Weltweite Finanzkrise EU senkt Wachstumsprognose für Deutschland

Die OECD hat es vorgemacht, jetzt zieht die Europäische Union nach: Wegen der weltweiten Finanzkrise senkt Brüssel die Wachstumsprognose für Deutschland. Die deutschen Exporteure sehen dagegen optimistisch in die Zukunft.


Brüssel/Berlin - Die EU-Kommission hat die Konjunkturprognose für die deutsche Wirtschaft von 2,5 auf 2,4 Prozent gesenkt. Das teilte Währungskommissar Joaquín Almunia heute in Brüssel mit. Für die gesamte EU schwächte Brüssel die Prognose von 2,9 auf 2,8 Prozent ab.

Containerschiff im Hamburger Hafen: Deutschland könnte in diesem Jahr Exportweltmeister bleiben
DPA

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Die Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten die Risiken für die Konjunktur verstärkt, sagte Almunia. Bisher habe die Finanzkrise die deutsche Wirtschaft aber nur leicht beeinflusst. Almunia betonte, dass trotz der Probleme einzelner Institute keine "größere Bankenkrise" in Sicht sei. "Die soliden Grundlagen der europäischen Wirtschaft werden dabei helfen, die Turbulenzen zu überstehen."

In der vergangenen Woche hatte bereits die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Erwartungen für Deutschland und andere europäische Länder nach unten geschraubt. Begründung auch hier: die weltweite Finanzkrise, die durch die Probleme am US-Hypothekenmarkt ausgelöst wurde. Weniger dramatisch sieht die Lage dagegen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Es erklärte kürzlich, die deutsche Konjunktur sei der Krise gewachsen.

Der Zusammenbruch am US-Immobilienkreditmarkt hatte sich in den vergangenen Wochen mit Kurseinbrüchen an den Börsen und milliardenschweren Verlusten bei vielen Banken zu einem weltweiten Problem ausgeweitet. Banken untereinander leihen sich zurzeit aus Misstrauen kaum noch Geld. Die kurzfristigen Kapitalmarktzinsen sind gestiegen.

Darauf reagierte nun die EU-Kommission. Besonders stark korrigierte sie ihre Erwartungen für Frankreich nach unten. Hier geht Brüssel nun nur noch von einem Wachstum von 1,9 Prozent aus, nachdem die Prognose im Frühjahr noch bei 2,4 Prozent gelegen hatte. Für die Euro-Zone dürfte das Wachstum dieses Jahr 2,5 statt 2,6 Prozent betragen.

Für das kommende Jahr veröffentlichte die Behörde keine Zahlen. Allerdings hieß es, dass die Dynamik auch 2008 etwas geringer ausfallen dürfte als bisher angenommen.

Deutlich optimistischer sind dagegen Deutschlands Exporteure. Nach Ansicht des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) bleibt die Bundesrepublik in diesem Jahr Exportweltmeister. Den Titel werde man voraussichtlich gegenüber China verteidigen können, sagte BGA-Präsident Anton Börner in Berlin.

Zuvor hatte der BGA seine Wachstumsprognose für den deutschen Export im laufenden Jahr erhöht: Statt der im März prognostizierten neun Prozent rechnet der Verband nun mit einem Anstieg der Ausfuhren um nominal zehn Prozent auf 985 Milliarden Euro.

Für 2008 erwartet der BGA einen Anstieg um neun Prozent auf 1075 Milliarden Euro. "Damit wird die magische Schwelle von einer Billion Euro voraussichtlich erstmals überschritten", sagte Börner.

wal/AFP/Reuters/ddp



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