Spekulationen über Griechenlands Euro-Aus Spiel mit dem Feuer

Philipp Rösler spekuliert über einen Euro-Austritt Griechenlands, andere Politiker sekundieren: Über die Zukunft der Währungsunion wird mittlerweile diskutiert, als ginge es um den Ausbau einer Kreisstraße. Diese neue Wurstigkeit ist brandgefährlich - denn für Deutschland hängt fast alles am Euro.

Wirtschaftsminister Rösler, Ministerpräsident Seehofer: Zunehmende Laisser-faire-Haltung
dapd

Wirtschaftsminister Rösler, Ministerpräsident Seehofer: Zunehmende Laisser-faire-Haltung

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Von wegen, alles wird immer komplizierter! Nicht für deutsche Politiker. Und schon gar nicht in der Euro-Krise.

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Heft 31/2012
SPIEGEL-Report über den kriminellen Handel mit menschlichen Organen

Seit FDP-Chef Philipp Rösler vor einer Woche gesagt hat, ein Euro-Austritt Griechenlands habe für ihn seinen Schrecken verloren, meldet sich ein Unerschrockener nach dem nächsten. "Ich gebe dem Philipp Rösler uneingeschränkt Recht", sagt der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Und sein Finanzminister Markus Söder hält ein Ausscheiden der Griechen aus der Währungsunion sogar für unvermeidbar. Auch ab Reihe drei abwärts der Politikergarde sind ähnliche Töne immer öfter zu vernehmen.

Man kann unterschiedlicher Meinung sein, ob Griechenland die Euro-Zone verlassen sollte oder nicht. Es gibt Argumente für einen Austritt - vor allem die Möglichkeit für das Land, seine Wettbewerbsfähigkeit durch eine massive Abwertung der eigenen Währung zu steigern. Und es gibt Gründe dagegen. Kaum jemand kann erklären, was mit der Währungsunion passiert, wenn das Euro-Aus in Athen zu einem Sturm auf die Banken in Madrid und Rom führt und die Anleihenzinsen dieser Staaten weiter nach oben treibt.

Gerade weil die Lage ziemlich vertrackt und die gesamte Euro-Krise schrecklich kompliziert ist, sollte man die zentralen Entscheidungen nicht auf einem argumentativen Niveau diskutieren, als ginge es um den Ausbau der Kreisstraße K12n oder die Qualität des Essens in der Bundestagskantine.

Die Krise wird uns noch lange beschäftigen

Politiker wie Kanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble, die beide im ursprünglichen Sinne des Wortes Verantwortung tragen, wissen das. Sie hoffen, dass sie von Fall zu Fall die richtige Entscheidung treffen. Wirklich befriedigend ist diese Durchwurstel-Doktrin nicht. Aber überzeugende Alternativen scheint es nicht zu geben. Die Hoffnung auf den einen, großen Befreiungsschlag ist unrealistisch. Die Krise wird uns noch lange beschäftigen, sehr lange sogar.

Das Problem ist, dass sich bei immer mehr Volksvertretern eine allgemeine Euro-Müdigkeit breitmacht - und in der Bevölkerung auch. Die Erschöpfung führt zunehmend zu einer Laisser-faire-Haltung, weit über die Frage nach der Zukunft Griechenlands hinaus. Hinter vorgehaltener Hand ist in Berlin immer öfter zu hören, am Ende könnten die ganzen Rettungsmaßnahmen ja doch vergeblich sein. Es wird von Tag zu Tag schwieriger, Politiker zu finden, die den Bestand der Euro-Zone langfristig garantieren wollen.

Diese Stimmung ist äußerst gefährlich. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Für Deutschland steht sehr viel auf dem Spiel. Wenn die Währungsunion zerbricht, hat das unabsehbare Folgen.

Der Großteil der Rettungsgelder wäre verloren, Banken und Versicherungen müssten Hunderte Milliarden Euro abschreiben, die Regierung müsste schon wieder die Finanzindustrie vor dem Kollaps retten.

Weil die neue Mark massiv aufwerten würde, wären viele deutsche Produkte für das Ausland unerschwinglich. Die Konjunktur bräche ein, Konzerne gingen pleite oder verlagerten Jobs, die Arbeitslosigkeit würde massiv ansteigen. Und so weiter.

Die gruseligen Aussichten bedeuten nicht, dass die Bundesrepublik allen Forderungen der Krisenländer nachgeben sollte. Dringender denn je müssen wir über die Zukunft der Währungsunion diskutieren. Aber wir sollten das ernsthaft tun, und nicht auf niedrigem Niveau.

Und niemand sollte glauben, dass die Politvereinfacher vom Typ "Seerösler" wirklich die Probleme lösen, nur weil sie populäre Forderungen erheben. Echte Staatsmänner und -frauen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie auch mal Risiken eingehen - und im Zweifel sogar ihr eigenes Amt aufs Spiel setzen.

Gerhard Schröder hat das nach langem Zögern mit der Agenda 2010 gemacht. Und es sieht so aus, als würde Angela Merkel seinem Beispiel mit ihrer Euro-Agenda folgen. Das muss nicht das schlechteste Zeichen sein.

insgesamt 129 Beiträge
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Seite 1
Mustermann 30.07.2012
1. Populisten
Zitat von sysopdapdPhilipp Rösler spekuliert über einen Euro-Austritt Griechenlands, andere Politiker sekundieren: Über die Zukunft der Währungsunion wird mittlerweile diskutiert, als ginge es um den Ausbau einer Kreisstraße. Diese neue Wurstigkeit ist brandgefährlich - denn für Deutschland hängt fast alles am Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,847196,00.html
Solche Leute wie Seehofer, Dobrint und Rössler interessiert nur die eigene Agenda und das ist die nächste Wahl.
snafu-d 30.07.2012
2. optional
Mit Verlaub: dummes Zeug, immer dieselben abgelutschten Argumente wie schröcklich das alles würde, wenn.... Ad 1 wird das vile schllimmer, wenn die Griechen im EURO bleiben. Zum anderen iist es einfach nicht akzeptabel, diese jämmerlichen Betrüger weiter zu belohnen.
skruffi 30.07.2012
3. Laissez-faire-Haltung
Zitat von sysopdapdPhilipp Rösler spekuliert über einen Euro-Austritt Griechenlands, andere Politiker sekundieren: Über die Zukunft der Währungsunion wird mittlerweile diskutiert, als ginge es um den Ausbau einer Kreisstraße. Diese neue Wurstigkeit ist brandgefährlich - denn für Deutschland hängt fast alles am Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,847196,00.html
Es kann auch nicht im Sinne von uns Deutschen liegen, dass die EURO-Zone, die fast dem Untergang geweiht ist, auf "Teufel komm raus" gehalten wird, zu Lasten einer vollkommenen Überschuldung und zu Lasten unserer Altersversorgung und unserer Kinder. Wir sind mittlerweile mit diesem Euro so weit gekommen, dass die Staaten, die sich ohne Ende bemühen (und dass zu Lasten ihrer Bürger- Leiharbeit, Rente mit bald 70 etc.- ) das Versagen auf ganzer Linie der Griechen und anderer bezahlen müssen? Wir waren vor der Einführung des EURO Exportweltmeister mit der DM. Schon vergessen? A pro pos Panikmache: Hier eine Einschätzung aus der "Wirtschaftswoche": Fiele die Währungsunion auseinander und kehrte Deutschland zur D-Mark zurück, würde diese wohl kräftig aufwerten. Doch nichts spricht dafür, dass die deutschen Exporte deshalb kollabierten. Empirische Studien zeigen, dass eine reale effektive Aufwertung der Währung um ein Prozent die deutschen Exporte lediglich um 0,5 Prozent verringert. Dank der hohen Produktqualität und Kundenorientierung können deutsche Unternehmen ihre Waren auch mit einer starken Währung losschlagen. Wichtiger als Währungsfragen ist für die Exporteure, ob die Konjunktur im Ausland rund läuft. Kehrte Europa zu nationalen Währungen zurück, würden die Währungen der Krisenländer kräftig abwerten. Das regte ihre Exporte und damit die Konjunktur an. Untersuchungen zeigen, dass die deutschen Exporte um mehr als zwei Prozent zulegen, wenn sich das BIP der Handelspartner um ein Prozent erhöht. Man schaue sich nur einmal die Preisentwicklungen seit der Euro- Einführung an. Preissteigerungen z.T. von weit mehr als 100 %. Einige Beispiele: Kraftstoffe bis zu 90 % Heizöl bis zu 130 % Strom 80 % Mieten 30 % Solche Preissteigerungen waren in der Zeit von 1949 bis 2001 unvorstellbar. Dies und andere sind die Werte, die die Menschen wirklich betreffen. Die Auswertungen der positiven Darstellung des Statistischen Bundesamtes und der Politik betreffen die Menschen nur marginal (Porto 1 C weniger, Servietten 5 C pro Hundert, weniger Telefonge- bühren usw.) Die obigen sind die Werte, die dem Menschen den EURO verleiden. Hinzu kommen natürlich noch die Steigerungen in der Gastronomie, die oft 1:1 umgesetzt wurden. Laßt uns austreten. Ende mit dem EURO-Wahnsinn.
chrimirk 30.07.2012
4. Ausbau einer Kreisstraße?
Zitat von sysopdapdPhilipp Rösler spekuliert über einen Euro-Austritt Griechenlands, andere Politiker sekundieren: Über die Zukunft der Währungsunion wird mittlerweile diskutiert, als ginge es um den Ausbau einer Kreisstraße. Diese neue Wurstigkeit ist brandgefährlich - denn für Deutschland hängt fast alles am Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,847196,00.html
Was aus GR. noch geblieben ist, reicht an das Projekt "Kreisstraße" kaum ran. GR. ist pleite, alle Erzählungen mit gegenteiligem Inhalt sind Geschichten aus 1000 und einer Nacht! Rösler, Seehofer & Co haben Recht. Schluß mit dem Horror! Wenn nichts hilft, dann muss eben D. den Euro-Raum, den Klub MED und ggf. auch die EU veralssen. Die anderen haben dann freie Hand alles wie bisher weiter zu machen. Schöne Zeiten!
WernerT 30.07.2012
5. Hängt für Deutschland alles am Euro?
Zitat von sysopdapdPhilipp Rösler spekuliert über einen Euro-Austritt Griechenlands, andere Politiker sekundieren: Über die Zukunft der Währungsunion wird mittlerweile diskutiert, als ginge es um den Ausbau einer Kreisstraße. Diese neue Wurstigkeit ist brandgefährlich - denn für Deutschland hängt fast alles am Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,847196,00.html
Oder hängt eher für die Journalisten des Spiegels ihre Glaubwürdigkeit und somit ihr Einkommen am Euro. Wenn morgen das erste Land aus dem Euro austritt/rausgeworfen wird, und Europa nicht untergeht, dann sieht jeder, dass die Panikmache der Journalisten falsch war und beschliesst endgültig sich bei alternativen Quellen zu informieren und Spiegel & Co links liegen zu lassen. Immerhin hat Deutschland 50 Jahre OHNE Euro gut existiert und da haben Abwertungen von lokalen Währungen nicht gestört
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