Welteke-Rücktritt Monaco-Sause gab den Ausschlag

Bis zuletzt hatte Bundesbankchef Welteke auf einen glimpflichen Ausgang seiner Hotel-Affäre spekuliert. Erst auf massiven Druck der Bundesregierung hatte er sein Amt vor zehn Tagen ruhen lassen. Als heute bekannt wurde, dass der Notenbanker eine weitere pikante Einladung angenommen hat, warf Welteke endgültig das Handtuch.

Von Wolfgang Reuter


Ernst Welteke: Der Druck nahm täglich zu
DDP

Ernst Welteke: Der Druck nahm täglich zu

Hamburg - Es war nicht die Rücksicht auf die Institution Bundesbank, die Bundesbank-Präsident Ernst Welteke heute zum Rücktritt bewogen hat, sondern eine weitere Reise-Affäre. Der Chef der Notenbank hatte sich im Frühjahr 2003 zum Formel-1-Rennen nach Monaco einladen lassen - auf Kosten des bayerischen Automobilkonzerns BMW, der im übrigen eine eigene Bank betreibt, die ebenfalls von der Bundesbank beaufsichtigt wird. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe, die am kommenden Montag erscheint.

Der Bundesbank-Chef speiste, zusammen mit Ehefrau Bettina, in der Villa Rothschild, er schlief auf der "Sundream 1", einer Luxusyacht mit Pool, Bars und Suiten. Und das Rennen betrachtete er von einer großflächigen Sonnenterrasse, direkt unter der von Fürst Rainier.

Bereits am Donnerstag hatte BMW die Einladung gegenüber dem SPIEGEL bestätigt. Eine Erstattung der Kosten durch die Bundesbank oder den Bundesbank-Chef Welteke habe es nicht gegeben. Am Freitag morgen konfrontierte das Nachrichtenmagazin die Bundesbank. Deren Sprecher, Wolfgang Mörke, bestätigte den Vorgang ebenfalls.

Verstoß gegen Ehrenkodex

Die Einladung von BMW ist für Welteke wesentlich problematischer als die Sause der Dresdner Bank zum Jahreswechsel 2001/2002, bei der das Institut Welteke und Teilen seiner Familie einen fast 8000 Euro teuren Kurzurlaub finanziert hatte. Der Grund: Die Europäische Zentralbank, deren Rat Welteke in seiner Funktion als Bundesbank-Präsident angehört, hatte ihren strengen Ehrenkodex erst Mitte 2002 verabschiedet. Demzufolge dürfen die Ratsmitglieder keinerlei Geschenke annehmen.

Die Silvester-Party der Dresdner Bank war vor diesem Zeitpunkt, die Einladung von BMW jedoch danach. Bundesbank-Sprecher Mörke informierte deshalb Bundesbank-Vize Jürgen Stark, der sich mit den anderen Vorstandsmitgliedern in Verbindung setzte. Nach mehrstündigen Beratungen, in die auch das Finanzministerium eingeschaltet war, wurde Welteke über den Vorgang informiert - und einmal mehr zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. Bereits kurz nach 15 Uhr verkündete Finanzminister Hans Eichel im kleinen Kreis: "Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit in der nächsten Stunde erledigt ist."

"Angemessener Schritt"

Der Vorstand der Bundesbank hatte das Rücktrittsersuchen Weltekes am Freitag angenommen. "Der Vorstand hält diesen Schritt im Hinblick auf das Ansehen der Institution und die Wahrnehmung ihrer Aufgaben für angemessen", heißt es in der Erklärung der Bundesbank. Welteke habe auch Bundeskanzler Gerhard Schröder telefonisch über sein Rücktrittsersuchen informiert.

Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt hatte nach Bekanntwerden des Adlon-Aufenthalts ein Ermittlungsverfahren gegen Welteke wegen des Verdachts der Vorteilsannahme eingeleitet. Auch gegen Verantwortliche der Dresdner Bank ermittelt die Justiz.

Tacke, Stark und Koch-Weser als Nachfolger im Gespräch

Beobachter rechnen damit, dass der Staatssekretär im Finanzministerium, Caio Koch-Weser, Nachfolger Weltekes werden könnte. Koch-Weser stößt jedoch auf den Widerstand der Union, die ihrerseits den Vizepräsidenten der Bundesbank, Jürgen Stark, als Nachfolger favorisiert. Stark leitet die Behörde derzeit kommissarisch. Sollten sich weder Koch-Weser noch Stark durchsetzen, könnte auch der Staatsekretär im Wirtschaftsministerium, Alfred Tacke, das Rennen machen und Nachfolger von Ernst Welteke werden.

Der 61-jährige Welteke stand seit 1999 an der Spitze der Bundesbank und gehörte auch dem EZB-Rat an. Mit Welteke verliert erstmals in der Geschichte der 1958 gegründeten Bundesbank ein Präsident wegen Kritik an seinem Verhalten sein Amt. Der bisher einzige Rücktritt war der von Karl Otto Pöhl. Er hatte sich 1990 mit Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) überworfen, da er die deutsch-deutsche Währungsunion abgelehnt hatte.



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