+++ Davos-Blog +++ Greta Thunberg: "Ich will, dass ihr in Panik geratet"

Sogar der erfahrenen Moderatorin blieb kurz die Sprache weg: Die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg hat sich mit drastischen Worten an die Elite in Davos gewandt. Alle Entwicklungen im Live-Blog.

Greta Thunberg mit Christine Lagarde
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Greta Thunberg mit Christine Lagarde


Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/25/19 3:20 PM Stefan Kaiser Das Weltwirtschaftsforum ist zu Ende, die Teilnehmer reisen ab und Davos wird wieder zu einem ganz normalen Wintersportort. Wir bedanken uns für die Aufmerksamkeit. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/25/19 12:17 PM David Böcking Nach ihrem Auftritt vor dem Weltwirtschaftsforum gibt Greta Thunberg noch eine Pressekonferenz. Die 16-Jährige kommt mit ihrem mittlerweile berühmten, schon ziemlich abgegriffenen Protestschild mit der Aufschrift "Skolstrejk för Klimatet" herein, stellt es neben sich ab und grüßt zunächst jene Schüler, die heute in Berlin für Klimaschutz streiken. Dann liest sie noch einmal ihre Rede vor, bevor Journalisten Fragen stellen dürfen. Thunberg findet auf alles eine Antwort und lässt sich auch dann nicht aus der Ruhe bringen, als ein Helfer ihr aus Versehen das Mikrofon vom Kopf reißt. Sie erzählt noch einmal, wie sie auf die Idee kam, für Klimaschutz zu streiken. "Wie kann das sein?", habe sie sich gefragt, als in der Schule Filme über Klimawandel und Umweltzerstörung gezeigt wurden. Sie sei sehr deprimiert gewesen, habe aufgehört zu essen. Besser gehe es ihr, seitdem sie sich engagiere. So überzeugte Thunberg ihre Eltern, nicht mehr mit dem Flugzeug zu reisen. Das sei für ihre Mutter, eine Opernsängerin, nicht leicht gewesen. "Sie musste ein bisschen ihre Berufslaufbahn ändern ." Mittlerweile folgen Schüler in vielen Ländern dem Vorbild der jungen Schwedin, bei der nach eigenen Angaben die Autismus-Variante Asperger diagnostiziert wurde."Ich rede nicht gerne mit Leuten", sagt sie - es sei denn, es gehe um den Klimawandel. Doch nur über den wollen auch in Davos nicht alle reden. Ein Journalist möchte von Thunberg wissen, ob sie Parallelen zwischen sich und der schwedischen Romanfigur Pippi Langstrumpf sehe. Thunberg nimmt auch das gelassen auf und deutet auf ihre Haare "Die Zöpfe", sagt sie. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/25/19 9:49 AM Stefan Kaiser Greta Thunberg rührt die Menschen - auch in Davos. Die 16-jährige schwedische Schülerin hat ihren einzigen offiziellen Auftritt bei einer Diskussionsveranstaltung zum Klimawandel. Thunberg spricht vor etwa 50 Leuten - mehr passten nicht in den kleinen Raum. Und sie redet der versammelten Wirtschaftselite ins Gewissen: "Unser Haus brennt" , sagt Thunberg. In Davos wollten die Leute Erfolgsgeschichten erzählen, "aber in Sachen Klimawandel haben wir versagt." Es sei noch nicht zu spät zum Handeln. "Die Lösung ist so einfach, dass ein kleines Kind sie verstehen kann: Wir müssen den Ausstoß von CO2 stoppen." Thunberg liest ihren Vortrag vom Blatt ab, aber sie spricht mit fester Stimme. "Es wirkt so, als seien Geld und Wachstum unsere einzigen Sorgen", sagt die Aktivistin, die mit ihrer Bewegung "Fridays for Future in den vergangenen Wochen junge Menschen auf der ganzen Welt zu Schülerstreiks für den Klimaschutz bewegt hat . Sie wolle nicht hören, dass die Erwachsenen den jungen Menschen "Hoffnung" geben wollen. "Ich will nicht Eure Hoffnung, ich will, dass Ihr in Panik geratet. " Alle sollten die Angst spüren, die sie selbst jeden Tag spüre. Mit ihrer Rede bewegt Thunberg gestandene Davos-Teilnehmer: Die Moderatorin der Diskussion, Christiana Figueres, wischt sich die Tränen aus den Augen und bleibt kurz stumm. Die Nigerianerin Ngozi Okonjo-Iweala, Chefin der weltweiten Impfallianz Gavi, spricht von einer "großartigen Rede von der Jüngsten unter uns". Sie habe die Moderatorin Figueres noch nie sprachlos gesehen. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/25/19 7:56 AM Stefan Kaiser Guten Morgen aus Davos, wo das Weltwirtschaftsforum heute zu Ende geht. Die Aufmerksamkeit wird heute auf einem besonderen Gast liegen: der 16-jährigen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg . Sie wird gleich in einer Diskussionsrunde zum Klimawandel auftreten und hat für den späteren Vormittag auch noch eine Pressekonferenz angekündigt. Gerade eben wurde sie auf einem Flur des Kongresszentrums von der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde , begrüßt. „Ich unterstütze sehr, was Du tust“, sagte Lagarde. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/24/19 8:48 PM Stefan Kaiser Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/24/19 8:47 PM Stefan Kaiser Wenn George Soros in Davos zum Abendessen lädt, nutzt der 88-jährige US-Milliardär das gerne, um die Welt vor dem Untergang zu warnen. Diesmal hat er es auf China und dessen Staatschef Xi Jinping abgesehen. Das Land sei auf dem Weg in eine totalitäre Herrschaft. Und die Kombination aus einem repressiven Regime und monopolistischen Technologiekonzernen sei eine “tödliche Bedrohung für offene Gesellschaften”. “China ist nicht das einzige autoritäre System in der Welt, aber es ist ohne Zweifel das reichste, stärkste und im maschinellen Lernen und künstlicher Intelligenz am weitesten entwickelte”, sagt Soros. “Das macht Xi Jinping zum gefährlichsten Gegner einer offenen Gesellschaft .” China nutze die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz um die eigene Bevölkerung zu kontrollieren und unterdrücken, sagt Soros. Er kritisiert das geplante System der Sozialpunkte , mit dem China seine Bürger ab 2020 digital erfassen will. Dies diene der noch stärkeren Kontrolle und Überwachung. “Ich finde das Sozialpunktesystem beängstigend und abscheulich”, sagt Soros. Vor einem Jahr habe er noch geglaubt, dass man China nur stärker in die internationalen Institutionen einbinden müsse, aber nun habe er seine Meinung geändert, sagt Soros. Statt einen Handelskrieg mit der ganzen Welt anzufangen, müssten die USA härter gegen chinesische Technologiekonzerne wie Huawei und ZTE vorgehen. Wenn diese Unternehmen den neu entstehenden Markt des Mobilfunkstandards 5G dominierten, “wäre dies ein unakzeptables Sicherheitsrisiko für den Rest der Welt”. Leider verfolge US-Präsident Donald Trump einen anderen Kurs. Mit Trump geht Soros diesmal vergleichsweise milde um. Als "eigentümlich" bezeichnet er den US-Präsidenten. Die größere Gefahr aber scheint für Soros nun im Osten zu liegen. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/24/19 2:38 PM Susanne Amann Manchmal ist es zwar wohltuend, auf Gesprächspartner zu treffen, die sich außerhalb der Politik und damit außerhalb der politischen Diplomatie bewegen. Aber sie sprechen Dinge eben auch so aus, dass es die Laune nicht hebt. Europe after Brexit war das Thema, das heute Nachmittag im Davoser Kongresszentrum diskutiert wurde - und aus den Rednern (alle britisch) brach der gesammelte Frust heraus: Über eine politische Kaste, die das Königreich in eine Situation manövriert hat, aus der es keinen Ausweg mehr gibt. "Die Unfähigkeit der Brexiteers, ihren Sieg anzuerkennen und sich aus dieser Position heraus auf Kompromisse einzulassen, ihre Weigerung eine politische Lösung zu finden, frappiert mich zutiefst", sagte Martin Wolf , Chefökonom der "Financial Times". Eine Lösung? Nicht in Sicht: "Egal, ob es einen Deal oder keinen gibt, ob es ein neues Referendum gibt oder nicht, die Unsicherheit wird bleiben", sagte Guy Standing von der University of London. Am Ende einigte man sich auf eine einfache Formel, wie man das Ganze empfinde: " Depressing ." Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/24/19 12:40 PM Stefan Kaiser Falls Sie sich gefragt haben, was Angela Merkel heute so macht in Davos: Frühstück hat sie jedenfalls bekommen. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/24/19 12:05 PM Martin Hesse Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz will den Briten im Zweifel Aufschub gewähren, damit es nicht zu einem Brexit kommt, ohne dass die künftigen Beziehungen in einem Abkommen geregelt sind. "Wir sollten auch den Mut haben, das Austrittsdatum zu verschieben , um sicherzustellen, dass wir einen harten Brexit verhindern", sagte Kurz in Davos. Eine Verschiebung sei möglich, aber nicht über die Europawahlen im Mai hinaus. "Der Schaden eines harten Brexit wäre nicht nur für Großbritannien, sondern auch für den Rest der EU groß", sagte Kurz. Neue Angebote unterbreitete er den Briten allerdings nicht. Er forderte die Gegner der britischen Regierungschefin Theresa May auf, ihren Widerstand gegen das von May vorgeschlagene Abkommen aufzugeben. May wolle er keinen Vorwurf machen. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/24/19 10:23 AM Stefan Kaiser Donald Trump ist in Davos so etwas wie der Elefant im Raum: Obwohl er nicht da ist, bestimmt er doch viele Diskussionen – vor allem durch den von ihm angezettelten Handelskrieg . Auch Europa droht Trump mit Strafzöllen auf Autoimporte – eine Horrorvorstellung für deutsche Autokonzerne. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hat heute in Davos klargemacht, dass Europa sich eine solche Attacke nicht gefallen lassen würde. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte im vergangenen Sommer mit Trump eine Art Waffenstillstand im Handelskrieg ausgehandelt, in dem gegenseitige Strafzölle vorerst ausgeschlossen wurden. „Wenn das von den USA verletzt wird, werden wir antworten müssen“, sagte Malmström. „Ich möchte das nicht tun, aber wir werden das tun müssen.“ Die EU-Kommissarin zeigte sich aber zuversichtlich, dass es gar nicht so weit komme. Man habe in den Verhandlungen große Fortschritte gemacht. Sowohl die europäische als auch die amerikanische Autoindustrie hätten ihre Standpunkte klar gemacht: „Sie wollen diese Zölle nicht, weil sie substanziell falsch sind.“ Trump lässt derzeit vom Handelsministerium prüfen, ob die Autoeinfuhren aus der EU den nationalen Sicherheitsinteressen der USA schaden - und könnte auf dieser Basis Strafzölle von 25 Prozent verhängen. "Wir können das niemals akzeptieren“, sagte Malmström. „Wir sind Freunde und Verbündete und wir sind keine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Deshalb hoffen wir, dass es nicht passieren wird.“ Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/24/19 9:49 AM David Böcking Ein Fan von Donald Trump und seinem teuren Grenzwall ist Robert Shiller eindeutig nicht. Dennoch fordert der Wirtschaftsnobelpreisträger im Gespräch mit uns: "Gebt ihm seine Mauer". Was Shiller außerdem zu Robotern, dem Brexit und Annegret Kramp-Karrenbauer sagt, lesen Sie hier . Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/24/19 9:19 AM David Böcking Über Nacht hat eine Diskussionsrunde im "Situation Room" des Weltwirtschaftsforums dramatisch an Aktualität gewonnen. Es geht um "Wege zur Stabilität in Venezuela ". Von einer stabilen Lage ist das Land weiter entfernt denn je, seitdem sich Parlamentspräsident Juan Guaidó am Mittwoch zum Übergangspräsidenten ernannte und damit einen versuchten Sturz von Amtsinhaber Nicolás Maduro einleitete. Auf der Bühne sitzt unter anderem Gabriela Saade von der Nichtregierungsorganisation La Mejor Venezuela Foro. "Diesmal fühlt es sich anders an", sagt sie über den Umsturzversuch, der wegen der Unterstützung durch die USA an Dynamik gewinne. Auch eiserne Anhänger des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez seien angesichts der Mangelwirtschaft bereit für einen Wandel. "Sie wollen drei Mahlzeiten am Tag essen, sie wollen Zugang zu Medikamenten." Es sei "ein glücklicher Tag für jene unter uns, die dieses Regime nicht mögen", sagt der ehemalige venezolanische Handelsminister Moisés Naím. Nun müsse sich zeigen, wie die USA auf das 72-stündige Ultimatum reagieren, das Maduro ihnen zum Verlassen des Landes gestellt haben. Entscheidend sei auch die Reaktion von Kuba, dem wichtigsten Verbündeten der Chavisten. Am wichtigsten ist aber die Frage, ob das Militär Maduro weiter die Treue hält - wie noch am Mittwoch versichert . In einem sind sich die Anwesenden und das Publikum einig: Es soll keinen gewaltsamen Umsturz geben. US-Präsident Donald Trump jedoch hat wiederholt eine Militärinvasion in Venezuela als Option bezeichnet. Die Antwort des ecuadorianischen Außenministers José Valencia, der verspätet zu der Diskussionsrunde stößt, fällt eindeutig aus: "Wir unterstützen diese Option nicht." Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/24/19 8:09 AM David Böcking Der Shutdown in den USA ist am Donnerstagmorgen auch Thema bei einem Frühstück in Davos. HIer tritt Dan Schulman auf, Chef des Bezahldienstes PayPal . Der hat gerade öffentlichkeitswirksam verkündet, vom Shutdown betroffene Beschäftigte mit zinsfreien Krediten bis zu 500 Dollar zu unterstützen. Schulman spart nicht mit Kritik an den Folgen des Shutdown, der durch den Streit um die von US-Präsident Donald Trump geplante Grenzmauer ausgelöst wurde. "Sie haben Probleme, Lebensmittel zu kaufen, sie kaufen ihre Medikamente nicht ", sagt er über die Betroffenen. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich politisch positioniert. Unter Schulman zog sich Paypal wegen eines umstrittenen Transgender-Gesetzes aus North Carolina zurück und kritisierte die Einwanderungspolitik von Donald Trump. Der Paypal-Chef spricht erkennbar gerne über diese Entscheidungen. Moral und Geschäft seien kein Widerspruch, sagt er, und die Mission seiner Firma nicht weniger als die "Demokratisierung der Finanzwelt. So kooperiere Paypal nicht mit Internetseiten, die Gewalt oder Hass fördern. Doch vor allem die Definition von Hass falle nicht immer ganz leicht. " Das hat keiner von uns im College gelernt. " Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 5:49 PM David Böcking Wenn Staats- oder Regierungschefs in Davos auftreten, zeichnen sie normalerweise ein vorteilhaftes Bild ihres Landes – schließlich wollen sie die versammelten Investoren nicht verschrecken. Italiens neuer Premierminister Giuseppe Conte wählt am Dienstagabend ein anderes Vorgehen. In seiner Rede spricht er unter anderem von einem “Gefühl der Verzweiflung”, das sich in Italien ausgebreitet habe, und von Eltern, “die ihre Kinder ermutigen, wegzugehen”. Die düsteren Farben braucht Conte, um die Politik seiner rechtspopulistischen Regierung zu rechtfertigen. Um die Wirtschaft anzukurbeln, wollte sie deutlich höhere Schulden machen als von der EU-Kommission genehmigt. Der Streit darüber eskalierte im vergangenen Jahr, wurde aber vorerst beigelegt. Conte und seine Mitstreiter machen Haushalts-Vorgaben aus Brüssel mitverantwortlich für die Lage des Landes. Teure Pläne für eine Grundsicherung und vorgezogene Verrentungen verteidigt der Premier vor diesem Hintergrund als Kampf gegen eine soziale Krise. Die Bürger drohten sich sonst vom europäischen Projekt abzuwenden – und zwar nicht nur in Italien. “Unsere Erfahrung könnte ein Hinweis darauf sein, wie Europa morgen aussieht .” Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 4:50 PM Susanne Amann Wenn es einen Begriff gibt, der auf allen Panels zum Thema Digitalisierung fällt, dann ist es " reskill " - was so viel heißt, wie Weiterbilden oder Umschulen . Am späten Nachmittag diskutieren unter anderem Michael S. Dell , CEO der gleichnamigen Computerfirma, der Co-CEO von Salesforce, Keith Blook und Mastercard-Chef Michael Froman über die Frage, wie Digitalisierung integrativer werden kann. Wie man auf dem Weg in die digitalisierte Gesellschaft möglichst niemanden zurücklässt. Es ist, wenn man so will, die große Frage, die die Tech-Branche neben dem fehlenden Vertrauen umzutreiben scheint. Das Problem der vielen Diskussionen zum Thema: Die Diskutanten sind sich weitgehend einig . Man müsse die Bevölkerung kontinuierlich fit machen für's digitale Zeitalter - aber klar doch. Man müsse dafür sorgen, dass Wohnungslose, Kleinbauern in Westafrika oder sonstige Randgruppen Zugang zum Internet haben - aber sicher. Das sei eine Aufgabe, die gemeinschaftliches Handeln von Konzernen und Regierungen brauche - ja natürlich! Wie das konkret erreicht werden soll, bleibt aber im Ungefähren . Was daran liegen mag, dass auf den Podien zwar viele Unternehmenslenker, aber kaum Politiker sitzen. Vielleicht sollte man also damit anfangen, Verwaltungen und Regierungen für das Thema zu begeistern - bevor man an sonstige Randgruppen denkt. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 4:35 PM David Böcking Gelegentlich treffen die Zukunftsvisionen, in die man sich auf dem Weltwirtschaftsforum so gerne vertieft, auf die Gegenwart. So auch am Dienstag in einem der vielen schwarzen Kleinbusse, mit denen Teilnehmer durch das langgestreckte Davos gekarrt werden. Die Insassen machen sich bekannt, fast alle arbeiten bei Großbanken, angeregter Small-Talk. Dann erwähnt einer, dass er sich mit dem Trendthema Autonomes Fahren beschäftige. Der junge Shuttle-Fahrer merkt auf: "Dann wollen Sie also meinen Job wegnehmen ", sagt er. Verlegenes Gelächter der Passagiere, dann versichert der junge Mann freundlich: "Das ist schon okay." Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 4:29 PM Susanne Amann Direkt im Anschluss an den Auftritt von Angela Merkel bittet WEF-Gründer Klaus Schwab Wang Qishan auf die Bühne, Chinas Vize-Präsidenten . Nachdem US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping abgesagt haben, ist er neben Merkel einer der interessantesten Gäste - wird doch das Thema Handelskrieg überall auf den Fluren des Kongresszentrums diskutiert. Wang erwähnte den Namen Trumps zwar kein einziges Mal, doch jedem im Publikum ist klar, an wen sich seine Worte richten: Die internationale Ordnung sei derzeit durch Unilateralismus, Protektionismus und Populismus gefährdet. Dabei sei klar, dass kein Weg an der Globalisierung vorbei führe, sie sei eine "unumkehrbare historische Entwicklung". Wang macht außerdem klar, dass sich China durchaus auf Augenhöhe mit den westlichen Industrienationen sieht. Zwar müssten Rechststaatlichkeit und internationale Normen im internationalen Handel eingehalten werden, sagt er. "Aber diese Leitplanken müssen mit unseren Werten kompatibel sein." Und er schickt zum Schluss eine süffisante Bemerkung Richtung USA: Keine Volkswirtschaft könne doch ohne die andere leben. Konfrontation schädige beide Seiten, Kooperation helfe . Was im Publikum nicht nur für Zustimmung, sondern auch für heiteres Gelächter sorgte. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 1:56 PM David Böcking Merkel hat eine ungewöhnlich kämpferische Rede gehalten. Sie plädiert zwar für Multilateralismus und Verhandlungslösungen, verwendet in diesem Zusammenhang aber auch gleich mehrfach den Begriff "Schlacht". Auch die Kritik an den USA fällt ungewohnt deutlich aus. Mit Sanktionen wie jenen gegen Iran und dem Dollar als Leitwährung könne die Regierung in Washington ausländische Unternehmen "direkt beeinflussen", warnt die Kanzlerin. Die EU müsse sich fragen, wie sie über eine Stärkung des Euro gegenhalten kann. Wenn man sein ökonomisches Gewicht nicht in Waagschale werfe, "dann wird man natürlich in gewisser Weise auch - ich will mal nicht ganz hart rangehen - ich sag mal: steuerbar ". Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 1:46 PM Stefan Kaiser Merkel geht jetzt auf die Rolle Deutschlands und seiner Wirtschaft ein. „Internationale Fußabdrücke wird man nur hinterlassen, wenn man wirtschaftlich mithalten kann“, sagt sie. Deutschland habe eine starke Wirtschaft mit einer starken Automobilindustrie . Genau dort lauerten aber auch Risiken, etwa beim Übergang zur Elektromobilität „Die Tatsache, dass wir in Deutschland, aber auch in Europa bisher nicht in der Lage sind, Batteriezellen zu produzieren, ist ein großes Manko für den Autostandort Europa“, sagt Merkel. Drei Herausforderungen nennt Merkel für die deutsche Wirtschaft: Erstens, die Energiewende . Im Zuge des Kohleausstiegs werde Deutschland künftig stärker auf Erdgas angewiesen sein. „Wir werden auf der einen Seite Erdgas weiter beziehen aus Russland, das ist vollkommen klar.“ Aber man werde auch diversifizieren und auf Flüssiggas setzen, dass vor allem aus den USA kommt. Ein klares Signal an die USA und die Regierung von Donald Trump, die vehement Stimmung gegen die geplante Pipeline Nord Stream 2 aus Russland macht. Zweitens nennt Merkel die Digitalisierung , vor allem der staatlichen Infrastruktur. „Was der Staat mit seinen Bürgern macht, ist längst nicht so digitalisiert, wie es sein sollte. Da sind wir auch im europäischen Vergleich nicht Frontrunner, sondern eher ein bisschen zurück.“ Und die dritte Herausforderung ist für Merkel der demographische Wandel und der Mangel an Fachkräften, den sie mit dem Einwanderungsgesetz bekämpfen will. Ein Signal, das die Wirtschaftsvertreter freuen dürfte. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 1:36 PM David Böcking Merkel fordert neue internationale Abkommen – insbesondere bei der Nutzung von Daten . Bislang gebe es hier einerseits das US-Modell, bei dem Daten stark in privater Hand sind und andererseits China, wo es einen “sehr starken Zugriff des Staates” gebe. Diese zwei “Endpunkte” entsprächen “noch nicht der Vorstellung, der ich anhänge und die auch Deutschland geprägt hat”, so Merkel. “Nämlich der sozialen Marktwirtschaft ”. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 1:35 PM Susanne Amann Merkel nutzt ihren Auftritt für ein klares Bekenntnis zu Multilateralismus – und schickt damit ein klares Signal an Politiker wie den US-Präsidenten Donald Trump: „Ich glaube, wir sollten unsere nationalen Interessen so verstehen, dass wir die der anderen mitdenken.“ Damit eine „Win-Win-Situation“ für alle entstehe. Sie erinnert an „den von mir sehr verehrten Soziologen“ Max Weber, der vor genau 100 Jahren seinen Vortrag „Politik als Beruf“ gehalten habe – und damit den Begriff der Verantwortungsethik prägte. Das gelte für sie bis heute: „Eine globale Architektur wird nur funktionieren, wenn wir fähig zum Kompromiss sind .“ An welche Staatspräsidenten oder Regierungschefs Merkel bei diesem Hinweis genau denkt, lässt sie leider offen. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 1:25 PM David Böcking Angela Merkel versichert dem internationalen Publikum zu Beginn, dass Deutschland nach der langwierigen Koalitionsverhandlungen im vergangenen Jahr " wieder eine stabile Regierung hat". Dann erinnert sie an die letzte Finanzkrise. "Wenn man ehrlich ist, steckt uns diese Krise heute noch in den Knochen ". Zwar habe es Fortschritte bei der Bankenregulierung gegeben. Aber der Glaube an einen stabilen Finanzsektor habe “sehr, sehr gelitten”. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 1:15 PM Stefan Kaiser Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 1:06 PM Stefan Kaiser In wenigen Minuten wird Angela Merkel ihre Davos-Rede halten. Die versammelten Manager und Investoren dürfte vor allem interessieren, wie Merkel Deutschlands Wirtschaft auf stärkeres Wachstum ausrichten will. In der zweiten Jahreshälfte 2018 hatte die deutsche Wirtschaftsleistung praktisch stagniert. Das ist ein Warnsignal auch für die Weltkonjunktur. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 12:27 PM Susanne Amann Jack Ma strotzt vor Selbstbewusstsein , das ist kaum zu übersehen. Der Gründer des chinesischen Handels- und Techkonzerns Alibaba sitzt lässig zurückgelehnt in seinem Stuhl auf dem Podium, neben ihm Paul Kagame, der Präsident Ruandas. Hier, im Salon des Kongresszentrums, soll es heute um die Digitalisierung in Entwicklungsländern gehen. Aber es geht nur um Ma und sein neuestes Projekt: die Electronic World Trade Platform, kurz eWTP. Kleine Unternehmen, etwa aus Ruanda, sollen mit Hilfe von Technologie und Alibaba globalen Handel treiben können. „Statt auf ihrem Handy rumzudaddeln oder zu twittern, sollen die Menschen damit ihre Unternehmen führen“, sagt Ma. „Es gibt heute viele Menschen, die die Globalisierung nicht mögen, aber ich mag sie“, sagt Ma. „Die Menschen haben ein Problem mit ihr, weil sie das Gefühl haben, zu oft ausgeschlossen zu sein.“ Das wollen Ma und Alibaba mit eWTP ändern, die Welt erwarte eine neue Form von Digitalisierung. Allerdings nicht die ganze Welt , daran lässt Ma keinen Zweifel: „We don’t say Amerika first, we go to the countries who believe first.” Und Europa? Da seufzt Ma. Hier gebe es so viele Ängste, so viel Wunsch nach Regulierung, nach Datensicherheit, das mache ihn verrückt. „The worries worry Europe . I am happy.“ Spricht’s und grinst. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 11:18 AM Stefan Kaiser Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 11:16 AM Stefan Kaiser Die 16-jährige schwedische Klimaaktivistin GretaThunberg ist mit dem Zug nach Davos gereist - Fahrzeit hin und zurück nach eigenen Angaben etwa 65 Stunden . Dabei hat sie einen Rucksack, einen kleinen roter Koffer und ein Demonstrationsschild mit der Aufschrift "Skolstrejk for klimatet" (Schulstreik fürs Klima). Thunberg soll am Freitagmorgen bei einer Podiumsdiskussion in Davos dabei sein. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 11:08 AM Stefan Kaiser Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 9:14 AM Stefan Kaiser Daheim in Deutschland drückt die Diskussion um ein Tempolimit aufs Gemüt - hier in Davos darf Verkehrsminister Andreas Scheuer über ein angenehmeres Thema reden: die Zukunft des autonomen Fahrens . Trotzdem ist Scheuer bei seinem Auftritt sichtlich nervös, liest sein (englischsprachiges) Eingangsstatement starr vom Zettel ab ohne aufzuschauen. In der anschließenden Diskussion entspannt sich der Minister ein wenig, preist die deutsche Autoindustrie und vor allem den Standort „ Bavaria “. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/23/19 7:31 AM Stefan Kaiser Guten Morgen aus Davos, wo heute die politischen Vertreter der größten Volkswirtschaften der Erde erwartet werden: Am Nachmittag reden Bundeskanzlerin Angela Merkel (Nummer vier) und Chinas Vizepräsident Wang Qishan (Nummer zwei) zur versammelten Managerelite. Schon für den Vormittag ist ein Auftritt von Japans Premierminister Shinzo Abe (Nummer drei) vorgesehen. Die Volkswirtschaft Nummer eins, die USA, fehlt nach der Absage von Präsident Donald Trump diesmal in Davos. Nicht nur deshalb richtet sich nun besondere Aufmerksamkeit auf Merkel und Wang - sie sind auch die Vertreter jener Länder, die der Welt gerade einen mindestens kleinen Abschwung bescheren. Jahrelang hat vor allem China mit enormen Wachstumsraten die Weltwirtschaft angetrieben - doch zuletzt ist diese Maschine ins Stottern geraten: 2018 wuchs die chinesische Wirtschaft so langsam wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr . Und auch Deutschland , dessen Wirtschaft in den vergangenen Jahren boomte, bereitet vielen Managern und Ökonomen zunehmend Sorgen: Gerade erst hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für 2019 von 1,9 auf 1,3 Prozent gesenkt - ein kleiner Schock. Merkel und Wang werden heute Antworten geben müssen, wie sie ihre Volkswirtschaften wieder in Schwung bringen wollen. Wir werden im Live-Blog darüber berichten. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 6:18 PM Stefan Kaiser Der chinesische Konzern Huawei hat bekanntlich gerade ein paar Probleme mit dem Thema Privatsphäre: Vor allem die USA verdächtigen den Handyhersteller und Netzwerkausrüster, für die chinesische Regierung zu spionieren . Bewiesen ist das nicht, aber zumindest in Davos geht Huawei erst mal auf Nummer sicher: Während andere Tech-Konzerne freizügig in ihre neu erschaffenen Pop-up-Repräsentanzen an der Promenade bitten, heißt es bei Huawei "invitation only" - "nur mit Einladung". Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 5:53 PM Susanne Amann Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 5:51 PM Susanne Amann Klaus Schwab und sein Team mühen sich zwar redlich, aber es lässt sich nicht leugnen: Die Mehrzahl der Besucher in Davos ist männlich . Das ist selbst bei einer Veranstaltung mit Christine Lagarde so, der Chefin des Internationalen Währungsfonds. "When women lead" heißt das Treffen am Abend, organsiert von der US-amerikanischen Großbank Goldman Sachs. Hier werden Frauen vorgestellt, die mittels finanzieller Unterstützung erfolgreich Unternehmen gegründet haben - und Lagarde plaudert im Anschluss mit Goldman-Sachs-Chef David M. Solomon . Tatsächlich ist es eine sehr entspannte und zugleich ernsthafte Unterhaltung über den Mangel an Frauen in den Chefetagen. Sie sei nach längerem Nachdenken dazu gekommen, dass es trotz der immer noch schlechten Zahlen ausreichenden Fortschritt gebe, lässt Lagarde wissen. Und löchert dann den Bankchef, lässt sich explizit Programme und Maßnahmen erklären. Und der? Könnte zum Vorbild für deutsche CEOs dienen: So überzeugt und gleichzeitig ideologiefrei hat wohl noch kein deutscher Vorstandschef über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteile von Diversity gesprochen. Es gipfelt in einem Geständnis und einer Vision : Dieses Mal seien von den fünf Davos-Teilnehmern seiner Bank nur zwei Männer, aber drei Frauen, sagt Solomon. Und Lagarde kontert: In Zukunft werde die Bank " Goldman and Women Sachs " heißen. "Dann schon 'Goldman and Goldwoman Sachs'", grinst Solomon. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 5:17 PM Steffen Klusmann Wenn die globale Wirtschaftselite nach Davos kommt, brechen für den örtlichen Einzelhandel goldene Zeiten an. Nicht weil alle so viel shoppen, essen oder trinken. Nein, ein Großteil der Läden an der Promenade rund ums Kongresszentrum hat während des World Economic Forums sogar zu. Cafés und Schuhgeschäfte nutzen den Auftrieb der multinationalen Konzerne, um ihre Ladenflächen auszuräumen und zu vermieten. Microsoft und Co. müssen sich schließlich angemessen präsentieren, wenn sie schon mal alle Meinungsbildner auf einem Haufen haben. Und dazu braucht es Showrooms - an der Promenade. Die Cafébetreiber und Schuhhändler lassen sich die freundliche Übernahme sehr ordentlich vergüten. Bis zu einer halben Million Franken werden da verlangt und bezahlt. Pro Woche. Und bis die Techkonzerne alles auf- und wieder abgebaut haben, gehen gut drei Wochen ins Land. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 5:02 PM Martin Hesse Als Gore und sein Kampf gegen den Klimawandel sind zu einem festen Bestandteil des Weltwirtschaftsforums geworden. Dieses Jahr hat er unter anderem die Naturfilm-Legende David Attenborough und die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern als Mitstreiter auf die Bühne geholt. Gemeinsam richten sie dramatische Appelle an die Politik, die Naturzerstörung und den Klimawandel zu stoppen. Gore findet immer wieder drastische Zahlen, um seinen Zuhörern die Dramatik vor Augen zu führen. Die Hälfte aller Tiere habe die Menschheit in den vergangenen 30 bis 40 Jahren ausgerottet und sei auf dem Wege, auch die Hälfte aller Tier arten zu vernichten. Zugleich heize die Menschheit die Erdatmosphäre jeden Tag mit der Energie von 500.000 Hiroshima -Bomben auf. Dann fragt Gore Attenborough und Ardern, was sie jenen Staatschefs sagen würden, die noch immer nichts gegen den Klimawandel unternähmen - jeder im Raum weiß, dass er unter anderem an Donald Trump und den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro denkt. "Ich würde sie fragen, ob sie auf der falschen Seite der Geschichte stehen wollen, während der Planet Erde nach Hilfe schreit", sagt Neuseelands Permierministerin, 38 Jahre alt. "Ich würde sie fragen, ob sie ihren Kindern in die Augen sehen und ihnen sagen könnten: Ich wusste, was wir der Erde antun, aber es war mir zu kompliziert, das Problem zu lösen. Ihr müsst die Konsequenzen tragen", sagt der 92-jährige Attenborough. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 4:00 PM David Böcking Selbstbewusst aus der Ferne: US-Außenminister Pompeo während seiner Video-Ansprache Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 3:55 PM David Böcking Erst sagte nur der Präsident ab, dann cancelte Donald Trump wegen des Shutdowns auch die Davos-Trips sämtlicher Regierungsmitglieder. Jetzt spricht US-Außenminister Mike Pompeo doch noch beim Weltwirtschaftsforum - allerdings nur per Video-Übertragung. In einer kurzen Ansprache lobt Pompeo vor allem die Politik seines Präsidenten. So lägen die US-Wachstumsraten deutlich über jenen zwei Prozent, die bereits als “neue Normalität” für Industrieländer galten. “ So viel dazu ”, sagt Pompeo zufrieden. Mehr als um Wachstumsraten sorgen sich außerhalb der USA jedoch viele um Konflikte, die sich unter Trump verschärft haben: Der Handelskrieg mit China, die zunehmenden Spannungen mit Russland. Pompeo zeigt sich entspannt. Mit den Chinesen gebe es zwar viele Konfliktpunkte - etwa erzwungenen Technologietransfer. Er sei aber “hoffnungsvoll, dass jedes dieser Themen gelöst werden kann”. Auch mit Russland könne man sich verständigen. “ Wir sind nicht dazu bestimmt, Gegner zu sein .” Ein bisschen skurril wirkt es natürlich schon, dass die sonst so zahlreich vertretene US-Politiker diesmal wegen der innenpolitischen Spaltung daheimbleiben, während Trumps Politik in Davos erneut zu den wichtigsten Themen gehört. Ob die USA etwa isoliert seien, will Weltwirtschaftsforumspräsident Borge Brende vom Außenminister wissen. “Ich glaube, wir sind nicht mal ansatzweise isoliert ”, antwortet Pompeo. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 3:05 PM David Böcking Wegen des Shutdowns nur per Video in Davos: US-Außenminister Mike Pompeo Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 3:03 PM Susanne Amann Bolsonaro weiß, wegen welcher Themen er in der Kritik steht - und gibt sich auffallend ausgewogen. Natürlich wolle man wirtschaftlich erfolgreicher werden, aber nicht auf Kosten der Natur: " Brasilien tut viel für den Umwelt- und den Naturschutz , Land- und Forstwirtschaft erfolgt nur auf neun Prozent der Fläche", sagt Bolsonaro. "Weniger als 20 Prozent des Bodens wird für die Viehzucht eingesetzt." Was im Umkehrschluss heißen soll: Es bleibt genügend Raum für die Natur. Brasilien hatte sich im Rahmen des Pariser Abkommens verpflichtet, die illegale Entwaldung in Amazonien bis 2030 komplett zu stoppen und die CO2-Emissionen um 43 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. Tatsächlich erwägt der brasilianische Präsident aber wie sein US-Kollege Donald Trump, aus dem Klimaabkommen von Paris auszusteigen . Der Klimawandel sei eine Erfindung von Marxisten sagt sein Außenminister. Die Botschaft von Bolsonaro an das Davoser Publikum soll also lauten: Beruhigt euch! WEF-Gründer Klaus Schwab nutzt das Gespräch mit Bolsonaro, um diesem seine Wertschätzung zu versichern: "Brasilien ist ein großartiges Land, wir wünschen Ihnen alles Gute." Und verkündet auch gleich noch, den nächsten Lateinamerika-Gipfel des WEF in Brasilien stattfinden zu lassen. "Das bietet die ausgezeichnete Gelegenheit, uns ihre Errungenschaften anzuschauen." Sagt Schwab und meint es wahrscheinlich nicht ironisch. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 2:44 PM Susanne Amann Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ist auf die Bühne gekommen. Bevor er sich zum Gespräch mit WEF-Gründer Klaus Schwab auf die Bühne setzt, hält er eine kurze Rede. Vom Ton her scheint er noch im Wahlkampfmodus zu sein, die Botschaften sind sehr klar: "Wir haben in Brasilien eine ethische und moralische Krise, die wir überwinden wollen." Bolsonaro will einen Paradigmenwandel, Korruption und Vetternwirtschaft bekämpfen. Das Ziel: Brasilien für ausländische Investoren öffnen, der Fokus liegt auf der wirtschaftlichen Entwicklung. Natürlich im Einklang mit der Umwelt und den Menschen. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 2:07 PM David Böcking Das Gespräch von Prinz William und dem altgedienten Dokumentarfilmer David Attenborough ist auch ein Werbeauftritt für Netflix . Mit dem Streamingdienst hat Attenborough eine neue Serie gedreht, die auch die Folgen des Klimawandels zeigt. Der 92-Jährige schwärmt von Netflix' Reichweite: Als er in den fünfziger Jahren anfing, sei sein TV-Publikum sehr überschaubar gewesen. Nun könne er " über Nacht 150 Millionen Menschen erreichen". Dann lobt Attenborough noch den Einsatz eines Helikopterpiloten, der für die Serie spektakuläre Bilder einer abbrechenden Gletscherkante filmte. Das sei doch sicher gefährlich fragt er den Prinzen. William, der selbst in der Royal Air Force Hubschrauber flog, bestätigt: " Alle Helikopterpiloten sind sehr geschickt. " Heiterkeit im Publikum. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 1:20 PM Stefan Kaiser Der Prinz ist da: Prinz William, Herzog von Cambridge, spricht mit Richard Attenborough über.... die Natur. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 1:18 PM Stefan Kaiser Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 12:40 PM Stefan Kaiser Das Davos-Publikum wartet heute gespannt auf einen, der hier eigentlich nicht reinpasst: Jair Bolsonaro . Der frisch gewählte brasilianische Präsident steht politisch für das Gegenteil der Davos-Agenda: Nationalismus statt Multilateralismus, Ausgrenzung von Minderheiten statt liberale Gesellschaft, Regenwaldrodung statt Klimaschutz. Es dürfte spannend werden, wie so einer hier empfangen wird. Seine Rede soll um 15:30 Uhr beginnen. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 11:53 AM Susanne Amann Komische Orte in Davos I: Auf der Promenade ist die Kirche zweckentfremdet worden. CNBC hat einen temporären Veranstaltungsort daraus gemacht. Auf die Frage, ob das bei den Davosern auf Begeisterung stößt, zuckt eine Angestellte nur mit den Schultern: „Die einen finden es cool, die anderen grauenhaft. Ist doch immer so!“ Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 10:55 AM David Böcking Digital ist besser: Werbung der indischen Regierung an der Davoser Dorfpromenade. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 10:43 AM Susanne Amann Auf der Promenade, der Hauptstraße in Davos, sind sie nicht zu übersehen: die temporären Dependancen der großen Tech-Konzerne, hier „Spaces“ genannt. Google ist da, Salesforce, Facebook sowieso. Die massive Präsenz hat einen Grund – und der ist neben dem Handelskrieg zwischen den USA und China das zweite bestimmende Thema des Weltwirtschaftsforums: Das fehlende Vertrauen von immer mehr Menschen, dass Technologisierung und Digitalisierung ihnen mehr nutzen als schaden. „Die Menschen haben Angst davor, was Technologie bringt“, konstatiert Salesforce-Co-Chef Keith Block. „Dieses Jahr wird der Wendepunkt, wir werden massive Veränderungen erleben, etwa bei der künstlichen Intelligenz. Das ist ein kritischer Moment “, sagt Ken Hu, Chairman von Huawei. „In ein paar Jahren werden wir alle komplett digital sein“, prognostiziert Nokia-Chef Rajeev Suri. Was aber bedeutet das? Es mache Menschen Angst und habe zu einem massiven Vertrauensverlust in staatliches Handeln geführt – soweit ist man sich bisher einig. „ Techlash “ ist der Begriff, der das Phänomen auf den Punkt bringt. Schutz der Privatsphäre, fehlende Regulierung, Cybersicherheit oder die Frage, wer von den massiven Gewinnen der Tech-Konzerne profitiert, sind nur einige Aspekte, die diskutiert werden. Problembewusstsein ist also da. Lösungen allerdings noch nicht. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 9:52 AM David Böcking Der Handelskrieg zwischen den USA und China gehört zu den wichtigsten Themen in Davos. Von der Chinesin Jin Keyu ist dazu zum Auftakt eine interessante These zu hören. "Ich denke, der Handelskrieg ist ein versteckter Segen ", sagt die in London lehrenden Ökonomin. Chinas Wirtschaft brauche mehr Wettbewerb und dieser Prozess werde nun beschleunigt. Ähnlich äußert sich Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber , der heute den Verwaltungsrat der Großbank UBS leitet. Als erstes ausländisches Institut durfte UBS kürzlich die Mehrheit an einer chinesischen Bank übernehmen. "Unser konstruktiven Gespräche mit den chinesischen Behörden sind auf einem völlig anderen Niveau als noch vor ein paar Jahren", lobt Weber. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 7:30 AM Stefan Kaiser Donald Trump hat seine Reise nach Davos abgesagt – und auch kein anderes US-Regierungsmitglied darf dieses Jahr zum Weltwirtschaftsforum in die Schweiz reisen. Grund ist der innenpolitische Streit über den Shutdown in den USA. Doch auch wenn Trump diesmal nicht vor Ort ist, wird seine Politik ein großes Thema des Treffens sein. Denn viele in der versammelten Wirtschaftselite fürchten kaum etwas mehr eine Eskalation des Handelskriegs zwischen den USA und China. Der Konflikt gilt als eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft. Mehr zu den Themen und dem Programm in Davos lesen Sie hier . Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 7:25 AM Stefan Kaiser Der Klimawandel ist generell ein großes Thema in Davos. Gleich zu Beginn des Treffens veröffentlichte die Nichtregierungsorganisation Circle Economy am Dienstagmorgen eine neue Studie: Demnach werden jährlich 92,8 Milliarden Tonnen Mineralien, fossile Brennstoffe, Metalle und Biomasse in den Wirtschaftskreislauf eingebracht – aber nur neun Prozent davon werden wiederverwendet. Da der Großteil der weltweiten CO2-Emmission bei der Gewinnung und Herstellung von Produkten entstehe, müsse der Recycling-Anteil der Weltwirtschaft steigen, um den CO2-Ausstoß signifikant zu mindern, so Circle Economy. Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 7:15 AM David Böcking Kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums wird der versammelten Presse gerne ein wohltätiges oder gemeinnütziges Projekt präsentiert. Am Montagabend trat der bekannte britische Dokumentarfilmer David Attenborough auf. Für den Streamingdienst Netflix hat er eine neue Serie gedreht, welche die Folgen des Klimawandels beleuchtet - etwa mit spektakulären Bildern eines zerbrechenden Eisbergs. Als er die Botschaft der Serie erklären soll, hält Attenborough sich nicht lange mit britischen Understatement auf. "Das Verderben wartet dort drüben", sagt er. "Und wenn wir es nicht im nächsten Jahrzehnt oder so auf die Reihe kriegen, verdammen wir unsere Kinder und Enkel zu einer schrecklichen Zukunft." Auf die Frage, wie solche Warnungen zur Philosophie einer stetig wachsenden Weltwirtschaft passen, zitiert Attenborough den verstorbenen Wirtschaftswissenschafter Kenneth Boulding: „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann andauernd weitergehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter - oder ein Ökonom.“ Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 1/22/19 7:00 AM Stefan Kaiser Willkommen beim Davos-Blog ! Hier berichten SPIEGEL-Reporter live vom Weltwirtschaftsforum im Schweizer Alpendorf. Rund 3000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien diskutieren bis zum 25. Januar die Probleme der Welt - vom Handelskrieg, über den Klimawandel bis zum Brexit. 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