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Warsteiner: Mit Marschmusik nach Afrika

Der Biermarkt in Deutschland ist weitgehend gesättigt. Der Sauerländer Bierbrauer Warsteiner hat trotzdem keine Probleme, seinen Umsatz zu steigern: In Afrika tut sich gerade ein riesiger neuer Markt auf.

Douala - Der Verkehr auf den Straßen Doualas ist hektisch und laut. Zerbeulte Autos, überalterte Kleinbusse und Motorräder bahnen sich den Weg durch die überfüllten Schlaglochpisten der größten Stadt Kameruns. Der gelbe Pick-Up fällt zunächst kaum auf - bis die Musik vernehmbar wird, die blechern aus den Lautsprechern tönt: deutsche Marschmusik aus der Zeit des wilhelminischen Kaiserreichs oder Heinos "Schwarzbraun ist die Haselnuss". Der Pick-Up macht Werbung für das Bier einer deutschen Privatbrauerei.

Werbeplakat in Douala: Noch heute genutzte Brücke
DDP

Werbeplakat in Douala: Noch heute genutzte Brücke

Auf die Bewohner der 1,5-Millionen-Metropole wirkt die Musik erstaunlich wenig befremdlich. Im Gegenteil: Während in Deutschland die Kolonialzeit zu den unrühmlicheren Episoden der eigenen Geschichte zählt, wird die Zeit von 1884 bis 1916, als Kamerun so genanntes deutsches Schutzgebiet war, in dem 16-Millionen-Einwohner-Land zuweilen noch heute glorifiziert. Schließlich hätten die Deutschen Bahnschienen und Flussbrücken gebaut, die noch heute dem Verkehr standhalten, heißt es. Die Deutschen galten als hart, gerecht und diszipliniert. Unterdrückung und Gewaltherrschaft scheinen vergessen. Missstände werden hingegen den Franzosen angelastet, die nach dem Ersten Weltkrieg die Herrschaft im größten Teil des Landes übernahmen.

"Vertrauen in die Deutschen"

"Wir bedienen diese Klischees hemmungslos", gibt Ronald Baummeyer zu, der seit 2003 eine Brauerei der sauerländischen Warsteiner-Gruppe in Kamerun leitet. Auf Plakaten wird auf die Epoche vor rund 100 Jahren Bezug genommen. Eine Reklametafeln an den Straßen Doualas neben dem Gerstensaft auch eine von Deutschen errichtete Brücke, die noch heute dem Verkehr dient. "Ernsthaft, dauerhaft, zuverlässig......Vertrauen in die Deutschen", heißt es in der französischen Überschrift.

Noch fristet die Marke "Isenbeck", die Warsteiner seit 1999 in Douala braut, in Kamerun ein Schattendasein, zumindest gemessen am Marktanteil. Französische Marken, wie "Castel" und "33" dominieren mit rund 80 Prozent Marktanteil, während "Isenbeck" lediglich auf etwa fünf Prozent kommt. Doch das soll sich natürlich ändern.

Was das künftige Wachstum betrifft, verlässt sich Baummeyer auf seinen Kameruner Braumeister. "Das Bier, das wir brauen, ist weniger bitter als in Deutschland", erläutert Ibrahim Abdoullaye. Nach dem Genuss von französischem Bier rieche man zudem komisch, beklagten sich seine Landsleute oft. Das sei bei seinem Bier aber nicht der Fall. Etliche Kameruner unterstellen dem deutschen Bier sogar eine heilende Wirkung gegen die bedrohliche Malaria.

Wachstum programmiert

Nach Ansicht von Warsteiner wird der afrikanische Biermarkt in den kommenden Jahren "gewaltig wachsen". Kamerun ist dabei nach Südafrika und Nigeria der drittgrößte Biermarkt Afrikas. Zwar liegen die Einwohner mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von durchschnittlich 28 Litern pro Jahr weit unter dem deutschen Mittel von 115 Litern. Allerdings trinke der Afrikaner durchschnittlich lediglich 7 Liter Gerstensaft.

Doch schon jetzt hat sein Statthalter in Douala Lieferprobleme: "Die Nachfrage ist deutlich höher, als die Menge, die wir zurzeit brauen können", erläutert Baummeyer. Doch der Engpass könnte bald beendet sein. In den kommenden vier Jahren soll die Jahreskapazität der Brauerei in Douala, die mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigt, von derzeit 200.000 auf 800.000 Hektoliter vervierfacht werden.

Das Geschäft rangiert auch in Deutschland keineswegs unter "ferner liefen". Allein in diesem Jahr setzen die Sauerländer in Kamerun 15 Millionen Euro um und machen damit rund drei Prozent ihres Jahresumsatzes. Über den Gewinn schweigt sich Baummeyer aus. Doch dass es sich rechnet, daran lässt er keinen Zweifel: "Es ist gar nicht so schwer für uns, hier ein Geschäft zu machen", sagt er.

Von Ralf Beunink, ddp

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