Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Weniger Nettoeinkommen: Kaufkraft der Deutschen sinkt immer stärker

Neue Zahlen aus dem Finanzministerium belegen, was viele Bürger seit langem empfinden: Vom wirtschaftlichen Aufschwung haben die Deutschen nicht viel, können sich immer weniger leisten. Das Nettoeinkommen eines durchschnittlichen Haushalts ist in den vergangenen drei Jahren stetig gesunken.

Berlin/München - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und wichtige SPD-Politiker betonen zwar immer wieder, der Wirtschaftsboom in Deutschland komme auch "bei den Menschen" an. Aber trotz des Wirtschaftsaufschwungs können sich die Bundesbürger von ihrem Einkommen immer weniger leisten.

Einkaufen in Deutschland: Die Bundesbürger können sich immer weniger leisten
ddp

Einkaufen in Deutschland: Die Bundesbürger können sich immer weniger leisten

Das Nettoeinkommen eines durchschnittlichen Arbeitnehmerhaushalts sei in den vergangenen drei Jahren deutlich langsamer gestiegen als die Teuerungsrate, räumte nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion ein.

Die Angaben beruhen dem Bericht zufolge auf Zahlen aus dem Finanzministerium.

Der Abwärtstrend bei den preisbereinigten Nettoeinkommen habe sich zuletzt sogar noch verstärkt: Konnte sich eine Familie mit zwei Kindern 2004 immerhin noch 0,4 Prozent mehr für ihr Geld leisten als ein Jahr zuvor, so nahm ihre Kaufkraft 2005 und 2006 um jeweils 1,1 Prozent ab und 2007 sogar um 1,3 Prozent.

Ähnlich sieht es bei einem ledigen Arbeitnehmer ohne Kinder aus. Schuld an dieser Entwicklung dürften in erster Linie die gestiegenen Preise für Strom, Gas und Benzin, aber auch für Lebensmittel sein. Im Februar 2008 lag die Inflation bei 2,8 Prozent.

Auch die Steuerlast vieler Arbeitnehmer habe sich allen Reformen zum Trotz seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 nur geringfügig verringert.

So sei die Zahl derer, die auf einen Teil ihres Einkommens den Spitzensteuersatz von derzeit 42 Prozent entrichten müssten, zwischen 1993 und 2003 von 340.000 auf gut 800.000 gestiegen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Heute rutsche ein Arbeitnehmer bereits dann in die Spitzensteuer-Gruppe, wenn er das Doppelte des durchschnittlichen Jahresarbeitslohns von gut 27.000 Euro erhalte.

Teures Deutschland - Inflation im Februar 2008
Veränderung geg. Vorjahresmonat
in Prozent
Veränderung geg. Vormonat
in Prozent
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 7,4 0,1
Alkoholische Getränke, Tabakwaren 1,4 0,4
Bekleidung und Schuhe 1,4 1,6
Wohnung, Wasser, Strom, Gas, usw. 2,8 0,3
Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte u.ä. 1,7 0,2
Gesundheitspflege 1,5 -0,1
Verkehr 4,3 -0,1
Nachrichtenübermittlung -3,0 -0,4
Freizeit, Unterhaltung u.ä. -0,7 1,8
Bildungswesen 34,9 0,6
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 2,2 1,4
andere Waren und Dienstleistungen 2,3 0,3
Inflation gesamt 2,8 0,5
Quelle: Statistisches Bundesamt

als/AFP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: