Wenig Trinklust: Bierkonsum bricht ein

Die Wirtschaftskrise hat den Bierkonsum erreicht: Im ersten Halbjahr ist der Absatz Branchenschätzungen zufolge um gut fünf Prozent eingebrochen - so stark wie nie zuvor. Erst für 2012 erwarten die Brauereien wieder Wachstum.

Meschede/Berlin - Die Deutschen trinken in der Krise offenbar weniger Bier. So wurde im ersten Halbjahr dieses Jahres fünf Prozent weniger Bier getrunken als im Vorjahr, schätzt der Deutsche Brauer-Bund (DBB). Einen solchen Rückgang habe die Branche noch nie erlebt, sagte DBB-Vizepräsident Michael Weiß am Montag.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer: Schrumpfender Markt
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Schuld daran sei unter anderem das Wetter, sagte er. "Das macht uns wahnsinnig." Auch habe das Rauchverbot in Kneipen dem Fassbierabsatz geschadet. So steuert der Pro-Kopf-Verbrauch auf die 100 Liter-Marke zu - 2008 waren es noch 111,1 Liter.

DBB-Vize Weiß geht davon aus, dass der Biermarkt in den kommenden Jahren durchschnittlich um zwei Prozent schrumpft. Da spiegele sich der demografische Wandel, aber auch das Konsumverhalten der Verbraucher ändere sich, unter dem derzeit alle alkoholischen Getränke litten.

Auch Veltins-Chef Michael Huber sieht eine längere Durststrecke auf seine Branche zukommen. Wegen der Wirtschaftskrise rechnet er erst 2012 mit einer Belebung des Biermarktes. Die kommenden Jahre würden für einige Wettbewerber zur Rosskur, sagte Huber weiter. Deren Ende sei wenig kalkulierbar: "Solide geführte Familienunternehmen können damit aber besser umgehen als die ganz Großen."

Veltins hatte erst kürzlich für das erste Halbjahr einen Ausstoß- Rückgang um 6,5 Prozent vermeldet. Allerdings war Veltins schon am 1. Januar mit einem Minus von drei Prozent gestartet, weil die Produkte des Brauers nicht mehr beim Discounter Lidl in den Regalen stehen. Auch die Mischgetränke der Marke "V+", mit denen die Sauerländer in den Vorjahren die Verluste beim Pilsausstoß ausgeglichen hatten, entwickelten sich mit einem Minus von 8,8 Prozent erstmals rückläufig.

Mit dem sinkenden Ausstoß ist Veltins in guter Gesellschaft. Denn die Premium-Konkurrenz Krombacher (minus 5,3 Prozent), Bitburger (minus 4,6 Prozent), Warsteiner (minus 6,5 Prozent), König (minus 6,7 Prozent) und Jever (minus 7 Prozent) ist nach Informationen des Branchenmagazins "Inside" in der gleichen Lage. Von den "Fernseh-Bieren" schnitt lediglich Beck's mit einem Inlandsminus von nur 2,5 Prozent besser als der Markt ab.

Brauer-Bund-Vizechef Weiß kritisierte den Preiskampf der Brauer. Der Billigbier-Brauer Oettinger mache einen guten Job, sagte Weiß: "Schlimmer für das Image des Bieres ist der Preiskampf der TV-Biere." Diese groß beworbenen Marken gingen teils im Angebot für weniger als zehn Euro pro Kasten über den Ladentisch.

yes/dpa

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