Weltwirtschaftsforum Das Gespenst Saddam geht um in Davos

Auch auf dem 33. Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos dominiert die Angst vor einem möglichen Irak-Krieg. Die Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft befürchten, dass die Weltwirtschaft ernsthaften Schaden nehmen könnte.


Die Sorge vor einem Irak-Feldzug ist groß: Teilnehmer auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos
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Die Sorge vor einem Irak-Feldzug ist groß: Teilnehmer auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Davos - Gail Fosler, Chefvolkswirtin des amerikanischen Business Council, sagte, am besten sei die wirtschaftliche Ausgangslage in den USA. Doch auf den USA laste eine Reihe von Risiken, die mit einem möglichen Krieg im Irak zu tun hätten.

Wenn ein Krieg vermieden werden könne, könnten die USA in diesem Jahr auf ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent kommen. Das reiche, um auch dem Rest der Welt Impulse für ein Wirtschaftswachstum von etwa zwei Prozent zu verleihen, sagte die Volkswirtin. Falls es einen längeren Krieg gebe, dürften das Verbrauchervertrauen und auch die Investitionslust der Unternehmen jedoch erst einmal einbrechen.

Stephen Roach, Chefvolkswirt der Investmentbank Morgan Stanley, sagte, in einem solchen Fall sei eine zweite Rezession zu erwarten. "Wenn wir mit einem dicken wirtschaftlichen Polster Krieg führen würden, könnten wir es gut überstehen. Wenn wir es bei Nullwachstum machen, werden wir eine Rezession bekommen", sagte er. In einem solchen Fall gehe er davon aus, dass die US-Wirtschaft über mehrere Quartale um ein bis zwei Prozent schrumpfen würde, selbst wenn die Preise für Öl nur für wenige Wochen anstiegen. Robert Hormats, Vice Chairman der Investmentbank Goldman Sachs sagte: "Wir sind militärisch sehr gut vorbereitet, wirtschaftlich aber nicht."

Der mögliche Krieg im Irak dürfte die Teilnehmer an dem Forum mit dem Thema "Vertrauen bilden" im schwer bewachten Davos am meisten beschäftigen. "Wir sind am Vorabend eines möglichen Krieges", sagte WEF-Gründer und Organisator Klaus Schwab in einem Interview. Bescheidenheit sei angesagt. Das gelte auch für Manager, die ihre Entscheidungen wieder mehr auf der Grundlage moralischer und ethischer Grundsätze fällen müssten. Unter anderen sei beim diesjährigen WEF auch die große Feier am Samstag gestrichen worden, sagte Schwab.

Am Samstag planen Globalisierungsgegner und Friedensaktivisten in Davos eine Demonstration, zu der einige tausend Teilnehmer erwartet werden. Zwischen den Veranstaltern und den Behörden liefen noch Verhandlungen über die Kontrollen auf den Zufahrtswegen nach Davos. Die Behörden wollen die Demonstranten ähnlich wie bei großen Sportveranstaltungen einzeln kontrollieren, um mögliche Gewalttäter erfassen zu können. Die Demonstrationsveranstalter lehnen solche Kontrollen ab und wollen möglicherweise an einem anderen Ort als Davos demonstrieren.

Für die Sicherheitsmaßnahmen für die rund 2600 erwarteten Teilnehmer geben die Schweizer Behörden in diesem Jahr rund zehn Millionen Euro aus. Unter anderem wurde eigens eine vom Militär überwachte Flugverbotszone über dem Kanton Graubünden eingerichtet.



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