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Washingtons Schulden-Deal: Rating-Agenturen drohen USA mit Herabstufung

Senat und Repräsentantenhaus haben die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet - aber Washingtons Finanzkrise ist noch lange nicht gelöst. Zwei der drei bestimmenden Rating-Agenturen warnten das Land jetzt vor einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit, die Folgen dürften weitreichend sein.

Optionshändler an der Börse in Chicago: Wie lange hält der AAA-Nimbus noch? Zur Großansicht
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Optionshändler an der Börse in Chicago: Wie lange hält der AAA-Nimbus noch?

New York/Washington - Die Bestnote steht: AAA, so lautet weiterhin die Bonitätsbewertung der Rating-Agentur Moody's für die USA - aber das war es dann auch schon an positiven Signalen der Agentur an die Regierung in Washington. Trotz des US-Schulden-Deals bleibt Moody's skeptisch und bewertet den weiteren Ausblick als negativ.

Die Agentur warnte, es bestehe das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin in den USA im kommenden Jahr nachlassen sollte oder falls 2013 keine weiteren Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen würden. Auch eine erhebliche Verschlechterung der konjunkturellen Erwartungen könnte zu einer Herabsetzung der US-Kreditwürdigkeit führen.

Auch Fitch hielt zunächst an der AAA-Einstufung fest, mahnte allerdings auf mittlere Sicht eine stärkere Schuldenreduzierung angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung an. Die Einigung zwischen Demokraten und Republikanern sei ein Schritt in die richtige Richtung. Das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit der USA sei damit "extrem niedrig". Mittelfristig müssten die öffentlichen Schulden jedoch auf ein niedrigeres Niveau gesenkt werden. Denn die Konjunkturperspektiven der USA seien enttäuschend. Nach Einschätzung von Fitch-Experte David Riley wurden die Wachstumszahlen zuletzt überraschend deutlich nach unten korrigiert, was ein Grund zur Sorge sei. Er schloss nicht aus, dass Fitch deswegen eine Herabstufung der USA prüfen wird. "Es könnte einen Rating-Schritt geben, der eine Korrektur des Ausblicks beinhalten könnte", sagte Riley in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Gespannt wird nun auf eine Äußerung von Standard & Poor's gewartet. Viele Finanzmarktteilnehmer hielten eine schlechtere Bewertung durch S&P für eine realistische Möglichkeit, sagte Analyst Gennadiy Goldberg von 4Cast Ltd. Die Agentur hatte Mitte Juli erklärt, die Chancen einer Herabstufung in den kommenden drei Monaten stünden bei 50 zu 50, je nachdem, wie der Schuldenstreit in Washington ausgehe. Das Defizit müsse um vier Billionen Dollar gedrückt werden.

Der am Dienstag nach wochenlangem Ringen erzielte Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern sieht Einsparungen von mehr als zwei Billionen Dollar vor.

An den Finanzmärkten ist die Einigung in Washington auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze sowie auf Ausgabenkürzungen mit Skepsis aufgenommen worden. Unter anderem wird befürchtet, dass der Sparkurs der Regierung die ohnehin schleppende US-Wirtschaft zusätzlich bremsen könnte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) dagegen begrüßte den Kompromiss. Dieser verringere die Unsicherheit an den Märkten und erhöhe die Glaubwürdigkeit der USA, erklärte die neue IWF-Chefin Christine Lagarde. Die geplanten Einsparungen seien wohldosiert und dürften das Wachstum nicht abwürgen. US-Finanzminister Timothy Geithner schrieb in einem Beitrag für die "Washington Post", der Schulden-Deal dürfte dem Kongress genug Spielraum für kurzfristige Maßnahmen zur Stärkung der Konjunktur in diesem Herbst geben, etwa die Finanzierung von Infrastrukturprojekten.

hen/Reuters/dpa

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1. Das will ich erst mal sehen!
Schwede2 03.08.2011
Zitat von sysopSenat und Repräsentantenhaus haben die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet - aber Washingtons Finanzkrise ist damit noch lange nicht gelöst- Mehrere Ratingagenturen warnten das Land jetzt vor einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,778064,00.html
Nicht vergessen! Die 3 großen Rating-Agenturen sind US-Amerikaner. Das erklärt schon mal, warum die tripleA-Bewertung noch immer aufrecht erhalten wird, obwohl das Land nicht besser dasteht, als die Südeuropäer, die allesamt herabgestuft wurden. Wenn Putin heute vom Finanz-Parasitentum der USA spricht, möchte ich nicht gerne widersprechen. Die USA hat dem Rest der Welt nicht zum ersten Mal erhebliche Schulden aufgebürdet, die sie selbst gemacht haben. CDO's waren nichts weiter als trojanische Finanzinstrumente, um die eigenen Schulden durch fremde Stadttore zu tragen, gut getarnt natürlich. Wie lange wird die Welt noch brauchen, um dieses System zu durchschauen? - Nicht mehr sehr lange, würde ich meinen. Das gilt auch, obwohl jeder mit jedem vernetzt ist und massive Abhängigkeiten bestehen. Wenn man den besten Freunden lange genug geschadet hat, werden auch die sich einen anderen Umgang suchen.
2. Taler
shokaku 03.08.2011
Zitat von sysopSenat und Repräsentantenhaus haben die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet - aber Washingtons Finanzkrise ist damit noch lange nicht gelöst- Mehrere Ratingagenturen warnten das Land jetzt vor einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,778064,00.html
They talk that talk, but they don't walk that walk. Ist aber auch nachzuvollziehen. Eine Herabstufung der US of A dürfte das Ende der Welt, so wie wir sie kennen, einläuten.
3. Nun zeigt sich die
slyberlin 03.08.2011
Unglaubbwürdigkeit der Ratingagenturen. Diese sind viel zu sehr in der amerikanischen Wirtschaft verstrickt, als sie zugeben. Die USA müßten sofort herabgestuft werden. Mit jedem anderen Staat würden die Ratingagenturen so verfahren! Nun sind eigentlich die Börsen in Europa gefordert, nicht weiter auf die Meinung der Agenturen einzugehen. (Ihnen zumindest nicht so hohe Beachtung zu schenken.) Manchmal ist die eigene Meinung gefordert.
4. Der amerikanische Traum wurde zum Alptraum
suryasuryata, 03.08.2011
Zitat von sysopSenat und Repräsentantenhaus haben die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet - aber Washingtons Finanzkrise ist damit noch lange nicht gelöst- Mehrere Ratingagenturen warnten das Land jetzt vor einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,778064,00.html
[QUOTE=sysop;8422574]Senat und Repräsentantenhaus haben die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet - aber Washingtons Finanzkrise ist damit noch lange nicht gelöst- Mehrere Ratingagenturen warnten das Land jetzt vor einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Amerika ist bankrott, basta! Nun scheint mir, dass die meisten Menschen auf diesem Planeten einfach nicht im Stande sind das zu akzeptieren und schon gar nicht gelingt es ihnen, die entsprechenden Folgen abzuschaetzen. Das gesamte Thema wird zerreded; verantwortungslose Politiker versuchen nur noch Panik abzuwenden, luegen und betruegen mit Argumenten, die genau so bankrott sind wie das gesamte Fiat-Waehrungssystem, das politische System, die Moral (wenn es so etwas ueberhaupt noch gibt)und die westlichen "Demokratien". Die kuenstlich aufgeblasenen Mentalitaeten werden (noch) kaum erkannt und man nimmt einfach an, irgendwie gehe es schon weiter. In einem anderen Forum wird die TEA-Party vernichtend kritisiert, obwohl jeder erkennen muesste, dass sogar ein grosser Teil der Amerikaner (meistens aeltere Menschen) schlicht und ergreifend genug hat von diesem System. Und so mussten grade diese wieder zuschauen wie unfaehig die Politiker sind indem sie sogar um ihre Rente bangen muessen. Diese sehnen sich allein nach dem sog. "American Dream", der fuer sie zum Alptraum geworden ist. Dass dieser damalige amerik. Traum allerdings bereits mit permanenten Krediterhoehungen finanziert wurde wird auch langsam erkannt; genau so wie die Tatsache, dass das Federal Reserve System der groesste Betrug war an lebenden Menschen. Drei unnoetige und verlorene Kriege, eine vollkommen bescheuerte Praesenz in -zig Laendern mit der widersinnigen Idee Weltpolizei zu spielen....all das geht diesen Menschen auf den Sack. Wenn sie dann den Bogen aus mangelnder politischer Erfahrung (die TEA Party ist erst 18 Monate alt)hin und wieder ueberspannen, ist das allein die radikale Sicht....und weil sie die Nase voll haben von diesen Kliken permanent verladen zu werden. Dass dann aus deutscher Sicht diese TEA Party meist mit Palin identifiziert wird ist eher ungluecklich und populistisch; wahrscheinlich waere man besser beraten, sich einmal Ron Paul anzuhoeren, der immerhin seit Jahrzehnten auf diese Machenschaften hinwies und nun zu fast 100 % Recht behielt. Und sollte dieses Downgrading kommen - was laengst ueberfaellig waere - wird dies wieder ein Schlag in's Gesicht jener sein, die mit alten Lobby Methoden und politischen Irrfahrten versuchen, das Schiff vor dem Sinken zu retten.
5. sind sie krank?
reflexxion 03.08.2011
Zitat von slyberlinUnglaubbwürdigkeit der Ratingagenturen. Diese sind viel zu sehr in der amerikanischen Wirtschaft verstrickt, als sie zugeben. Die USA müßten sofort herabgestuft werden. Mit jedem anderen Staat würden die Ratingagenturen so verfahren! Nun sind eigentlich die Börsen in Europa gefordert, nicht weiter auf die Meinung der Agenturen einzugehen. (Ihnen zumindest nicht so hohe Beachtung zu schenken.) Manchmal ist die eigene Meinung gefordert.
mag sein, nach den Fakten wäre das so, aber das kann sich nun wirklich niemand wünschen. Die Krise von 2008 ist noch lang nicht überwunden, da muss man nicht grundlos eine neue Krise herbeireden.
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Die wichtigsten Eckpunkte zum US-Schuldenkompromiss
Wochenlang haben Demokraten und Republikaner in Amerika um einen Kompromiss für den Staatshaushalt gerungen. Jetzt ist die Einigung da. Die wichtigsten Eckpunkte in der Übersicht.
Wie viele Schulden darf Amerika künftig machen?
Die US-Schuldengrenze wird nach Angaben des Weißen Hauses schrittweise um mindestens 2,1 Billionen Dollar angehoben - zunächst um fast eine Billion Dollar bis Ende dieses Jahres, der Rest folgt dann bis Ende 2012. Sie steigt damit von derzeit 14,3 Billionen auf mindestens 16,4 Billionen Dollar.
Wie viel Geld will Amerika sparen?
Insgesamt rund 2,4 Billionen Dollar will die amerikanische Regierung in den kommenden zehn Jahren sparen. Das Sparprogramm soll in zwei Etappen realisiert werden. Kurzfristig sollen die Ausgaben um 917 Milliarden Dollar gekürzt werden. Bis Ende 2011 sollen zusätzliche Einsparungen von 1,5 Billionen Dollar beschlossen werden.
Was wird in der ersten Etappe eingespart?
Insgesamt geht es um 917 Milliarden Dollar. 350 Milliarden Dollar der rasch fälligen Einsparungen entfallen auf die Militärausgaben. Hinzu kommen Einsparungen im Regierungsapparat. Renten und Sozialbezüge werden fürs Erste nicht gekappt. Steuererhöhungen stehen zunächst ebenfalls nicht zur Debatte.
Wer legt die Einsparungen der ersten Etappe fest?
Den kleineren Teil des Sparprogramms müssen Repräsentantenhaus und Senat bis Dienstag absegnen. Die Abstimmungen dürften knapp ausfallen: Linke Demokraten und rechte Republikaner sind mit vielen Details des Abkommens unglücklich.
Was wird in der zweiten Etappe eingespart?
Hier geht es um 1,5 Billionen Dollar innerhalb der kommenden zehn Jahre. Die Maßnahmen können alles umfassen. Allein im Bereich Militär sind Kürzungen von mindestens 500 Milliarden Dollar geplant. Hinzu kommen Kürzungen bei Renten, Sozialausgaben (wie das Arbeitslosengeld und Lebensmittelmarken) und der Krankenversicherung für Senioren (Medicare) und Arme (Medicaid). Auch Steuererhöhungen dürften diskutiert werden.
Wer legt die Einsparungen der zweiten Etappe fest?
Bis Ende November soll ein sogenannter Super-Kongress alle weiteren Sparmaßnahmen beschließen. Es handelt sich dabei um einen Sonderausschuss aus sechs Demokraten und sechs Republikanern.

Sollte sich der Super-Kongress auf keine konkreten Maßnahmen einigen können oder der Kongress diese nicht bis Weihnachten 2011 absegnen, treten automatische Kürzungen in Kraft. Diese würden auf jeden Fall Kürzungen bei Sozial- und Verteidigungsausgaben umfassen. Renten-und Sozialschecks würden in diesem Fall kategorisch ausgespart.

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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