Web-Herrschaft Microsoft kapituliert im Kampf um Yahoo

Der Software-Gigant gibt klein bei: Microsoft hat sein Milliardenangebot für die Übernahme des Web-Portals Yahoo überraschend zurückgezogen. Am Ende scheiterte die Fusion am Preis - und weil die Chemie zwischen den beiden Chefs nicht stimmte.


San Francisco - Das Ende der Milliardenschlacht wurde per Brief bekannt gegeben. "Es wird keinen Deal geben", schrieb Microsoft Chart zeigen-Vorstandschef Steve Ballmer am Samstagabend an Yahoo Chart zeigen-Mitbegründer und -Chef Jerry Yang. Beide waren zuvor zu einem letzten persönlichen Gespräch in Seattle zusammengetroffen. Dabei ging es offenbar vor allem um den Preis der geplanten Übernahme.

Yahoo-Logo in Las Vegas: Microsoft spart Milliarden - doch die Vision von der Web-Herrschaft ist gescheitert
AP

Yahoo-Logo in Las Vegas: Microsoft spart Milliarden - doch die Vision von der Web-Herrschaft ist gescheitert

Die Rücknahme des Kaufangebots kommt für Marktbeobachter überraschend. Viele hatten damit gerechnet, dass Microsoft bei einer weiteren Ablehnung des Angebots eine feindliche Übernahme anstrebt - dies bedeutet, dass Microsoft so viele Yahoo-Aktien gekauft hätte, bis es eine Mehrheit erzielt und damit eine Basis erreicht hätte, um die Führungsgremien des Unternehmens auszutauschen. Es ist aber möglich, dass Microsoft sein Angebot erneuert, falls Yahoo sich nicht grundlegend von einer wirtschaftlichen Schwächephase erholt, die vor etwa zwei Jahren begonnen hat.

Microsoft hatte ursprünglich 31 Dollar je Yahoo-Aktie geboten und sein Angebot dann auf 33 Dollar gesteigert. Das entspricht einem Wert von zurzeit 47,5 Milliarden Dollar. Der Verwaltungsrat von Yahoo forderte aber nach Informationen aus Firmenkreisen 37 oder 38 Dollar pro Aktie - das wären mindestens 53 Milliarden Dollar. Eine selbstbewusste Forderung: Bei der Vorlage des ersten Kaufangebots am 1. Februar lag die Yahoo-Aktie bei 19,18 Dollar.

Microsoft wollte Yahoo übernehmen, um seine Position im lukrativen Markt der Internet-Werbung zu verbessern. So wollte der Software-Konzern im Wettbewerb mit Google aufholen. Ballmer sagte, Microsoft werde seine Strategie jetzt mit dem eigenen Team und anderen Partnern vorantreiben. "Yahoo hätte unsere Strategie zwar beschleunigt, aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns unseren Zielen nähern werden."

Wie soll es nun weitergehen für Yahoo? Yahoo-Verwaltungsratschef Roy Bostock fand nur allgemeine Antworten auf diese Frage. "Wir konzentrieren uns weiter auf einen größtmöglichen Shareholder-Value", sagte er. "Wir verfolgen strategische Chancen, die Yahoo auf Erfolgskurs und in eine führende Marktposition bringen."



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