1952 heiratete, warnte der damals 22-Jährige seine Frau Suzie gleich vorab: "Ich werde einmal reich werden." Suzie ließ das freilich kalt: "Entweder sie interessierte das nicht, oder sie glaubte mir nicht", erinnert sich Buffett. Für den Fall, dass es aber wirklich so weit kommen sollte, seien sich beide immer schon einig gewesen, was sie letztlich mit dem Vermögen anfangen wollten: "Es wieder an die Gesellschaft zurückgeben."

Warren Buffett: "Ich fühle mich phantastisch"
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Warren Buffett: "Ich fühle mich phantastisch"

Zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau setzt Buffett, inzwischen 75, den gemeinsamen Wunsch nun in die Tat um. Gestern gab der zweitreichste Mann der Welt bekannt, sagenhafte 85 Prozent seines Milliardenvermögens an wohltätige Zwecke zu verschenken, den Großteil davon an die Stiftung seines guten Freundes, Microsoft-Chef Bill Gates - seinerseits der reichste Mann der Welt - und dessen Ehefrau Melinda.

Buffets sensationell-historische Schenkung - 37,4 Milliarden Dollar in Aktien seiner Holdingfirma Berkshire Hathaway, über mehrere Jahre gestaffelt - katapultierte den Investor aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska über Nacht in den Olymp der legendären Philanthropen Amerikas: John Rockefeller, Andrew Carnegie, Henry Ford, Paul Getty - und nicht zuletzt Bill Gates.

Erster Aktienhandel mit elf Jahren

Es ist die atemberaubende, wenngleich nicht unbedingt überraschende Krönung einer langen Karriere, mit der sich Buffett immer schon als Unikum in seinen Kreisen profiliert hat: ein liebenswerter, respektierter, ja fast schon angebeteter Multimilliardär in einer Zeit, in der übermäßiger Reichtum eher als verdächtig gilt und in der ein Konzernchef nach dem anderen unrühmlich vom Sockel gestürzt wird, von Staatsanwälten, Reportern, aufmüpfigen Shareholdern. Nicht so Buffett: Zehtausende Aktionäre pilgern jedes Jahr zum Bilanztreffen nach Omaha, das "Woodstock des Kapitalismus", um nicht nur Buffetts volkstümlichen, mit Zitaten gespickten Weisheiten zu lauschen, sondern auch mit ihm Karten zu spielen. Die Mega-Spende dürfte diesen Kultstatus nur noch weiter zementieren.

Begonnen hatte das "Orakel von Omaha" seine legendäre Investorenlaufbahn bereits im Alter von elf Jahren. Da tätigte der Sohn eines Brokers seinen allerersten Handel: Er kaufte Aktien der Energiegesellschaft Cities Services für 38 Dollar - und verkaufte sie schnell wieder, als sie auf 40 Dollar stiegen. So lernte er seine erste Lektion als Anleger: Langfristig investieren ist besser. Denn wenige Jahre später hatte der Aktienkurs 200 Dollar erreicht.

Doch das Börsenfieber packte Buffett erst richtig, als er an der Business School der Columbia University unter dem weltberühmten Wirtschaftswissenschaftler Benjamin Graham studierte, dem "Vater des Value Investings". Buffett schloss Grahams Klasse mit der einzigen Bestnote A+ ab, die dieser je vergab.

Büro ohne Computer

Zurück in Omaha, gründete Buffett mit eigenem Geld und Darlehen von Freunden eine Anlagefirma - in seinem Schlafzimmer. Von Anfang an erwies er sich als Genie: Zwischen 1956 und 1969 verbuchten seine Investitionen durchschnittlich 30 Prozent Jahresgewinn, fast dreimal so viel wie der sonstige Markt - eine Rate, die er bis heute meist beibehält. 1962 stieg er in Berkshire Hathaway ein, damals noch ein marodes Textilunternehmen.

Über die Jahre baute Buffett Berkshire zu einem enormen Industrie-Konglomerat aus, das heute unter anderem Anteile an Coca Cola, Wells Fargo und American Express hält sowie 42 Tochterfirmen hat, die alles mögliche anbieten: Teppiche, Möbel, Speiseeis, Ziegelsteine, Software, Isolierungsstoffe, Schmuck, Unterwäsche, Finanzdienste, Bilderrahmen, Küchengeräte, Milchprodukte. Trotz seiner Größe hat Berkshire Hathaway keine Presseabteilung, keine Personalabteilung und keine Investoren-Abteilung, und die Zentrale in Omaha hat nur 17 Angestellte.

Buffett selbst verbringt die meisten Tage alleine in seinem Büro. Er vermeidet Gerede und Konferenzen und lässt den Chefs seiner Unternehmen freie Hand. "Wir delegieren bis hin zur Abdankung", schreibt er in seinem berühmten "Owner's Manual", dem Kodex seines Konzerns.

Die Kinder kurz gehalten

Persönlich neigt Buffett zu schnellen Entschlüssen. Etwa vergangenes Jahr, als sich ihm der Wohnwagenhersteller Forest River zum Kauf anbot: Buffett besiegelte das Deal in einem Treffen, das gerade mal 20 Minuten dauerte. "Es war einfacher, mein Geschäft zu verkaufen als meinen Führerschein zu kriegen", staunte Firmengründer Peter Liegl, den Buffett als CEO beibehielt, anschließend.

Auch wenn die eine oder andere Investition auch mal daneben ging: Buffetts Nase erwies sich meist als exzellent: Wer vor 40 Jahren 1000 Dollar in Berkshire Hathaway investiert hat, besitzt heute 5,5 Millionen Dollar.

Bei all dem Erfolg bewahrte er sich selbst eine Bescheidenheit, die ihn wohltuend von anderen Protz-Krösussen wie Donald Trump absetzt. Er wohnt heute noch im selben Stuckhaus in Omaha, das er 1958 für 31.500 Dollar gekauft hat. Sein Gehalt bei Berkshire beträgt 100.000 Dollar. Er setzt sich - anders als viele andere Reiche in den USA - gegen die Abschaffung der Erbschaftssteuer ein, weil er glaubt, dass Wohlstand auf Verdienst und nicht auf Erbfolge beruhen soll. Aus dem gleichen Grund hält er auch seine drei Kinder kurz, denen er nur die Ausbildung finanzierte.

"Ich fühle mich fantastisch"

Erben werden die nun auch nichts. "Unsere Kinder sind toll", sagte Buffett jetzt in einem Interview mit dem Magazine "Fortune", in dem er seine Milliardenspende verkündete. Aber es sei "weder richtig noch rational", jemanden "mit Geld zu überfluten", der "sowieso alle Vorteile hat". Stattdessen sei es sein Ziel, mit dem Verschenken seines Vermögens die "wahrhaft enormen Probleme" der Welt anzugehen, "die keine finanzielle Basis haben".

Der Reporterin, die ihn interviewte, klang das allzu sehr nach dem Testament eines Sterbenden: "Um zur offensichtlichen Frage zu kommen - sind Sie krank?" Darüber konnte Buffett nur schmunzeln. "Nein, absolut nicht", antwortete er. "Ich fühle mich phantastisch."



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Haustroll, 26.06.2006
1. Natürlich
Natürlich ist die Einflußnahme zu groß.Gar keine Frage!Die Frage ist eher ob Sie schlechter ist als der derzeitige Zustand.. Ich freu mich darüber.Wenn es sich dursetzen würde,daß schwerreiche Menschen vor ihrem Tod ihr Vermögen verschenken,kann man ja in Hundert Jahren mal darüber nachdenken ob es Sinn macht,daß Sie zu Lebzeiten so viel verdienen konnten...Aber alles mal step by step.. Haustroll
harpokrates, 26.06.2006
2.
Es ist wünschenswert, dass Reiche, Teile ihres Vermögens der Allgemeinheit zukommen lassen. Vor allem würde das ein großer Imagegewinn für sie sein. Da ihnen von der breiten Bevölkerung ja nicht gerade ein Gutmenschentum unterstellt wird -in Bezug auf ihre Methoden der "Reichwerdung". Ausserdem sind sich Investment-Millionäre oder -Milliardäre oft nicht bewusst darüber, dass der Gewinn den sie erzielt haben, nicht durch eigene Leistung, sondern vielmehr durch Glück erzielt wurde. Das Problem der pers. Einflussnahme sehe ich nicht als ein solches an, da man nicht damit rechnen sollte/kann dass einer dieser Wohlhabenden ein Söldnerheer, eine fanatische Sekte oder Ähnliches finanzieren wird. Wenn doch wird das Volksintelligenz schon dafür sorgen dass dies nicht geschieht. Cheers
DJ Doena 26.06.2006
3.
Das Problem in Dtl ist, dass "Reiche" von den meisten Menschen als Feind betrachtet werden. "Der is doch nur reich, weil er bestimmt irgendwelchen Dreck am Stecken hat". Reiche Menschen können doch in der Vorstellung vieler Menschen gar nicht ehrlich reich geworden sind. Und wenn ich reich wäre und mich ständig diesen Verdacht ausgesetzt sähe, warum sollte ich mich dann mit Menschen - die in mir einen Feind sehen - solidarisieren?
La Bomba 26.06.2006
4.
Bert Brecht hat diese Frage schon vor langer Zeit akzentuiert: Der gute Mensch von Szezuan. Wenn mans nicht ganz so pessimistisch sehen will: Auch Geld hat man irgendwann genug, so daß es nicht mehr wichtig ist. Was ist dann besser, als es für gute Zwecke einzusetzen? Und, nicht zu vergessen: Jeder Euro, der nicht in die Hände von Politikern fällt, kann direkt gutes wirken!
tech, 26.06.2006
5.
Wenn die Gutmenschen das mal nachmachen würden, anstatt immer nur zu labern, wie toll und moralisch sie doch sind. Ich bin mir sicher, daß die Politiker der Grünen und der PDS weit weniger Prozente ihres Vermögens spenden. An den Taten sollt ihr sie messen. Und da ist so mancher "Kapitalist" weit sozialer eingestellt als die linken Labertaschen.
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