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Werbe-Duell der Baumärkte: Frechheiten bitte auf YouTube

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Im Fernsehen darf der aktuelle Werbespot der Baumarktkette Praktiker nicht mehr gezeigt werden - das hat der Konkurrent Obi vor Gericht durchgesetzt. Gegen eines allerdings kann sich der veräppelte Marktführer nicht wehren: dass sich der Film auf YouTube verbreitet.

Hamburg - Es war ein Aprilscherz der besonderen Art und er bereitete nicht besonders viel Freude: Obi sei günstig, erklärt ein bierernster Protagonist im aktuellen Werbespot der Baumarktkette Praktiker. Und fängt dann an, schallend zu lachen, zwei große Querbalken mit den Worten "April, April" fallen ins Bild. Und jeder Zuschauer versteht, dass die Aussage, die Konkurrenz-Kette Obi sei billig, nichts als ein schlechter Scherz sein kann.

Praktiker-Werbung: "Wir wollten Obi nicht ärgern"

Praktiker-Werbung: "Wir wollten Obi nicht ärgern"

Lange zeigen durfte Praktiker Chart zeigen seinen Spot nicht, denn beim Marktführer Obi verstand man nicht besonders viel Spaß. Zwar bedankte sich der Baumarkt per Pressemitteilung noch für die "klare Anerkennung und Wertschätzung", die die Konkurrenz mit dieser Werbekampagne deutlich mache. Dann aber schoben die Juristen zwei Unterlassungsklagen hinterher, Praktiker musste unterschreiben und geloben, diesen und andere Spots nicht mehr zu zeigen.

Doch aus der Welt ist der "irreführende" Spot damit noch lange nicht. Schon kurz nach der ersten Ausstrahlung landete er auf der Videoplattform YouTube, wo er sich seitdem großer Beliebtheit erfreut. Er kann beliebig oft angeschaut, heruntergeladen und an Freunde verschickt werden - was nicht ganz dem Wunsch Obis entspricht, den Spot möglichst in Vergessenheit geraten zu lassen.

Kein Kalkül

Bei Praktiker selbst gibt man sich unschuldig. "Das ist von uns weder befördert noch veranlasst worden", sagt Sprecher Harald Günter. Dass die umstrittenen Werbespots jetzt bei YouTube zu sehen seien, habe man zwar bemerkt, dies sei aber nicht das Kalkül gewesen. Juristisch sehe man allerdings auch keine Verpflichtung, sich darum zu kümmern, dass der Spot von der Plattform entfernt werde.

"Es ist kein neues Phänomen, dass auch das Internet als weiterer Kanal für Werbekampagnen genutzt wird", sagt Martin Spann, Marketing-Experte der Universität Passau. Dass Firmen allerdings bewusst kalkulieren, rechtswidrige Werbespots über YouTube zu verbreiten, glaubt Spann nicht. "Das wird nicht eingeplant, weil es nicht zu steuern ist, man kann sich nie sicher sein, wie es in der Öffentlichkeit aufgenommen wird."

Noch deutlicher wird Volker Nickel vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft. "Das kann nicht als professionelle Strategie betrachtet werden, weil die eigentliche Zielgruppe gar nicht erreicht wird." Außerdem sei im Telemediengesetz geregelt, dass Werbung im Internet klar als kommerzieller Inhalt gekennzeichnet werde müsse. "Damit wäre eine solche Strategie zumindest sehr fragwürdig und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Unternehmen auf ein solches Glatteis begeben", sagt Nickel.

"Wir wollten Obi nicht ärgern"

Bei Obi selbst hat man registriert, dass der Werbespot inzwischen auf YouTube zu sehen ist. Ob und wie man sich gegebenenfalls gegen diese Art der Verbreitung wehrt, wird allerdings noch geprüft. Zwar sieht man es bei Praktiker sicher nicht ungern, dass der Spot auf diesem Weg in die Öffentlichkeit kommt. Trotzdem betont Firmen-Sprecher Günter: "Wir haben unsere Werbung ja nicht gemacht, um Obi zu ärgern." Man habe damit gerechnet, dass Obi eine solche Werbung sportlich nehme - etwa so wie die Baumarktkette Hornbach, mit der sich Praktiker in der Vergangenheit eine heftige Schlacht per Zeitungsanzeigen lieferte.

Ganz sportlich allerdings verhält sich Praktiker laut Konkurrent Obi auch nicht: Trotz der gerichtlichen Verfügung, so der Vorwurf, schaltet Praktiker weiterhin seine Werbespots - zwar geringfügig verändert, aber vom Tenor ähnlich. Das sei, so Obi, "absichtlich eine gezielte, unlautere Kampagne".

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