Wechsel in den Bahnvorstand GDL-Haudegen Schell kanzelt Transnet-Chef Hansen ab

Es ist ein abrupter Wechsel: Transnet-Chef Hansen wird nach SPIEGEL ONLINE-Informationen schon Anfang Juni Arbeitsdirektor der Bahn. Manfred Schell, Ex-Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL, sieht seinen Ex-Kollegen jetzt als "verlängerten Arm" des Vorstandschefs.


Hamburg - Ex-GDL-Chef Manfred Schell nimmt kein Blatt vor den Mund: "Dieser Stabswechsel ist schon kurios", höhnt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE über den Jobwechsel seines Transnet-Kollegen Norbert Hansen. Der hängt seinen Job jetzt an den Nagel und will stattdessen Arbeitsdirektor bei der Bahn werden - also quasi als Vorstand auf die Kapitalseite wechseln. "Und das, kurz nachdem der Beschluss zur Teilprivatisierung der Bahn gefallen ist", sagt Schell vieldeutig.

GDL-Chef Schell und Transnet-Chef Hansen: So lustig ging es zwischen den beiden selten zu
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GDL-Chef Schell und Transnet-Chef Hansen: So lustig ging es zwischen den beiden selten zu

Transnet war unter Führung Hansens die einzige Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), die den Privatisierungskurs der Deutschen Bahn unterstützt hat. Später im Gespräch erklärt Schell: Manchmal habe man bei der Bahn schon das Gefühl, dass gewisse Jobs als "Versorgungsposten" vergeben würden.

Schell glaubt nicht, dass ein Ex-Gewerkschafter im Konzernvorstand für die Mitarbeiter auch ein Vorteil sein könnte: "Das wird jetzt nur so verkauft", sagt er. Jeder Arbeitsdirektor sei ein "verlängerter Arm" des Vorstandschefs. Und damit auf der anderen Seite. Deshalb sei es für die Lokführergewerkschaft auch unwichtig, ob nun ein ehemaliges Transnet-Oberhaupt oder irgendein Manager für Personalfragen berufen werde.

Man müsse überhaupt erst einmal abwarten, wann und wo Hansen überhaupt tätig werden solle - ob beim Bahn-Mutterkonzern oder in der neuen Verkehrsgesellschaft für den Personen- und Güterverkehr, die im Rahmen des Teilbörsengangs des Unternehmens gegründet werden soll.

Offiziell hüllen sich alle Beteiligten bezüglich dieser Detailfragen noch in Schweigen, die bei der Bahn-Aufsichtsratsitzung am kommenden Donnerstag endgültig beschlossen werden soll. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll Hansen aber schon am 1. Juni sein Amt antreten - also kurz nach den abschließenden Debatten im Bundestag zum Börsengang am 29. und 30. Mai. Der Transnet-Chef soll als Arbeitsdirektor der Muttergesellschaft tätig werden, heißt es zudem in informierten Kreisen. Ein weiterer Punkt mit Sprengkraft. Denn dann stellt sich die Frage: Was passiert mit der gegenwärtigen Personalchefin Margret Suckale? "Bei der Verkehrsgesellschaft wird es noch einmal einen eigenen Personalvorstand geben", sagt ein Insider. "Es ist die Frage, ob Frau Suckale das mitmacht."

Ist das vielleicht die Strafe für den teuren Tarifabschluss, der nach den harten Auseinandersetzungen mit der GDL in der vergangenen Tarifrunde in den kommenden Jahren nach Konzernangaben Milliarden kosten wird?

Auch für Transnet wird der Wechsel hart. Hansen ist seit 1999 Boss der mit 240.0000 Mitgliedern größten Eisenbahnergewerkschaft Europas. Und er ist für seine guten Beziehungen zu Bahnchef Hartmut Mehdorn bekannt. Die Vorsitzenden der Transnet-Bezirksvorstände und der Geschäftsführende Vorstand sollen am morgigen Freitag zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Derzeit sind beim Gewerkschaftstag im November dieses Jahres Vorstands-Neuwahlen vorgesehen. Die Bezirksvorstände werden aber morgen aller Wahrscheinlichkeit nach eine Empfehlung aussprechen. Dabei wird es wohl auf Alexander Kirchner, Hansens derzeitigen Stellvertreter, hinauslaufen.

In nicht allzu ferner Zukunft könnte dieser sich dann womöglich in einer herben Tarifauseinandersetzung mit seinem ehemaligen Chef Hansen befinden. Der aber sagt: Der Transnet-Vorstand habe seine Entscheidung begrüßt und erklärt, er werde "die Ernennung durch den Aufsichtsrat unterstützen". Das Gremium habe darauf verwiesen, dass dadurch eine weitere Garantie für den integrierten Konzern und für die Sicherung der Beschäftigung abgegeben werde. Die Transnet hat stets zur Bedingung ihrer Zustimmung zur Teilprivatisierung gemacht, dass der konzerninterne Arbeitsmarkt der Bahn erhalten bleiben soll und die Bahn nicht "zerschlagen" werden dürfe.

mit AP



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Nihil, 08.05.2008
1. Diplomatisch ausgedrückt ...
"Manfred Schell, Ex-Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL, sieht seinen Ex-Kollegen jetzt als "verlängerten Arm" des Vorstandschefs." Das ist noch zurückhaltend. Naheliegend wäre die Ansicht, Hansen sei das schon vorher gewesen. Nur in anderer Funktion.
JensSchmidt 08.05.2008
2. recht so
Glueckwunsch an Herrn Hansen! Dass er fuer seine koeterhafte Mehdorn-Hoerigkeit fuerstlich belohnt wird, ist nur recht (billig wird's nicht werden). Lange genug hatte er seine gierige, korrupte Natur durch staendigen Verrat an den Mitgliedern seiner Gewerkschaft (sorry, durch "massvolle" Lohnabschluesse, Unterstuetzung der (Teil-) Privatisierung und nicht zuletzt massiver Hetze gegen eine Gewerkschaft, die sich fuer ihre Mitglieder einsetzt) zur Schau gestellt und seine lieben Schaefchen haben es sich gefallen lassen. Man hofft, dass sie nun auch langsam schnallen, womit sie es zu tun haben, sehr wahrscheinlich ist das aber nicht. Bislang haben sie sich ja auch staendig verarschen lassen. Wenn sie jetzt irgend einen anderen Vertreter ihrer bisherigen exzellenten Gewerkschafts-Fuehrung zum Nachfolger waehlen, haben sie sich ihre Auslagerung in Zeitarbeitsfirmen, Lohnsenkungen, Arbeitszeiterhoehungen (ohne Lohnausgleich) und selbst ihre absehbare Arbeitslosigkeit einfach nur verdient. Auch ihnen Glueckwunsch!
Pablo alto, 08.05.2008
3. Der Schröder-Effekt
Die milden Kritiker der Elche, werden später selber welche.
eknauer 08.05.2008
4. Transnet-Chef Hansen, Wechsel zur Bahn
Herr Schell hat schon recht, die Bahn sei ein Versorgungsladen. Der nächste Aspirant steht auch schon in den Startlöchern. Spätestens nach der nächsten Wahl befindet er sich auch im Club der Treuen.
JensSchmidt 08.05.2008
5. Kritiker der Elche?
Zitat von Pablo altoDie milden Kritiker der Elche, werden später selber welche.
Nun ja. Aber der Vergleich mit Schroeder gefaellt. Auch so ein verkommenes Subjekt. Dann noch die ganzen anderen: Clement, Riester... Keiner macht auch nur den Versuch, seine Bestechlichkeit zu verschleiern. Die Spitze dieser Republik ist mittlerweile mit derartig wiederlichem, offen korrupten Pack durchsetzt, dass die Fuehrung der ehemaligen Ostzone gleichsam als Hort der Ehrlichkeit erscheint. Deshalb ist letztere ja auch mit einem unblutigen Abgang davon gekommen. Ob man das fuer erstere auch hoffen sollte, wird fuer mich immer fraglicher.
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