Werbe-Entschuldigung Telekom-Chef wirft Manfred Krug Populismus vor

Telekom-Chef Obermann ist sauer auf TV-Star Manfred Krug. Zum Start der T-Aktie hatte der Schauspieler massiv für den Anteilschein geworben. Inzwischen entschuldigte er sich wegen des Kursrutsches bei den Anlegern - was Obermann auf die Palme bringt.


Hamburg – "Über Manfred Krug hab ich mich richtig geärgert", sagt Telekom-Chef René Obermann in der "Bild am Sonntag". "Seine Äußerungen waren populistisch. Er wusste wie viele andere Anleger auch, dass der Kauf von Aktien mit Risiken verbunden ist."

Telekom-Chef Obermann: "Oft schlecht geschlafen"
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Telekom-Chef Obermann: "Oft schlecht geschlafen"

Krug hatte sich vor rund einem Monat bei den Käufern der T-Aktie entschuldigt, für die er in den neunziger Jahren in Fernsehspots geworben hatte. In den folgenden Jahren hatte die Aktie drastisch an Wert verloren. "Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind", hatte Krug dem "Stern" gesagt. Die Werbespots für die T-Aktie Chart zeigen bezeichnete er als seinen größten beruflichen Fehler.

Obermann wies diese Kritik zurück. "Wichtig ist jetzt, dass wir alles dafür tun, dass der Aktienkurs wieder steigt." Unter anderem hat das Unternehmen in der vergangenen Woche eine Service-Offensive angekündigt, um den Kundenverlust zu stoppen.

Außerdem sollen nach Telekom-Angaben rund 50.000 Mitarbeiter in eine Servicegesellschaft ausgelagert werden, um Kosten zu sparen. Möglicherweise will das Unternehmen aber noch weit mehr Beschäftigte in diese Gesellschaft verschieben, wo sie zu schlechteren Bedingungen arbeiten sollen als bisher. Laut "Wirtschaftswoche" bereitet der Vorstandsvorsitzende die vollständige Zerschlagung der Festnetzsparte T-Com vor. Weitere Personalkosten ließen sich durch die Gründung einer eigenständigen Netzgesellschaft mit fast 25.000 Mitarbeitern einsparen, die derzeit bei T-Com, T-Systems und T-Mobile mit der Netzplanung und dem Netzbetrieb beschäftigt sind.

Damit wären dem Bericht zufolge fast alle der knapp 85.000 Mitarbeiter von T-Com in neue Gesellschaften ausgelagert. Sie müssten mit geringeren Einkommen und längeren Arbeitszeiten rechnen. Das wäre ein noch härteres Sparprogramm als von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di befürchtet.

Die Gewerkschaft rechnet mit rund 60.000 Auslagerungen. Bei der Telekom selbst will man von dem angeblichen Horrorszenario nichts wissen. Unternehmenskreisen zufolge hat der Vorstand nicht vor, auch Betrieb und Planung der Netze mit 25.000 Mitarbeitern in eine eigene Gesellschaft auszugliedern. "Von solchen Plänen ist nichts bekannt", sagte eine mit der Situation vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Offiziell ließ die Telekom den Bericht der "Wirtschaftswoche" aber unkommentiert.

11,4 Millionen Euro für den Vorstand

Im Gespräch mit der "Bild am Sonntag" sagte Telekom-Chef Obermann, dass er in den vergangenen Wochen nachts oft schlecht geschlafen habe. "Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht. So ein dickes Fell habe ich nicht, die Sache geht mir sehr nahe." Allerdings müsse das Unternehmen alles dafür tun, langfristig stabil aufgestellt zu sein. "Arbeitsplätze und Gewinn hängen eng miteinander zusammen. Wenn der Wert eines Unternehmens steigt, ist die Perspektive für die Beschäftigten besser."

Bei den nötigen Einsparungen werde auch der Vorstand selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Die Manager der Telekom können nach Obermanns Angaben in diesem Jahr nicht mit mehr Gehalt rechnen. "Die Führungskräfte müssen in diesem Jahr auf eine Gehaltserhöhung verzichten. Und auch ich plane, einen finanziellen Beitrag zu leisten", sagte er der Zeitung zufolge.

Obermann selbst hat im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Euro verdient, davon waren gut 800.000 Euro leistungsabhängig. Der gesamte Telekom-Vorstand - einschließlich des abgelösten Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke - verdiente 11,4 Millionen Euro.

wal/AFP/Reuters/ddp



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