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Weltweite Rezession: Tigerstaaten schlittern in die Krise

Von Mark Fehr

Die globale Wirtschaftsflaute trifft Asien hart, selbst einstige Boomstaaten wie Südkorea oder Singapur schwächeln. Erinnerungen an die Asienkrise der neunziger Jahre werden wach. SPIEGEL ONLINE analysiert, welche Länder abstürzen könnten - und welche der Krise trotzen.

Peking - Asien steuert auf den stärksten Wachstumseinbruch seit der Krise von 1997 zu: Bis zu fünf Prozent könnte die Wirtschaft in Südkorea, Taiwan, Thailand, Singapur und Malaysia schrumpfen.

Neues VW-Werk in Indien: Wachstumdelle verzögert Kampf gegen Armut
DPA

Neues VW-Werk in Indien: Wachstumdelle verzögert Kampf gegen Armut

Das prognostiziert die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) in ihrem aktuellen Konjunkturbericht. Immerhin: China und Indien legen laut Prognose in diesem Jahr noch um sieben und fünf Prozent zu - doch auch das ist deutlich weniger als in den vergangenen Boomzeiten.

Wachstumsraten asiatischer Ökonomien
Wirtschaftsraum 2008 2009* 2010*
China 9,0 7,0 8,0
Hongkong 2,5 -2,0 3,0
Taiwan 0,1 -4,0 2,4
Indien 7,1 5,0 6,5
Singapur 1,1 -5,0 3,5
Südkorea 2,5 -3,0 4,0
Thailand 2,6 -2,0 3,0
* Prognose, Quelle: Asiatische Entwicklungsbank (ADB)

Fest steht: Indien und China allein können Asien nicht retten. Die Region wird 2009 nur um 3,4 Prozent wachsen - vor zwei Jahren betrug das Wachstum noch fast zehn Prozent. Traditionelle Industrieländer wie Deutschland könnten sich über einen solchen Anstieg der Wirtschaftsleistung zwar freuen. Doch nicht die Asiaten. Sie brauchen deutlich mehr Wachstum - allein schon deshalb, um das Milliardenheer der Armen mit Jobs zu versorgen.

"Die Rezession in den Industriestaaten schlägt voll auf die Schwellenländer durch", sagt ADB-Chefökonom Jong-Wha Lee. Die Folge: Viele Asiaten bleiben unterprivilegiert. Würde sich die Wirtschaft dagegen mit stabilem Wachstum entwickeln, so rechnet die Organisation vor, dann könnten bis Ende kommenden Jahres etwa 160 Millionen Menschen aus der Armut befreit werden.

Wie es mit der asiatischen Wirtschaft nun weitergeht, hängt von globalen Einflüssen ab: "Es ist noch nicht klar, ob sich die USA, Europa und Japan bis zum nächsten Jahr erholen werden", sagt ADB-Ökonom Lee. Diese internationale Unsicherheit sei auch für Asien bedenklich: Der Bericht warnt, dass weitere globale Einbrüche die Lage in der Region noch verschärfen könnten.

Immerhin: Die ADB hält die asiatischen Länder für besser gerüstet als während der großen Krise in den neunziger Jahren. Üppige Devisenreserven - vor allem in China - und sinkende Inflationsraten würden den Regierungen helfen, ihre Länder durch die schwierigen Zeiten zu führen.

Der ADB-Bericht hebt außerdem positiv hervor, dass viele asiatische Staaten bereits auf den Abschwung reagiert hätten. Die schlimmsten Auswirkungen auf die finanzielle Stabilität seien dadurch verhindert worden.

Klar ist auf jeden Fall eines: Die einzelnen Staaten Asiens entwickeln sich äußerst unterschiedlich. SPIEGEL ONLINE analysiert die Konjunkturaussichten ausgewählter Länder.

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