Web-2.0-Deal CBS kauft Start-up last.fm für 280 Millionen Dollar

Das Internet-Radio last.fm gilt als eines der erfolgreichsten Start-ups im europäischen Web 2.0 - und hat mit seinem rasanten Wachstum das Interesse großer Medienkonzerne geweckt. Der US-Medienkonzern CBS blättert jetzt satte 280 Millionen Dollar in Cash für das Unternehmen hin.


Hamburg - Felix Miller legt wert darauf, dass last.fm nicht aus der puren Finanznot heraus verkauft wird. "CBS hat von Anfang an verstanden, was wir machen wollen", sagt der Chef der Plattform, auf der Musikfans auf ihren Geschmack abgestimmtes Radio hören und sich Konzert- und Albumtipps geben können

Internetseite last.fm: Gründer wollen sich nicht von CBS vereinnahmen lassen

Internetseite last.fm: Gründer wollen sich nicht von CBS vereinnahmen lassen

Das last.fm Team, zu dem auch noch die Gründer Martin Stiksel und Richard Jones sowie der Investor Stefan Glänzer gehören, solle das Internetradio weiterhin vollkommen unabhängig betreiben. "Es wird keinen Managementtransfer geben und keine Einmischung von CBS. Die großen Konzerne haben verstanden, dass sie einem Internetunternehmen erheblich schaden, wenn sie sich nach dem Aufkauf zu sehr einmischen", betont auch Glänzer. Nur unter diesen Bedingungen habe man dem Aufkauf durch den US-Medienkonzern zugestimmt, der 280 Millionen Dollar Cash für die Plattform bar bezahlen und 40 weitere Millionen bei Erreichen bestimmter gemeinsamer Ziele drauflegen will.

Allerdings geben die beiden Unternehmenschefs auch unumwunden zu: Mit dem US-Konzern im Rücken kann man die eigenen Ziele wesentlich schneller und einfacher umsetzen. Denn die Finanzkraft des US-Konzerns kann die Internetseite, die monatlich nach eigenen Angaben mit einem 20-Prozent-Wachstum fertig werden muss, gut gebrauchen.

Neues Angebot mit "bewegten Bildern"

So plant das 50-Mann-Unternehmen - dessen Mitarbeiter zu Gründungszeiten 2002 auf dem Firmendach campten, um die teuren Londoner Mieten zu umgehen - ein Angebot mit "bewegten Bildern", wie Glänzer sagt. Die Domain last.tv ist schon reserviert. "Und CBS verfügt über ein gewaltiges, attraktives Fernseh-Archiv in dem von der Ed Sullivan-Show bis hin zu David Letterman alle möglichen Schätze liegen", sagt Glänzer.

Auf dem heißt umkämpften US-Markt will last.fm mithilfe von CBS außerdem zur "klaren Nummer eins" werden. Nach eigenen Angaben hat die Internetplattform, auf der Musikfans hören und sich Konzert- und Albumtipps geben können, derzeit rund 20 Millionen aktive Nutzer in über 200 Ländern."

Angst, dass last.fm als Teil eines Mediengiganten die oft sehr auf Unabhängigkeit bedachten Fans der Seite vergraulen könnte, haben die Gründer des Unternehmens nicht. Dass Internet-Cracks eine grundsätzliche Abneigung gegen Großunternehmen hegten, sei eine Mär, sagt Glänzer. "95 Prozent der Internetuser gehen inzwischen zu Google, und das ist ein Riesen-Konzern geworden. Und Youtube wurde von Google gekauft, das hat dem Video-Portal auch nicht geschadet."

CBS will seinerseits mit dem Erwerb hipper werden. "Last.fm ist eine der am schnellsten wachsenden Online-Netzwerke, die es derzeit gibt", erklärt CBS-Präsident Leslie Moonves in einer Mitteilung des Unternehmens. Der Deal bringe den Sender seinen Zielen, auch jüngere Kunden anzusprechen und die Onlineaktivitäten auszuweiten, ein großes Stück näher.

ase



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.